Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 5

Special Harald Fränkel Lukas Schmid 53,99 €
Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 5
Quelle: Bill Bertram, Wikipedia CC BY-SA 2.5

In Teil 2 des Specials kürt unser Autor die besten zehn neuen (!) Spiele für den Amiga 500, der nach dem spanischen Wort für "Freundin" benannt wurde.

PLATZ 2: Tinyus (2021)

Supi, eine Hommage zum großartigen Groschengrab Gradius! Dieses herzlose Shoot 'em up lauerte 1985 in den Spielhöllen und hätte sogar das Taschengeld süßer Dackelwelpen gefressen, wenn sie denn Hände gehabt hätten, um an einem Automaten zocken zu können. Das super gelungene Heimspiel Tinyus erfüllt die Grausamkeitsstufe in puncto Schwierigkeitsgrad bravourös, kostet aber außer Nerven nix, null, nothing (Download).

Der Horizontal-Scroller bietet Bruchpiloten fast schon spöttisch an, dass sie sich mit bis zu neun Leben und neun Continues durch die sechs Levels brutzeln dürfen. Doch schnell feixen im Kopf des Laien hämisch lachende Hyänen, weil das Shmup nach einem Abschuss zum Beispiel die Waffenupgrades komplett nullt. Bei gescheiterten Bossduellen setzt man mich im Level zurück, und nur Laserkanonen bieten Dauerfeuer, soda$$ mir ErmÜdung$brüche in dEr Hand da$ Tippn dies3r Rezen$ion erschwÖrten. Nochmals als Warnung für Zartbesaitete: Der Schwierigkeitsgrad scheint von Höllenkreaturen geschmiedet, ich tippe mindestens auf Sauron, Voldemort und Pennywise, während Florian Silbereisen für den Sound verantwortlich zeichnete - er vermittelt mit einigen Hochtönen bisweilen den Eindruck, man pflüge nicht durch Tinyus, sondern Tinnitus.
Die Viper hat ihren sternförmigen Schild, Doppelfeuer, Raketenwerfer und zwei Kampfsatelliten aktiviert.<br> <br> &nbsp; Quelle: Harald Fränkel Die Viper hat ihren sternförmigen Schild, Doppelfeuer, Raketenwerfer und zwei Kampfsatelliten aktiviert.

 
Doch genug Mimimi gewinselt! Wirklich vorwerfen kann man diesem gradiusen Shmup nur, dass es (vorbildbedingt) in den ersten vier von sechs Levels Boss-Recycling betreibt. Auch die Amiga-Fassung rückt die Essenz des Genres in den Mittelpunkt und trifft mit seiner pixelgenauen Steuerung, wunderbar choreografierten Angriffsformationen und Schussmustern voll ins schwarze Loch. Die Action erreicht Wimmelbildniveau, gebärdet sich fies, aber selten unfair. Allerdings empfiehlt sich dafür ein Amiga 1200.

Im Vergleich mit Inviyya highscort der Titel durch mehr ballerischen Tiefgang: Ich sammle Upgrade-Nupsis und knipse während der Gefechte diverse Extras an. Antriebspower, Doppelgeschütze, Schilde, Satellitendrohnen und so weiter. Es gilt, die Waffen taktisch einzusetzen, bei Bodenzielen etwa machen sich Raketen gut, die feindliche Einheiten vollautomisch aufs Korn nehmen.

PLATZ 1: Tiny Bobble (2020)

In meiner historischen Sammlung hält sich nur eine originalverschweißte Version von Bubble Bobble (dt.: Seifenblase) auf, sodass ich das Jump 'n' Run schon ewig nicht mehr zocken konnte. Ich bin übrigens froh, dass es mir gelang, die Packung anno 2015 aus den Klauen des damals dreijährigen Sohnes zu retten, der "Ein Diiino! Schachtel aufmachen!" krakeelte ...
Tiny Bobble sieht so süß aus, dass es Diabetes verursacht. Der Weg bis Level 100 ist aber kein Zuckerschlecken.<br> <br> &nbsp; Quelle: Harald Fränkel Tiny Bobble sieht so süß aus, dass es Diabetes verursacht. Der Weg bis Level 100 ist aber kein Zuckerschlecken.

 
Bei Tiny Bobble handelt es sich um eine Neuauflage, die im Vergleich zur antiken Amiga-Fassung von 1987 erheblich gepimt wurde - sie orientiert sich stark am Spielhallenautomaten. Auch der Preis des Remakes sollte den einen oder anderen überzeugen, er liegt nämlich bei ziemlich genau 0 Euro (Download). Entwickelt hat es die Demogruppe Abyss, die auch das zweiplatzierte Tinyus schuf, dafür ein fettes RESPEKT!

Ich komme mir fast ein bisschen albern vor, das altbekannte Gameplay zu erklären, das jedes Baby kennt, aber als freiberuflicher Journalist werde ich nun mal nach Zeichenzahl bezahlt. Tiny Bobble läuft in Grundzügen so: Drache bespuckt Monster, Monster zappeln in Blase, Drache hüpft auf Blasen, Monster gehen tot, lalaladumdidumlalala, Jubel, Trubel Heiterkeit, Konfetti. Doppelt so viel Spaß macht das kindergerechte Gemetzel mit zwei Spielern.

Wikipedia schwadroniert, dass Bubble Bobble eines der ersten Games mit kooperativem Multiplayermodus gewesen sei. Als Homo senex kann ich da nur mitleidig hüsteln. Ich denke unter anderem an eines meiner everlasting Lieblingsgames: Superman fürs Atari 2600. Hier durfte Spieler A den Helden nach links und rechts steuern, während Spieler B mit Joystick Nummer 2 oben und unten übernahm. Kann man sich nicht ausdenken. Na ja, 1979 halt doch.

Die wichtigsten Verbesserungen von Tiny Bobble im Vergleich zu Bubble Bobble: 50 statt 25 Bilder pro Sekunde, 32 statt 16 Farben, 150 statt 40 Sammelobjekte und 224 statt 200 Pixel Bildhöhe. Außerdem kreuzt in jedem 16. Level ein großer Gegner auf. So, ich muss jetzt aber leider weg. Weiterzocken.

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