Geht nicht, Phantomdiebe! - warum ich mich so schwer von meinen Spielen trennen kann
Special
Der Abschied von Spielen kann ziemlich weh tun. Schuld daran sind vor allem die Bindungen, die man zu den fiktiven Charakteren aufbaut.
Die Credits laufen über den Bildschirm, während die eine oder andere Träne über die Wangen rollt. Stunden über Stunden wurde zusammen gelacht, getrauert und mit vereinten Kräften gegen die Bedrohungen der fiktiven Welt gekämpft. Und dann ... ist es auf einmal einfach vorbei.
Doch warum fallen uns Abschiede von Spielen eigentlich so schwer? Es gibt sicherlich viele Gründe, wieso wir den Controller selbst nach hundert Stunden eigentlich noch gar nicht aus der Hand legen wollen. Aber einer von ihnen macht die Trennung ganz besonders schwer: das vertraute Verhältnis, das wir zu den Charakteren aufgebaut haben.
Gemeinsam durch dick und dünn
Sowas gibt es zwar in jedem Genre, doch besonders Rollenspiele sind darauf ausgelegt, dass wir die fiktiven Mitstreiter und manchmal sogar die Gegenspieler ins Herz schließen. Die oftmals lebensbedrohlichen Herausforderungen, die wir gemeinsamen bewältigen müssen, schweißen uns mit den anderen Gruppenmitgliedern zusammen.
Quelle: PC Games
Fire Emblem: Three Houses
Doch nicht nur die Erlebnisse sind der Grund für die entstehende Bindung, denn im Laufe der Zeit lernen wir die Charaktere immer besser kennen. Wir fangen an, ihr Wesen zu verstehen, und erfahren viel über ihre vergangenen Erfahrungen, Verluste und ganz persönlichen Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen.
Da ist es kein Wunder, dass wir mit ihnen sympathisieren und uns geradezu mit ihnen anfreunden. Je nach Spiel verbringen wir schließlich viele gemeinsame Stunden miteinander und stehen gemeinsam Dinge durch, die wir uns im alltäglichen Leben niemals vorstellen könnten.
Neben anderen Faktoren wie unterhaltsamen Gameplay-Mechaniken, einer spannenden Geschichte, der reinen Gewohnheit nach vielen investierten Stunden und nicht zuletzt ganz einfach Spaß am Spiel, wachsen uns die erdachten Figuren oft so sehr ans Herz, dass der Abschied einen bitteren Beigeschmack hat.
Mehr als Sympathie: Parasoziale Beziehungen
In manchen Fällen führt diese Zuneigung sogar dazu, dass wir unsere virtuellen Gefährten nicht nur sympathisch finden, sondern sogar parasoziale Beziehungen zu ihnen aufbauen. Denn ja, das geht nicht nur mit echten Menschen, sondern auch mit fiktiven Charakteren!
Der Begriff bezeichnet eine stets einseitige Beziehung, bei der eine der betroffenen Personen nicht einmal von der Existenz der anderen weiß. Als das Phänomen in den 1950er-Jahren zum ersten Mal aufkam, handelte es sich bei den vermeintlichen Bezugspersonen dabei zumeist um prominente Persönlichkeiten wie beispielsweise Fernsehmoderatoren oder Schauspieler.
In der heutigen Zeit findet sich dieses Konzept besonders in Bezug auf Influencer oder Stars wieder, die auf Social Media aktiv sind. Wobei bei letzterem durch die Ausrichtung der Plattformen den Followern sogar der Eindruck vermittelt werden könnte, die Person würde mit ihnen in Kontakt treten, obwohl es nur den Anschein erweckt.
Die Bezeichnung "parasoziale Beziehung" wird allerdings nicht bloß für einseitige Verhältnisse mit realen Menschen genutzt, sondern auch für solche zu fiktiven Charakteren. Sitcoms sind ein hervorragendes Beispiel dafür:
Nachdem man zehn Staffeln lang Friends geschaut und mit Ross, Rachel und den anderen Mitgliedern der Gruppe mitgefiebert habt, kann leicht der Eindruck entstehen, man würde die Figuren selbst kennen. Es gibt zahlreiche Einblicke in ihre Gedanken, Gefühle und ihren Alltag. Es mag sich zunächst kontraproduktiv anhören, eine Form der Beziehung mit jemandem einzugehen, der keinerlei Kenntnis davon hat oder womöglich nicht einmal existiert.
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Dennoch können parasoziale Beziehungen sogar positive Effekte haben. Gerade Personen, denen der Kontakt mit anderen Menschen aus verschiedensten Gründen fehlt, können so der drohenden Einsamkeit entgegenwirken und einige der Vorteile von realen sozialen Beziehungen genießen - ohne Angst vor negativem Feedback.
