Wenn Fans es besser können: So stehlen Mods und Fan-Games Blockbustern die Show

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Wenn Fans es besser können: So stehlen Mods und Fan-Games Blockbustern die Show
Quelle: Nintendo

Fan-Games, Mods und Co. gehören zur Gaming-Branche wie Call of Duty, Zelda und Indie-Games - und sie sind häufig besser als das Original!

Mods können ein Game natürlich auch auf komplett skurrile Weise ins Absurde ziehen: Wer erinnert sich nicht an die Really Useful Dragons Mod für Skyrim, die alle Drachen zu Charakteren aus Thomas, die kleine Lokomotive machte? Genauso gibt es eine Mod, die in Resident Evil 2 den Antagonisten Mr. X durch Thomas ersetzt. Man sieht, die Beispiele sind zahlreich. Der Kreativität sind nämlich keine Grenzen gesetzt.

Alleinstehende Mods bzw. Spiele, die aus Mods entstanden sind, sieht man auch oft als inoffizielle bzw. spirituelle Nachfolger von Games, bei denen Fans seit Jahren vergeblich auf offizielle Nachfolger warten. So wird Portal Stories: Mel von vielen zum Beispiel als das inoffizielle Portal 3 bezeichnet.

Das primäre Ziel von Fanprojekten kann auch sein, zu erklären, was zwischen zwei Spielen der ursprünglichen Hauptreihe geschah. So theoretisiert The Legend of Zelda: The Missing Link zum Beispiel, was zwischen Ocarina of Time und Majora's Mask geschah.

Fans können ihren eigens kreierten Content auch dafür nutzen, selbst Profit daraus zu schlagen. Das Fan-Remake Black Mesa oder das eben genannte Aperture Tag sind dank der Zustimmung von Valve käuflich erwerblich. Genauso können einzelne Mods hinter einer Paywall versteckt sein oder Modder per Patreon unterstützt werden.

Garry's Mod Quelle: Moby Games Garry's Mod Auch The Forgotten City findet man mittlerweile als eigenständiges, kostenpflichtiges Spiel im Steam-Store - im Unterschied zu den bisher genannten Games besteht hier allerdings keine direkte Verbindung mehr zum Originalspiel, weshalb man es nicht als Fan-Game bezeichnen kann.

Wie reagieren die Entwickler der Originalspiele?

Fan-Content ist somit eine Möglichkeit, Games auszubauen und zu verbessern und damit den Machern indirekt die Augen dafür zu öffnen, was sie in ihren Titeln besser machen können bzw. worauf die Community Lust hat. Gleichzeitig profitieren Unternehmen, indem ihre Marken durch Fan-Content kostenlose Werbung bekommen.

Tatsächlich gibt es Entwickler, die Fan-Kreationen geradezu fördern. Dazu gehören zum Beispiel CD Projekt Red (Stichwort REDmod), Scott Cawthon - der Erfinder von Five Nights at Freddy's - und Sega - immerhin stammte Sonic Mania von Developers aus der Sonic-Fangame-Szene. Auch bei Rockstar oder Valve kam es schon vor, dass Modder unter Vertrag genommen wurden.

Trotzdem nimmt nicht jeder Entwickler die Kreationen ihrer Fans mit offenen Armen entgegen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie sich oft ihres geistigen Eigentums beraubt fühlen und Fan-Content direkt mit Mikrotransaktionen und den - meist kostenpflichtigen - DLCs eines Spiels in Konkurrenz steht.

Es kann auch der Fall sein, dass eine Mod einem Game einen erheblichen Image-Schaden zufügt, wie man es zum Beispiel bei der Hot-Coffee-Mod von GTA: San Andreas gesehen hat. Sie machte ein verworfenes Sex-Minispiel spielbar und führte damit zu einem gesellschaftlichen Aufschrei.

Durch sie wurde die Altersempfehlung des Spiels in den USA von "Mature" (ab 17) auf "Adults Only" (ab 18) angehoben, was dazu führte, dass es nicht mehr im Handel angeboten wurde. In Australien wurde es sogar ganz verboten. Rockstar musste San Andreas daraufhin umprogrammieren und die PC-Version patchen, um den Code für die Hot-Coffee-Mod komplett zu entfernen.

Drei Videospielunternehmen sollten beim Thema Fan-Content besonders hervorgehoben werden, denn sie repräsentieren die verschiedenen Reaktionen von Entwicklern auf Kreationen der Fans besonders gut: Valve, Nintendo und Bethesda.

Valve: Vom Mod zum Spiel

Es gibt mehrere bekannte Valve-Games, die als Mods von anderen Spielen anfingen. Dazu zählen zum Beispiel das bereits erwähnte Black Mesa, Dota 2 (ursprünglich eine Mod für Warcraft 3: Reign of Chaos von Blizzard), Team Fortress Classic (einst eine Mod für Half-Life, die wiederum auf Team Fortress, einer Mod für Quake, basiert) oder auch Garry's Mod (anfangs eine Mod für Half-Life 2).

Genauso unterstützte Valve Portal-Mods wie Portal Stories: Mel, Aperture Tag, Thinking With Time Machine oder Portal Revolution und die Half-Life 2 VR-Mod, indem es sie alle zum Steam-Shop hinzufügte. Valve erkämpfte sich somit einen guten Ruf, was die Offenheit zu von Fans kreiertem Content angeht. Und offen waren sie mit Recht: Immerhin gingen mehrere ihrer bekanntesten Spiele aus Mods hervor.

Dieser gute Ruf drohte vor Kurzem zu bröckeln, als die populäre Mod Team Fortress: Source 2 nach einer DMCA-Mitteilung von Valve - also einer Unterlassungsaufforderung - ihr Ende fand.

DMCA steht für Digital Millennium Copyright Act und ist in den USA so etwas wie das Urheberrechtsgesetz. Im Klartext bedeutet das: entweder, man entfernt seine Mod, oder man wird verklagt. Die Kritik, dass Valve nicht mehr so offen gegenüber Fancontent sei, wie sie es einmal waren, wurde laut.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk