Faszination Trophy-Hunting: Auf der Jagd nach Platin - Seite 4
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Wir gehen dem Thema Ingame-Erfolge auf den Grund: Woher kommen Achievements? Wie denken sich Entwickler Trophäen aus? Und warum Sammeln wir die Dinger?
Auch die klassische Methode mit per Gummi- oder Klebeband befestigten Controller-Tasten kommt gerne mal zum Einsatz. "Ja, das ist bei uns auch ein Mittel, das genutzt wird. Das zähle ich aber nicht als Bescheißen", wehrt sich Quetschboy gegen mögliche Vorwürfe. "Bescheißen ist für mich, wenn jemand anderes für mich Trophäen erspielt, weil ich es selbst nicht schaffe".
Spannend ist auch der Trick mit sogenannten Billigplatins oder Achievement-Spam-Spielen. Wobei "Spiele" da schon eine sehr großzügige Bezeichnung ist. Bei den meisten Titeln handelt es sich vielmehr um Assets-Flips, die eher notdürftig mit Standardteilen aus dem Engine-Baukasten zusammengeklöppelt wurden und so gut wie gar kein Gameplay bieten. Dafür aber jede Menge Erfolge für quasi keinerlei Aufwand. Besonders bekannt sind hier die Machwerke von Ratalaika Games aus Spanien und Breakthrough Gaming aus den USA, die offenbar ihr gesamtes Geschäftsmodell auf Achievement-Spam ausgelegt haben. Auf ihren Mist sind zum Beispiel auch Titel wie Zippy The Circle gewachsen. Ein Jump&Run-Abenteuer, im weitesten Sinne des Wortes, in dem ihr mit einem Kreis, der wahrscheinlich direkt aus Microsoft Paint stammt, durch eine billige 2D-Welt lauft, und für jeden Schritt gleich mehrfach mit einer Auszeichnung zugeschüttet werdet.
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Quelle: PC Games
Auf normalem Weg sind 1000 Seilsprünge kaum zu schaffen. Unser Bestwert lag im Selbstversuch bei 7.
Und da es die Titel dann gleich in mehreren Versionen gibt - eine für Europa, eine für Amerika und eine für Asien, dazu verschiedene Varianten für PS4, PS5 und Vita - kommen für eine Spielzeit von zirka zehn Minuten schon mal sechs Platin-Trophäen zusammen. Für ein einziges Spiel! Breakthrough und Ratalaika haben aber natürlich gleich dutzende dieser Dinger im Angebot, weil sie teilweise sogar einzelne Levels als eigenständiges Spiel verkaufen.
Allein mit der aktuell zehnteiligen Zippy-Saga lassen sich sagenhafte 110 Gold- und 10 Platin-Trophäen verdienen - für unschlagbare 9,90 Euro. Das führt das gesamte Ranglisten-System, die kompetitive Jagd nach Erfolgen natürlich vollkommen ad absurdum. Schließlich lassen sich mit Billigplatins ganz einfach Trophäen erkaufen und so die eigene Statistik pushen. In klassischem Pay2Win-Stil ist nicht mehr das eigene Können entscheidend, wer oben mitmischt, sondern nur die Größe des Geldbeutels.
Quelle: PC Games
Wer das Meisterwerk Zippy the Circle mal selbst ausprobieren will, findet im Microsoft Store ein kostenlose Demo für PC und Xbox.
"Am Anfang war es noch so: Wer Platin hatte, oder eine gewisse Anzahl an Platin-Trophäen, der hatte was erreicht" erklärt Christian Saathoff. "Das ist mittlerweile leider nicht mehr so." Mittlerweile zählt eine Platin für My Name is Mayo genauso viel wie eine Platin für Red Dead Redemption 2, was für viele eine komplette Entwertung ihrer Leistung darstellt.
Entsprechend wird oft die Forderung nach bereinigten Leaderboards laut, in denen Achievement-Spam-Spiele nicht berücksichtigt werden. Die werden allerdings wohl nur schwer umsetzbar sein, meint auch Christian alias Quetschboy. Billigplatins sind gekommen, um zu bleiben. Das ist wohl die traurige Realität.
Aber natürlich gib es in der Welt der Achievements und Trophäen nicht nur Billig-Mist. Es gibt auf der anderen Seite auch zahlreiche Entwickler, die sich um ihre Errungenschaften durchaus noch Gedanken machen - auch hier in Deutschland. Denn am Ende des Tages ist es für Studios auch immer ein Balance-Akt, was man belohnt und was nicht: Einerseits will man den Spieler nicht mit Erfolgen zumüllen, sodass sie schnell an Wert verlieren.
Andererseits sollten sie oft genug vorkommen, dass der Spieler das Gefühl hat, für seinen Fortschritt honoriert zu werden. Und sie dürfen eben auch nicht zu schwer sein, sodass sie nicht für manche komplett unerreichbar sind.
"Es sollte nicht unfair sein oder extrem nervig zu holen sein. Es sollte sich wie eine Belohnung anfühlen, wie ein I-Tüpfelchen oben drauf", erklärt mir Alexander Bönicke im Gespräch. Er arbeitet als Lead Level Designer bei Deck13, hat an The Surge 1 und 2 inklusive DLCs mitgearbeitet und war dabei eben auch an der Implementierung der Achievements beteiligt.
Die sind beim Frankfurter Entwickler und Publisher mittlerweile Teil eines jeden Projekts. Sie gehören also quasi zum Standard-Paket der hauseigenen Spiele und haben entsprechend ihren festen Platz im Entwicklungsprozess.
Quelle: PC Games
Wer in The Surge 2 alle Trophäen abstauben will, muss gut und gerne 50 Stunden in das Action-Rollenspiel investieren.
"So nach der Hälfte der Produktion, wenn man alle Features ausprobieren kann, sagen wir: So, jetzt machen wir die Achievements. Dann gibt es ein paar Meetings, in denen wir vorschlagen und brainstormen, was cool sein könnte. Danach wird umgebaut und getestet, ob das so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben."
Klingt nach viel Arbeit, ist laut Bönicke aber nicht so aufwendig, und sogar ein relativ günstiges Feature, wenn man allein auf die Produktionskosten schaut. Bei Deck 13 erledigen zwei bis drei Leute in etwa einem Monat alle Trophäen.
Was aber nicht unbedingt bedeutet, dass die Aufgabe besonders beliebt ist, wie die Entwickler-Kollegen von Mimimi Games aus München verraten: "Achievements ist jetzt kein Ding, worüber man happy ist, dass man das machen muss", gibt Head of Design Moritz Wagner zu. "Es ist an vielen Stellen einfach ein sehr langweiliger Job. Es ist viel Listen schreiben und Guidelines checken, was jetzt keine allzu spaßige Aufgabe ist."
Ohne Trophies, ohne mich!
Die Errungenschaften ganz einfach wegzulassen, ist allerdings keine Option. Sowohl bei Sony und Microsoft als auch bei Valve sind sie eine elementare Voraussetzung, um ein Spiel überhaupt im jeweiligen Store anbieten zu können. Auf Playstation- und Xbox-Konsolen gibt es sogar konkrete Vorgaben, wie viele Erfolge es mindestens beziehungsweise höchstens pro Spiel geben darf.
Quelle: PC Games
Auch im neuen Spiel von Mimimi Games, Projekt Süßkartoffel, soll das "Kill all Devs"-Achievement wieder mit dabei sein.
Und viele Entwickler wollen am Ende auch gar nicht auf sie verzichten, Mimimi Games eingeschlossen. Schließlich bieten Achievements immer wieder die Möglichkeit, sowohl den Spielern als auch den Machern selbst mit netten kleinen kreativen Secrets eine Freude zu bereiten.
In Shadow Tactics und Desperados 3 gibt es beispielsweise das "Kill all Devs"-Achievement. Dafür durfte sich jedes Mitglied des Entwicklerstudios einen NPC aussuchen, der ihn oder sie ingame repräsentiert. Und die Spieler müssen all diese Alter Egos finden und umbringen, um eine Belohnung freizuschalten. "Das ist halt cool", meint Moritz Wagner. "Das kommt auch bei den Fans gut an, weil es das Team auf eine unaufdringliche Art und Weise mit ins Spiel bringt."
Ein digitaler Jagdverein
Um diese NPCs zu finden, braucht es aber vielleicht auch mal ein klein wenig Hilfe von außerhalb. Da trifft es sich ganz gut, dass es mittlerweile dutzende Webseiten gibt, die sich nur damit beschäftigen, euch auf dem Weg zum nächsten Achievement mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Seiten, wie zum Beispiel Trophies.de, die größte Online-Community rund ums Thema Playstation im deutschsprachigen Raum. 95.000 angemeldete Nutzer diskutieren hier täglich in 143.000 Themen über alles, was das Sony-Fan-Herz begehrt: News, Tests, Events oder einfach nur Gott und die Welt.
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