Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 2
Special 53,99 €
In Teil 2 des Specials kürt unser Autor die besten zehn neuen (!) Spiele für den Amiga 500, der nach dem spanischen Wort für "Freundin" benannt wurde.
PLATZ 8: The Shadows of Sergoth (2021)
The Shadows of Sergoth entpuppt sich als der Burger King unter den Rollenspielen. Warum, verrate ich später, um erst einmal unfassbar knisternde Stimmung aufzubauen ... TSoS präsentiert sich als klassischer Dungeon Crawler in der Tradition von Eye of the Beholder. Allerdings steuert der Spieler keinen Trupp, sondern schlurft mit nur einem Helden (Mensch, Elf, Zwerg, Halbork oder Echsenmann/frau) in der Ego-Perspektive durch 20 Verliese. Das Spiel, es basiert auf einem vereinfachten Advanced-Dungeon-&-Dragons-Regelwerk, beginnt mit einem umwerfend originell gestalteten Optionsbildschirm: Hier klickt sich ein toll animiertes Skelett mit seinem Knochenfinger durch die Menüpunkte.
Das Game an sich, so viel vorweg, erreicht keinesfalls die Qualität eines Klassikers á la Eye of the Beholder oder EotB 2. Dafür mangelt es an spielerischem Tiefgang und optischer Abwechslung. Ich tappe zum Beispiel durch immer gleich aussehende Gänge. Besonders gegen Ende mangelt es Shadows of Sergoth auch noch an Gegnertypen. Außerdem fallen die Rundenkämpfe nicht sonderlich herausfordernd aus.
Quelle: Harald Fränkel
Dem Eisgolem eine Flammenkugel entgegenzuschleudern, klingt nach einem einigermaßen validen Plan.
Gut finde ich die Automap sowie einige kreative Schalterrätsel und Ideen beim Leveldesign. Es gibt beispielsweise einen Abschnitt, bei dem der Unterweltenretter ständig auf dem feuchten Boden ausrutscht. Deshalb kann er keine einzelnen Schritte gehen, sondern schlittert von Wand zu Wand
Das macht es schwerer, sich bis zu dem Teleporter durchzuschlagen, der den Recken in den nächsten Keller beamt. Immer wieder blitzt derlei Humor auf. Statt der üblichen heilsamen Heldenmahlzeiten liegt Fastfood herum, mutmaßlich abgelegt von McDonald's-, Pizza-Hut- und Kentucky-Fried-Chicken-Mitarbeitern mit Helfersyndrom.
Warum ich TSoS trotz seiner Schwächen ganz gerne gezockt habe? Am liebsten würde ich darauf antworten wie mein neunjähriger Sohn, wenn er nix erklären möchte oder keine richtige Erklärung findet. Die Antwort lautet dann: weil! Am Ende des Tages war es aber wohl die Suche nach immer besserer Ausrüstung. Bei TSoS handelt es sich wie im Fall von Magica um eine kostenlose Schneider-CPC-Umsetzung.
Die Amiga-Fassung gibt's als Download für 14,99 Euro bei Double Sided Games, eine Disketten-Version für 39,99 Euro war bei Redaktionsschluss vergriffen. Wer probespielen möchte, krallt sich mit flinken Skelettfingern die kostenlose Demo. Ohne Rechner mit 2 MB Chip-RAM läuft allerdings nix. Der Hersteller empfiehlt einen Amiga 1200.
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PLATZ 7: Metal Gear (2021)
Mit Metal Gear startete die legendäre Stealth-Shooter-Reihe von Kultdesigner Hideo Kojima. Jetzt haben sich das erste Adventure und Held Solid Snake auf den Amiga geschlichen (Download). Ich verkneife mir, den Namen des Protagonisten frei zu übersetzen, weil man mir dann wieder vorwirft, ich könne nur pubertäre Penis- und Popowitze machen.
Quelle: Harald Fränkel
Levelboss: Machine Gun Kid mimt den Türsteher und bewacht den linken und obigen Ausgang.
Hinter Metal Gear verbirgt sich eine geheime Waffe. Held Solid Snake muss eine Basis infiltrieren, um den zweibeinigen Superpanzerroboter quasi im Alleingang zu zerstören. Das Spiel präsentiert selbst für heutige Verhältnisse abwechslungsreiche Gameplay-Mechaniken. Ich starte waffenlos, verstecke mich zunächst vor patrouillierenden Söldnern und verpasse ihnen gegebenenfalls eine Faust aufs Auge, um sie auszuschalten.
Es bleibt durchweg wichtig, die Gegend zu erkunden, um neben Schlüsselkarten hilfreiche Ausrüstung einzutüten. Dazu gehört etwa eine überstülpbare Pappschachtel, mit der sich Solid Snake krabbelnd fortbewegt. Verharrt er kurz, wird er zum Beispiel nicht von mobilen Überwachungskameras erkannt. Ein Schalldämpfer wertet Waffen auf, mit ferngesteuerten Raketen lassen sich Schalter zerstören, das Fernglas ermöglicht Blicke auf angrenzende Bildschirme, eine Feinduniform sorgt für eine perfekte Tarnung und so weiter und so fort.
Grafisch wäre mehr drin gewesen, alleine schon farblich, die Entwickler haben sich aber nun mal für eine 1:1-Umsetzung der Urfassung entschieden, die 1987 für den MSX erschien. Dabei handelt es sich um einen von japanischen Firmen entwickelten Homecomputer-Standard.
Wer hierzulande mit einem solchen Exoten zocken musste und die Wahl gehabt hätte, stattdessen mit den Eltern die bräsige TV-Serie Diese Drombuschs anzuschauen, hätte Albtraum 2 gewählt. Insofern bejubele ich die späte Amiga-Umsetzung. Mich nerven einige Trial-and-Error-Passagen alias Versuch-und-Irrtum-Abschnitte. Dass ich jederzeit speichern darf, feiere ich dafür fast schon ekstatisch.
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