Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 3

Special Harald Fränkel Lukas Schmid 53,99 €
Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10, Seite 3
Quelle: Bill Bertram, Wikipedia CC BY-SA 2.5

In Teil 2 des Specials kürt unser Autor die besten zehn neuen (!) Spiele für den Amiga 500, der nach dem spanischen Wort für "Freundin" benannt wurde.

PLATZ 6: King's Valley (2021)

Dieses Jump 'n' Run erschien wie Metal Gear zunächst für MSX-Computer und landete erst satte 36 Jahre später auf dem Amiga. Ich möchte keinesfalls einen kindischen alten Formatkrieg befeuern, aber für den Atari ST gibt es King's Valley nicht. Für den Amiga schon. Für den Atari ST nicht. Für den Amiga schon. King's Valley (dt.: Tal der Könige) vereint Ideen von Donkey Kong, Lode Runner und Boulder Dash. Das Ägypten-Szenario war dem Einfluss der ersten zwei Indiana-Jones-Filme geschuldet. Nach dem Atari-2600-Game Raider's of the lost Ark tauchte dieser Schauplatz damals in elf von zehn Spielen auf. Mir kommen etwa Riddle of the Sphinx (1982) und Rick Dangerous (1989) in den Sinn. Sogar das legendäre Zak McKracken (1988) bekam 'ne Quotenpyramide.

King's Valley verlangt Reaktionsschnelligkeit und Köpfchen. Der Held sammelt in 16 Pyramiden Edelsteine, wobei er einige mit einer Spitzhacke ausbuddeln muss. Vor Mumien rennt der Archäologe weg, hüpft drüber oder stoppt sie mit einem Wurfmesser. "Kann nicht so schwierig sein!", dachte ich. Dann fräste mein Gebiss den Grand Canyon in den Competition-Pro-Joystick. Das Spiel lehrt Demut, jeder Fehler tut sauweh.
Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10 (2) Quelle: Harald Fränkel Retro-Special Amiga 500: Neue Spiele für die alte Freundin - Top 10 (2) Der Recke kann immer nur einen der beiden Ausrüstungsgegenstände tragen, sich also immer nur entweder verteidigen ODER graben. Eine Hacke ablegen? Is' nicht! Will ich eine wieder loswerden, muss ich buddeln. Dabei geht das Ding kaputt, was angesichts der begrenzten Zahl zum Problem werden kann.

Für gemesserte Mumien plöppen an zufälligen Stellen neue auf. Unfairerweise oft direkt vor mir, wenn ich erst vor einer Sekunde eine Hacke eingesammelt habe und sich kein Messer in der Nähe befindet. Springen geht nur mit leeren Händen, zu allem Überfluss weder Treppen hinauf noch hinunter. Außerdem sperre ich mich bei Ausgrabungen gerne selbst ein. Wenn man erst mal reingefunden hat, macht das Ganze sehr viel Spaß. King's Valley steht kostenlos zum Download bereit. Für den Amiga. Nicht für den Atari ST.

PLATZ 5: Tiny little Slug (2020)

Tiny little Slug macht Spieler zur Schnecke. Die erweist sich als sehr mutig, deshalb nenne ich den kleinen Schleimer liebevoll Shnek der tollkühne Held. Der kriecht nicht nur an Wänden und Decken hoch, sondern flutscht - gutes Schleiming Timing vorausgesetzt - sogar derart flink an Gegnern und Fallen vorbei, dass selbst Philipp lahm wirkt. Im Grunde geht's darum, dass der possierliche Bauchfüßer in ein Erdloch geplumpst ist und den Ausgang sucht. Ferner gilt es, die Schneckensherrschaft dreier Levelbosse zu beenden.
Die Zauberin (oben im Bild) hat einen grünen Kobold betäubt und kann ihn jetzt durch den Level schubsen.  Quelle: Harald Fränkel Die Zauberin (oben im Bild) hat einen grünen Kobold betäubt und kann ihn jetzt durch den Level schubsen.  Der Titel glänzt durch sein erfrischendes Spielprinzip, wenngleich es mit Steg the Slug schon mal ein ähnliches Game gab (1992). Die indirekte Neuauflage punktet mit Humor und einem Bildungsauftrag: Ich hätte bei Wer wird Millionär? getippt, dass es sich bei einem "Tigerschnegel" um ein großes Geschlechtsteil handelt. In Wahrheit verbirgt sich hinter dem Begriff eine Nacktschnecke mit Streifen. Der Protagonist gehört dieser Gattung an.

Mein Ed von Schneck klappert Gebiete mehrfach ab, wenn es an einer Stelle zunächst nicht weitergeht. Damit er es unbeschadet durch gefrorenen Boden schafft, muss er zum Beispiel eine Chilischote finden. Hat er sie verspeist, wird ihm warm. Sucht er für einen Frosch ein Stofftier, bringt dieser ihm bei, über Stacheln zu glitschen.

Das Game mutiert sogar zum Jump 'n' Glide, sobald Super-Slug springen kann. Der Sound passt wie die Faust aufs Schneckenhorn, unser Weichtier quakt beim Hüpfen zum Beispiel schnecklich süß "Hepp!". Das kann ein Baby, welches mit der Heliumflasche aufgezogen wurde, kaum besser.

Tiny little Slug (dt.: Zwergschnecke) erinnert mich an Lemmings. Nicht wegen des Gameplays, sondern in puncto Flair. Warum es fair gesetzte Schneckpunkte Checkpunkte gibt, aber keine Speicherfunktion, ist mir allerdings ein Rätsel. Beende ich eine Sitzung, muss ich von vorne anfangen. Schnecklich!

Der Download des Spiels kostet 19 Euro. Das sorgt erst mal für eine Schnecksekunde, zum Glück fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Boxversionen deutlich besser aus: Hier zahlt man je nach Inhalt zwischen 29 und 32 Euro. Einen kostenlosen Ersteindruck verschafft die lobenswerterweise angebotene spielbare Demo.

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