Ressourcen-Knappheit im Gaming: Weshalb ihr euch um PCs und Konsolen Sorgen machen solltet
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Die Gaming-Industrie verzeichnet jedes Jahr Rekordgewinne. Doch wie lange kann das mit Blick auf den Ressourcenverbrauch noch so weitergehen?
In allen Fällen werden wir in absehbarer Zukunft also mit dem Problem der mangelnden Ressourcen konfrontiert werden. Im Bereich Gaming müssen wir uns daher fragen, ob sich jede/r in Europa (und anderswo) ein Mords-Rig mit drei Bildschirmen gönnen können wird. Und ob wir das überhaupt wollen sollten.
Man muss nicht unbedingt die Forderung nach einer "industriellen Abrüstung", die in Teilen des linken Lagers eine Renaissance erlebt, teilen, um zum Schluss zu kommen, dass wir unser Verhältnis zur Gaming-Hardware in Zukunft anders gestalten werden müssen.
Auch wer von einer grundsätzlichen Machbarkeit und Sinnhaftigkeit eines "grünen Wachstums" überzeugt ist, wird nicht um die Frage herumkommen, wie die Verteilung der knapperen und teureren metallischen Rohstoffe in Zukunft aussehen soll oder wird.
Können wir wirklich davon ausgehen, dass diese Ressourcen unverändert in einen Luxusgegenstand für den Endverbraucher verwandelt werden, wenn sie anderswo, also im Übergang hin zu einer grüneren Infrastruktur, dringend gebraucht werden? Dem allen natürlich vorausgesetzt, dass wir nicht weiterhin unseren Konsum hierzulande mit immer mehr Zerstörung woanders erkaufen wollen.
Der kommende Abwärtstrend in der Verfügbarkeit von Rohstoffen aus dem Bergbau beziehungsweise der kommende Aufwärtstrend ihrer Kosten - finanziell und ökologisch - wird kaum abzuwenden sein.
Wir können also getrost davon ausgehen, dass strukturelle Änderungen auch im Bereich Gaming auf uns zukommen werden. Was bleibt, ist die Frage, inwiefern dieser Prozess von wem gestaltet werden kann und sollte.
Quelle: Sony Interactive Entertainment
Wie bereits angedeutet, wird die erste unmittelbare Veränderung vermutlich auf Ebene der Hardware stattfinden. Sofern man den obigen Prämissen zumindest größtenteils zustimmt, ist es wohl wenig kontrovers zu behaupten, der klassischen Spielekonsole stünden harte Zeiten bevor.
Bei steigenden Kosten der Produktion von elektronischen Geräten werden wohl weniger Leute zu einem Gerät greifen (können), das im Endeffekt nur eine Funktion, nämlich das Daddeln, hat. Rechner und insbesondere das Mobiltelefon bieten dank ihrer Vielseitigkeit einfach ein viel besseres Preis-Leistungsverhältnis.
Insbesondere beim Mobiltelefon können wir jetzt schon große Schritte in die Richtung einer Universal-Maschine feststellen. Nicht nur lassen sich darauf alle wichtigen Büro-Programme ausführen, auch spezifisch im Bereich Gaming tut sich viel.
Das Handy mag zwar in der Hardcore-Gamer-Crowd nicht ganz zu Unrecht als Müllhalde endloser Shovelware verschrien sein, trotzdem spielt ein Großteil der Personen, die sich selbst als Videospiel-Connoisseure bezeichnen, auf Mobilgeräten.
Beliebt sind hier unter anderem Gacha-Spiele wie Genshin Impact mitsamt ihrer fragwürdigen Monetarisierung oder Dinge wie Candy Crush, die den Gacha-Games zumindest in Sachen Geldscheffeln in Nichts nachstehen.
Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr Projekte, die die klassischen Stärken und Schwächen des Mediums Lügen strafen zu scheinen. Genannt sei hier anhand von Skullgirls Mobile einfach mal der doch recht erfolgreiche Versuch, die mechanische Komplexität eines 2D-Tag-Fighters auf dem Handy umzusetzen.
Und auf dem neuen iPhone läuft tatsächlich einfach der aktuelle Meuchelmord-Simulator AC: Mirage. Nativ, ganz ohne Streaming oder anderen Schnickschnack. Wenn der Trend des Smartphones als das Gaming-Gerät der Masse durch Ressourcenknappheit weiter voranschreitet, könnte Mobile Gaming zusätzlich fast schon gezwungenermaßen eine rasante Aufwertung erfahren.
Quelle: Saber Interactive/Universal
Das bedeutet nicht, dass Konsolen wie die Xbox den Weg des Dodos und der dedizierten Handhelds gehen werden. Aber tendenziell wird es in Zukunft wahrscheinlich weniger Konsolen in weniger Haushalten geben.
Ebenso könnte - wie es in den frühen 2000ern noch der Normalfall war - nur noch ein Desktop in jedem Haushalt stehen. Die Traumvorstellungen Nintendos, einem einzelnen Haushalt mehrere Nintendo-Switch-Konsolen zu verkaufen, ist auf lange Sicht schlichtweg nicht tragbar.
Konsolen- und andere Hardware-Hersteller werden selbstverständlich nicht einfach die Flinte ins Korn werfen, doch der Konsolen-Zyklus und die Verbesserungsgeschwindigkeit der Technik wird sich höchstwahrscheinlich stark entschleunigen, wenn sich der durchschnittliche Konsument nicht alle paar Jahre eine neue Konsole zulegen kann.
Vielleicht wird das God of War der Zukunft noch genauso aussehen wie das jetzige. In einigen Jahren müssen Nutzer*innen womöglich nicht mehr jedes Jahr die neueste Nvidia-Grafikkarte in ihre Maschine stecken, um das nächste Crysis zum Laufen zu kriegen. Auch für die Videospielindustrie selbst könnte das sozusagen Glück im Unglück bedeuten.
Bei Projekten wie Red Dead Redemption 2 sahen sich Entwickler*innen etwa mal wieder mit dem berüchtigten Crunch konfrontiert. Sie mussten zum Ende der Entwicklungsarbeiten 100 Stunden pro Woche arbeiten, nur, damit die Pferdetestikel eben so realistisch wie möglich aussehen. Stagnierende Hardware könnte dieses Problem zumindest teilweise beseitigen. Fallen die ohnehin schon nur noch kaum merklichen optischen Verbesserungen bei Spielen wie Spider-Man und Spider-Man 2 gänzlich weg, könnte das die Arbeit von Entwickler*innen durchaus erleichtern.
