Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 4

Special Harald Fränkel Lukas Schmid 53,99 €
Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 4
Quelle: Bill Bertram, Wikipedia CC BY-SA 2.5

In Teil 2 des Specials kürt unser Autor die besten zehn neuen (!) Spiele für den Amiga 500, der nach dem spanischen Wort für "Freundin" benannt wurde.

PLATZ 4: Knightmare (2022)

Ein Held braucht einen coolen Namen, also so was wie Der mächtige Thor, Batman oder Karl Lauterbach. Manchmal hat der Weltenretter aber auch pseudolustige Eltern und heißt deshalb Popolon - dann muss er umso mehr mit Taten überzeugen. Das gelingt ihm in Knightmare! Gut, auf den zweiten Blick stelle ich fest, dass Sir Popolon die Welt im Grunde pupsegal ist, er will als Opfer seiner Hormone nur Aphrodite vor dem König der Unterwelt retten. Der dritte Blick offenbart, dass es sich bei Knightmare (Download) überraschenderweise um einen Vertikal-Shooter handelt. Hat der Protagonist ein Schwert gefunden, haut er nicht zu, sondern wirft es. Er kann sogar Bumerange einsammeln. Irgendwie wirkt das anfangs alles etwas seltsam, aber ich schalte das Gehirn einfach aus ... man denkt ja besser auch nicht darüber nach, warum Clark Kent ständig mit der billigen Brille-aufsetzen-Masche durchkommt.

Während Herr Ritter Sport lauffreudig dem oberen Bildschirmrand entgegenstrebt, sammelt er Kristalle. Die bescheren ihm Punkte, kurzzeitig mehr Tempo, Unverwundbarkeit, einen Schild oder sogar eine Rüstung, die bei Berührung tötet. Weil sich Knightmare trotzdem als fast so schwer erweist wie ein Plattenpanzer, ist es ferner nötig, Juwelen einzutüten: Manche töten alle Gegner auf dem Bildschirm, andere frieren sie kurz ein, zuweilen gibt's ein zusätzliches Leben. All das wird mit launiger Musik der Güteklasse "Ritter Sweet Symphony" untermalt. Am Ende der Levels warten Bosse.
Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10 (3) Quelle: Harald Fränkel Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10 (3) Als Kind der 70er- und 80er-Jahre, das Green Lantern als "Grüne Leuchte" und "Grüne Laterne" ertragen musste und im Knightmare-Handbuch ab Seite 14 ständig das Wort "Komputer", bin ich außerdem sehr dankbar, dass der Titel des Spiels (eine Kombination aus Knight = Ritter und Nightmare = Albtraum) nie lokalisiert wurde, sonst hieße es im Wortspielwahn wohl "Das kann ritter enden!" oder noch schlimmer.

PLATZ 3: Smarty and the nasty Gluttons (2020)

Die Entwicklung des hier präsentierten Run 'n' Guns begann 1992. Weil sich kein Vertrieb fand, lag das Projekt lange auf Eis. Irgendwann galt der halbfertige Code als verschollen. Dann geschah ein Wunder: Das Spiel wurde nach 30 Jahren fertig. Was das für eine Sensation darstellt, kann man sich anhand von Star Citizen vor Auge führen:
Smarty (Bildmitte) begibt sich hüpfend auf Drachenjagd. Direkt über ihm sein zeitweise verfügbarer Hund.<br> <br> &nbsp; Quelle: Harald Fränkel Smarty (Bildmitte) begibt sich hüpfend auf Drachenjagd. Direkt über ihm sein zeitweise verfügbarer Hund.

 
Dieses würde, ausgehend vom Produktionsbeginn 2011, bereits 2041 erscheinen! Zu diesem Zeitpunkt lebe ich statistisch gesehen noch, hurra! Ja, für Hauptdarsteller Mark Hamill wird's eng, aber egal, Zombies gehen bekanntlich immer.

Smarty and the nasty Gluttons erzählt die Geschichte eines Jungen, den es in eine Traumwelt verschlägt. Der Elfjährige muss seinen Opa aus dem Reich von Dr. Nightmare retten. So weit, so originell wie ein Dieter-Bohlen-Refrain, doch drauf gepfiffen, Beischlaffilme brauchen auch keine Arthouse-Story. Das flotte, bonbonbunte, mit fröhlicher Musik untermalte Spiel wuselt mit einer bisweilen extrem hohen Gegnerdichte lustig vor sich hin (siehe Screenshot).

Ich gebe ungern zu, dass ich die ersten 873 Stunden damit verbracht habe, auf die possierliche Drachen zu schießen und mich zu wundern, warum ich es nicht in Level 2 schaffe. Ich verdanke es nur meinem üppigen IQ, dass auch ohne Anleitung folgende Erkenntnis reifte: Smarty besitzt nur eine Betäubungspistole. Tja, nun, ähem.

Gelähmtes Viehzeug verfällt in Regungslosigkeit, wie wir sie von den Zivilisten in der deutschen Version von Half-Life oder von Finanzbeamten kennen. Einen erstarrten Schni-schna-schnappi darf ich mit weiteren Schüssen wegschleudern oder manuell rumschubsen, und zwar auf einen oder mehrere Kumpels.

Jetzt platzen die Echsen und lassen einen Schlüssel fallen. Den gilt es, eilfertig einzusacken. Die noch lebenden Mistkröten fressen die Dinger nämlich, falls sich die Chance ergibt. Ich brauche fünf Schlüssel, um den nächsten Abschnitt zu erreichen.

Durch Teleporter reisende Gegner sorgen für fröhliche Panikattacken und in Zwischenlevels sammelbare Power-ups für taktischen Tiefgang. Ich pfeife meinen bissigen Hund Slurpy herbei, aktiviere ein Erdbeben, das alle Gegner lähmt, streife Rennturnschuhe über oder verbessere kurzzeitig die Waffe. Schlaukopf und die fiesen Fresssäcke gibt's kostenlos als Download und für 30 Euro hübsch verschachtelt.

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