Spiele mit dem Geist der 80er - Zero Ranger, Galacticon, Buddy Simulator 1984

Special Harald Fränkel Lukas Schmid 53,99 €
Spiele mit dem Geist der 80er - Zero Ranger, Galacticon, Buddy Simulator 1984
Quelle: PC Games

Erste Hilfe bei chronischen Melancholiken und Auwehmut: Mit welchen 25 modernen Games-Geheimtipps sich die Atmosphäre der goldenen Videogame-Ära atmen lässt

Platz 9: Zero Ranger

Preis: 11,99 Euro | Auch erhältlich für: - | Positive Steam-Bewertungen: 95% | Oldcool-Faktor: 8/10


Bei diesem schnellen Shoot 'em up geht's genretypisch einmal mehr darum, ETs nach Hause zu torpedieren. Der Obermotz der Alieninvasion heißt Green Orange, was gaga klingt, aber Programm ist. Zero Ranger, auf den ersten Blick ein hässliches Pixlein, entpuppt sich als Brillantfeuerwerk aus nur zwei tragenden Farben. Dafür ist es perfekt durchgestylt. Fast, als stamme es von einem dieser italienischen Designer der 70er oder 80er, deren schrille Möbel aus glattgelutschtem Plastik heute bei Bares für Rares Mörderkohle abwerfen. Wenn Feinde, Projektile, Laser und Blitze den Monitor in einem wahren Sperrfeuer verdecken, meint man, Zero Ranger sei ein Danmaku- oder Bullet-Hell-Shooter aus Japan; tatsächlich handelt sich aber um einen finnischen Move.

Wenn wenig versierte Piloten und Pilotinnen sich Labyrinthen mit beweglichen Fallen oder monumentalen Levelbossen stellen, ist ihr Schiff schneller kabooom als die Raumfähre Challenger bei ihrem tragischen Unfall 1986. Doch selbst ein Aus die Maus wirkt extraordinär stilvoll, sobald als Requiem ein sentimentales Klavierstück erklingt.
Zero Ranger Quelle: Zero Ranger wird wie in der Spielhalle hochkant gezockt. Die linke Szene zeigt Kleingedöns über einer Stadt. Rechts hat der Pilot eine Levelboss-Krabbe an der Hinterbacke.  Zero Ranger Indes setzen Zwischensequenzen im plärrenden B-Movie-Style kernige Kontrapunkte. Abwechslung bringen auch von Aliens erbeutete Waffensysteme.

Wir mutieren auf Knopfdruck u.a. zum Transformer und wehren Geschosse per Laserschwert ab. Bei Zero Ranger scheint alles durchdacht. Es bietet einen Rot-Grün-Blind-Modus, simuliert auf Wunsch antike Bildzeilen von Röhrenfernsehern und erlaubt es, die Hochkantgrafik 45 um Grad zu kippen. Dann haben Menschen, die gern liegend zocken oder über eine mobile Halswirbelsäule verfügen, ein größeres Bild. Na gut, in Wahrheit ist dieses feine Feature natürlich für drehbare Monitore gedacht.

Platz 8: Galacticon

Preis: 4,99 Euro | Auch erhältlich für: Switch | Positive Steam-Bewertungen: 100% | Oldcool-Faktor: 8/10


Wer wie der Verfasser dieser Zeilen während der 80er in der Taschengeldbranche tätig war und meistens nur zusehen konnte, wie ältere Let's Player in Kaufhäusern Groschengräber mit Markstücken füttern, wirft für Galacticon gern einmalig 4,99 Euro bei Steam ab - und dann Konfetti. Diese schnelle Arcadeballerei bietet nämlich alles, was ihre Vorfahren ausmachte.
Galacticon Quelle: Der geflügelte Held Galacticon (rechts vom großen Spiralnebel) verwandelt gerade ein paar Feinde in Konfetti und Punkte, während der niedliche Alien in der Mitte um Hilfe schreit. Galacticon Das simple Spielprinzip verstehen sogar Quallen, die bekanntlich kein Gehirn haben. Wie man viele Punkte erzielt, erschließt sich aber nur peu à peu, weil überraschend komplexe Mechaniken dahinterstecken. Dazu gesellen sich eine motivierende Lernkurve, die sehr präzise Steuerung und Suchtpotenzial.

Das Spiel erinnert mit den kleinen Landeplattformen in den acht Levels und wegen des geflügelten Protagonisten zunächst an die legendäre Vogel-Strauß-Lanzenstecherei Joust. Man muss aber keinen Button drücken, um zu flattern. Held Galacticon, halb Gott und halb Maschine, schießt nach links und rechts und rettet Aliens, indem er sie packt und zu Käfigen trägt. Das erinnert an das Atari-2600-Game Cosmic Ark. Doch aufgepasst: Aliens immer nach Farbe sortieren!

Das gibt mehr Punkte und senkt die Gefahr, dass sie sich gegenseitig fressen, während sie in Bodenhaltung darben. Zero Points! Zwischenzeitlich tüten wir Power-ups ein: Schilde, Feuerkraft, Smartbomben, Extraleben. Sind zwölf Kreaturen gebunkert, geht's zum Mutterschiff, Hindernissen ausweichend. Immer wieder gern eingesetzten Steinbrocken á la Asteroids etwa.

Indes jubeln die Ohren wegen der "Pfiu!" machenden Laserwaffen, hymnischen Musikeinspieler und blechernen Robotsprachausgabe. Und ehrlich: Schon der feine Titel Galacticon ist 80er-Konzentrat. Galaxian! Galaga! Galactica! Hach!

Platz 7: Buddy Simulator 1984

Preis: 7,99 Euro ( Gratisdemo ) | Auch erhältlich für: - | Positive Steam-Bewertungen: 94% | Oldcool-Faktor:


Dieses Spiel wäre eine 1a Schulungssoftware für Gamedesigner Chris Roberts, der bekanntlich seit 97 Jahren an der Weltraum-Oper Star Citizen herumkomponiert: Der Buddy Simulator 1984 programmiert sich nämlich binnen kurzer Zeit selbst fertig! Er simuliert zunächst einen urzeitlichen PC, der nur simple Games wie Schere, Stein, Papier oder Galgenmännchen in Zeichensatzgrafik erlaubt.
Buddy Simulator 1984 Quelle: Buddy Simulator beginnt als Textadventure. In dieser Szene veräppelt es den Spieler, der daraufhin beim Eintippen in die Kommandozeile etwas die Contenance verliert. Buddy Simulator 1984 Dann entwickelt er sich, während wir spielen, zu einem englischsprachigen Horror-Textadventure. Jetzt nimmt er über eine Oldschool-DOS-Kommandozeile einfache Befehle entgegen. Später erleben PC-Besitzer und -Besitzerinnen ihre Gedankenwelt visuell: Sie bekommt zunächst mittels Game-Boy-Optik ein Gesicht und wird anschließend ein 2.5-D-Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen - bis es zum Finale in der Ego-Perspektive kommt.

Die spannende Games-Evolution im Rund-fünf-Stunden-Zeitraffer hat auch was von betreutem Zocken, weil uns eine künstliche Intelligenz begleitet, die den im Spieletitel verewigten "Buddy" mimt. Der beobachtet, kommentiert und greift oft sogar ein. Diese KI ist es auch, die das Spiel stetig verbessert, weil sie nach unserer Zuneigung lechzt.

Ebenfalls originell: Der Buddy Simulator mutiert zu einem stark personalisierten Spiel, weil wir im Chat mit der KI Fragen beantworten, woraufhin sie etwa Geburtstagsdaten, Lieblingstiere oder Namen von Echtweltfreunden ins Abenteuer einbaut.

Der virtuelle Kumpel darf übrigens nach Vorliebe getauft werden. Wir kamen natürlich nicht drumherum, den Buddy "Holly" zu nennen. Dieser entwickelt im Laufe der Zeit übrigens eifersüchtige und sehr vereinnahmende Charakterzüge. Das macht den Buddy Simulator buchstäblich zum Psychospielchen und letztlich gänsehäutig G.R.U.S.E.L.I.G.

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