Sterben Konsolen aus? Das große Rohstoff-Problem

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Sterben Konsolen aus? Das große Rohstoff-Problem
Quelle: buffed

Die Gaming-Industrie verzeichnet jedes Jahr Rekordgewinne. Doch wie lange kann das mit Blick auf den Ressourcenverbrauch noch so weitergehen?

Im Jahre 2023 entschied sich Ecuador per Volksentscheid trotz langen politischen Widerstands, die Erdölförderung im Yasuni-Nationalpark im Amazonas zu beenden. Ebenfalls in Ecuador wurde in einem ähnlichen Verfahren dem Bergbau im Biosphären-Reservat Chocó Andino ein Ende gesetzt.

Weder die elf Konzessionen, die bereits genehmigt wurden, werden dort weiter schürfen dürfen, noch werden die sechs, sich quasi noch in der Bewerbungsphase befindlichen Projekte, das Licht der Welt - oder eben das Dunkel der Schächte - erblicken.

In dem Gebiet könnte man unter anderem Gold, Kupfer und Platin fördern. Obwohl die Kupfervorräte zwar theoretisch noch vergleichsweise lange halten, gibt es in letzter Zeit Versorgungsengpässe auf dem Markt. Platin hingegen ist ein ziemlich seltener Rohstoff, der möglicherweise bereits in den nächsten Jahrzehnten ausgehen könnte.

"Ausgehen" bedeutet in diesem Fall nicht, dass die allerletzte Unze aus der Erdkruste gekratzt wurde, sondern eher, dass die Förderung unwirtschaftlich wird, weil alle guten Adern bereits erschöpft sind.

Platin, Palladium, Gold, Silber und auch Kupfer sind alles Metalle, die buchstäblich grundlegend für unsere durchdigitalisierte (Post)-Industriegesellschaft sind. Sie bilden etwa Bestandteile von Legierungen, sorgen für schnelle Datenübertragung, werden in Solarzellen und Batterien verbaut und so weiter.

Auch für uns bescheidene Daddler*innen sind diese Metalle sehr wichtig, da sie sowohl unsere Hardware als auch die aller Spiele-Entwickler am Laufen halten. Auch die digitale Infrastruktur (unter anderem die LOL-Server) und das Stromnetz, welches recht wichtig ist, sind von solchen Bodenschätzen abhängig. Da ist es kein Wunder, dass sich das Ausmaß des Bergbaus innerhalb der letzten 20 Jahre verdoppelt hat.

Szene aus Satsfactory Quelle: Coffee Stain Studios In der Zukunft wird sich unsere Abhängigkeit höchstwahrscheinlich aufgrund verschiedener Faktoren sogar noch verstärken. Selbst, wenn wir den nötigen Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter anstreben, kommen wir von der Notwendigkeit der Metalle nicht weg. Schließlich funktionieren Technologien wie Photovoltaik und Gas-to-Power ebenfalls nur mit den kleinen Kleinoden.

Das stellt uns und unser extrem wichtiges Hobby vor ein Problem: Diese Rohstoffe dürften wohl zusehends knapper und deswegen teurer werden, und unserem Krimskrams wird es dadurch ähnlich ergehen.

Nicht nur handelt es sich hier um - zumindest auf der praktischen Ebene - natürlich begrenzte Ressourcen, gegen deren Abbau regt sich zusätzlich noch politischer und sozialer Widerstand, ob in Ecuador, Frankreich oder anderen Ländern. Schürfen nach Bodenschätzen zerstört nämlich eine ganze Menge Umwelt.

Zwischen den Jahren 2011 und 2021 ist die Waldfläche unseres Planeten um ganze elf Prozent zurückgegangen. Laut WWF ist einer der Hauptgründe dafür neben der Landwirtschaft und der Ausdehnung von Städten auch der Bergbau.

Hier unterscheidet man zwischen "Large Scale Mining", also groß angelegten Bergbaubetrieben, und "Artisanal and Small-Scale Mining" bei dem mit sehr einfachen mechanischen und chemischen Methoden gearbeitet wird. Allein der Abbau von Gold soll für etwa 36 Prozent der gesamten direkten bergbaubedingten Entwaldung verantwortlich sein.

Auch das Tierreich wird vom Bergbau stark bedroht. Wie WWF berichtet, befinden sich 77 Prozent aller Bergwerke im Umkreis von 50 Kilometern zu Gebieten mit hoher Biodiversität. Hierdurch ging etwa die Anzahl der Tiger in der Mekong-Region in letzter Zeit stark zurück. Als wäre das noch nicht genug, leiden auch Menschen unter der Ausweitung des Bergbaus.

Vor allem im Kleinbergbau sind Arbeiter*innen fast schon katastrophalen Bedingungen ausgesetzt und sehen sich oft ohne etwaige Schutzkleidung toxischen Substanzen ausgesetzt. Indigene Völker werden zusätzlich aus ihren angestammten Territorien vertrieben - und das oftmals durch gewaltvolle Auseinandersetzungen.

Palworld Quelle: Pocketbuddy Die Frage ist also, wie viel (Umwelt-)Zerstörung hier in Kauf genommen werden kann, selbst, wenn die daraus gewonnenen Bodenschätze danach in prinzipiell nachhaltige Technologien fließen. Wie einer der ecuadorianischen Aktivisten etwa meinte: Nicht jeder in Europa wird ein eigenes Elektro-Auto fahren können.

Auch abseits des Umweltschutzes kann der momentane Kurs nicht uneingeschränkt weitergehen. Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den ganzen Metallen schließlich um begrenzte Ressourcen. Wie lange unsere Reserven noch halten, steht jedoch nicht genau fest. Einige Studien gehen davon aus, dass wir noch etwa 30 Jahre lang, also bis zum Jahr 2050, so weiterschürfen können wie bisher.

Danach werden die Metallvorräte knapp. Wieder andere Studien behaupten, dass es noch wesentlich mehr natürliche Metallvorkommen gibt, als bisher angenommen. Diese Arbeiten nennen gleichzeitig aber vor allem soziale Faktoren, durch die es zu massiven Engpässen kommen könnte.

Mit diesen Faktoren sind nicht nur "lediglich" politische aber meist friedliche Proteste wie in Ecuador gemeint, sondern auch gewaltsame Vertreibung der ansässigen Bevölkerung und schlimmeres.

Bildergalerie

So fasst man unter dem Begriff Conflict Minerals Bodenschätze zusammen, die vor allem in Gebieten mit quasi ständigen (Bürger)-Kriegszuständen gewonnen werden. Oft wird die Kontrolle dieser Metalle als einer der zentralen Faktoren für den Kivu Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo genannt. Mit zunehmender Knappheit könnten auch diese Ressourcen-Konflikte und Kriege häufiger und intensiver werden.

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