Spiele mit dem Geist der 80er - Nightmare Frames, VVVVVV, Slipstream
Special 53,99 €
Erste Hilfe bei chronischen Melancholiken und Auwehmut: Mit welchen 25 modernen Games-Geheimtipps sich die Atmosphäre der goldenen Videogame-Ära atmen lässt
Platz 6: Nightmare Frames
Preis: 10,99 Euro (Gratisdemo) | Auch erhältlich für: - | Positive Steam-Bewertungen: 96% | Oldcool-Faktor: 8,5/10
Dieser Titel verdient das Prädikat "Horrorschocker", wobei wohlgemerkt nicht die hölzernen Animationen gemeint sind, die ganz offensichtlich auf dem Friedhof der Steiffkuscheltiere entstanden sind und einen irreführenden Ersteindruck von der Qualität des Spiels vermitteln. Nightmare Frames lässt sich am besten als Verneigung vor dem Point&Click-Adventure, vor der Popkultur der 80er und vor dem sogenannten Slasher-Film beschreiben. Jap, bei "Schreckensbilder" drehbucht sich alles um das Splatter-Untergenre, bei dem Aufreißertypen wie Freddy Krueger, Michael Myers oder Jason Voorhees vorzugsweise Teenager hinrichten.
Ergo ist das Spiel so blutig wie ein kleines Steak. Nein, das klingt zu harmlos, präziser formuliert fühlt es sich stark nach USK 21 an, zumindest ab Akt 2. Wobei schon die Startmucke andeutet, wohin der Angsthase läuft: Das Stück tönt, als habe ein Keyboardspieler bei der Titelmelodie der Netflix-Serie Stranger Things maximal zwei Tasten verwechselt. Nightmare Frames lädt zu einer Story-Achterbahn ein, wie man sie bei Spielen selten findet.
In diesem Artikel
- Seite 1 Spiele mit dem Geist der 80er - Huntdown, Hyper Echelon, Vampire Survivors
- Seite 2 Spiele mit dem Geist der 80er - Broforce, Unmetal, Super Blood Hockey
- Seite 3 Spiele mit dem Geist der 80er - Zero Ranger, Galacticon, Buddy Simulator 1984
- Seite 4 Spiele mit dem Geist der 80er - Nightmare Frames, VVVVVV, Slipstream
- Seite 5 Spiele mit dem Geist der 80er - Realms of Antiquity, Donut Dodo, 198X
- Seite 6 Bildergalerie
Die Detektivgeschichte beginnt als Hommage der pastellgefärbten 80er amüsant, führt ins Grau einer Geisterstadt und endet mit einem verstörenden Abstieg in die schwärzeste Hölle der menschlichen Psyche. Mausklickende erleben zwar einige Rätsel aus der Feder von Captain Obvious. Dafür lauern im Programmcode ganze Horden zeitgenössischer Anspielungen.
Quelle: Nightmare Frames spielt 1985 und ist noch gruseliger als der Italo-Pop-Horrorschocker ‘Tarzan Boy‘ von Baltimora, der im selben Jahr erschien. Seltsam? Aber so steht es geschrieben …
Nightmare Frames
Wenn der Protagonist, ein Hollywood-Drehbuchautor namens Alan Goldberg, ein Diner betritt, möchte man das Wort Detailliebe schnalzen: Er kann dort nicht nur an einem Arcade-Automaten ein Quiz zum Jahr 1985 zocken, sondern entdeckt auf einem winzigen Fernseher unter anderem sogar eine gepixelte Version von 'Walk like an Egyptian'.
Platz 5: VVVVVV
Preis: 4,99 Euro | Auch erhältlich für: PS4, Vita, Switch, 3DS, Commodore 64, iPhone/iPad | Positive Steam-Bewertungen: 96% | Oldcool-Faktor: 9/10
Man kann Entwickler Terry Cavanagh nicht vorwerfen, sich den Titel für sein Werk aus dem Buch Lihividiaspiv (Liste historischer Videogame-Begriffe, die in allen Spielenamen vorkommen) zusammengeklaut zu haben. Denn dann hieße es Cosmic Star Master Commander's Space Quest. Sonderlich kreativ kommt die Betitelung VVVVVV aber auch nicht rüber.
Quelle: Was für ein irrer Zufall, dass dieser Levelabschnitt in VVVVVV so heißt wie ein weltberühmtes 80er-Jahre-Lied von Man at Work, bei dem es um Australien geht.
VVVVVV
Was wir nach dem Start erleben, steht dem "Der Typ war beim Coden so unmotiviert, dass er auf der V-Taste eingepennt ist"-Verdacht jedoch diametral entgegen. Raumschiffkapitän Viridian strandet in einer Paralleldimension und soll seine verschollene Mann- und Frauschaft retten. Die Rede ist von Violet, Vermillion, Victoria, Vitellary und Verdigris. Irrer Zufall, dass alle Namen mit V anfangen.
Jedenfalls gelangt der PC-Besitzer in die wunderbare Welt der Schwerkraft: Sein Held HÜPFT nicht über Plattformen und Fallen, sondern dreht per Knopfdruck die Gravitation. So, dass er z.B. über Spieße HINWEGFÄLLT, die aussehen, als seien sie, irrer Zufall, mithilfe des umgedrehten Buchstaben V dargestellt. Fans des C64 kommt sofort der Begriff Zeichensatzgrafik in den Sinn - was für ein irrer Zufall, dass es VVVVVV auch für diesen knarzigen Kultrechner gibt.
Die gefühlt drei Farben und die launig lausig animierten Lebkuchenmännchen generieren massig 80er-Flair. Das vorliegende Switch 'n' Run serviert ein Labyrinth mit Teleportern, es fordert pixelgenaues Steuern und Grips. Um die Ecke denken ist hart, nach oben und unten aber keineswegs leichter, gerade, weil das Blitzdenksportspiel zusätzlich nach Reaktionsschnelligkeit schreit.
So droht Durchdrehgefahr! Australier, die sich immer wieder in Lichtgeschwindigkeit bis Europa und zurück graben, erleiden ja bekanntlich auch oft zerebrale Zentralnervensystemzusammenbrüche.
Platz 4: Slipstream
Preis: 8,19 Euro | Auch erhältlich für: PS4, PS5, Switch, Xbox One | Positive Steam-Bewertungen: 91% | Oldcool-Faktor: 9/10
Wer bislang dachte, ein Slipstream sei ein Auftritt der freizügigen Twitch-Influencerin Amouranth, fühle sich hiermit aufgeklärt: Es handelt sich auch um das englische Wort für "Windschatten". Darum geht es bei diesem Spiel in der Tradition des Arcadeklassikers Out Run von 1986, vor allem aber ums richtige Driften.
Quelle: Drift-Action in Griechenland: Die weißen Dingsbumse sind keine Grafikfehler. So und nicht anders müssen qualmende Reifen aussehen, Kinder!
Slipstream
Slipstream ist ob seiner antiquarischen Fahreigenschaften und Grafik sicher weniger geeignet, Vierkäsehochs mit erweitertem Forza-Horizont zu beglücken, es pustet aber mehr Nostalgie aus dem Auspuff als ein Dieselbrummer CO₂. Auf Steam lungern unzählige hübschere Retrowave-Racer herum, von denen der wohl bekannteste, surprise, Retrowave heißt. Deren Macher versuchen meist, ihr Werk durch plumpes Neon-Blingbling zu nostalgisieren und vergessen dabei oft, länger motivierende Modi einzubauen.
Da gibt sich Slipstream viel vergangenheitsverliebter und umfangreicher, dank sechs Singleplayer- und vier Splitscreen-Varianten für zwei bis vier Raser. Herzstück: ein Grand Prix mit Rangpunkten und (puristischem) Tuning. Slipstream liefert ordentlich Speed. Man muss sich allerdings im Klaren sein, dass sich die Autos eher wie ein Stück Seife am Badewannenrand steuern und das Spiel nichts für Mitglieder des Brake Fast Clubs ist, weil die Floskel "Wer bremst, verliert!" dafür erfunden wurde.
Super: Die bis zu 23 computergesteuerten Gegner fahren überraschend realitätsnah. Sie machen Fehler und schummeln nicht via Gummiband-KI. Und so rutschen menschliche Relikte der 80er freudig auf über einem Dutzend internationalen Strecken herum, etwa am Fuße der Akropolis vorbei, durchs Tal der Könige und unterhalb des Akagi-Vulkans.
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