Geht nicht, Phantomdiebe! - warum ich mich so schwer von meinen Spielen trennen kann
Special
Der Abschied von Spielen kann ziemlich weh tun. Schuld daran sind vor allem die Bindungen, die man zu den fiktiven Charakteren aufbaut.
Fantasie kennt keine Grenzen
Es ist also kein Wunder, dass der Abspann dann nicht nur das Ende einer unterhaltsamen Zeit mit einem geschätzten Hobby bedeutet, sondern auch den Abschied von Charakteren, die man sehr ins Herz geschlossen hat. Denn plötzlich ist man nicht mehr Teil der Gruppe, mit der man die letzte Zeit durch dick und dünn gegangen ist.
Und das kann einen auch dann hart treffen, wenn man selbst mehr in die Situation hineininterpretiert, als das Spiel einem von Haus aus vorgibt. Dafür habe ich tatsächlich ein ganz persönliches Beispiel parat, und das heißt Monster Hunter Wilds.
Genauer gesagt heißt es eigentlich Artemis, denn es geht um meine Jägerin, mit der ich gemeinsam viele Stunden lang unzählige Pfeile auf die beeindruckenden Monster geschossen habe. Obwohl die Hauptfigur im neuen Teil der bekannten Reihe primär für ihre Jagdtalente bekannt ist und eher wenig von ihrer Persönlichkeit durchscheinen lässt, ist sie mir mit der Zeit sehr ans Herz gewachsen.
Quelle: PC Games
Monster Hunter Wilds
Im Laufe der Zeit habe ich mich sogar immer mehr mit ihr identifiziert - gut, sie sieht mir in keiner Weise ähnlich, denn letztendlich ist sie einfach eine überarbeitete Version meiner Jägerin aus Monster Hunter World. Und mein Talent mit Pfeil und Bogen lässt auch zu wünschen übrig.
In Videospielen ist es immer die Waffe meiner Wahl, aber im echten Leben habe ich das nur ein einziges Mal ausprobiert - und dabei nicht einmal das Ziel, sondern nur meinen eigenen Arm mit der zurückschnappenden Sehne erwischt. Kann ich absolut nicht empfehlen.
Und obwohl Wilds und World im Grunde nichts miteinander zu tun haben, hatte ich das Gefühl, nach sieben Jahren endlich eine alte Freundin wiederzutreffen. Bloß dass wir uns jetzt gemeinsam in neuen Gefilden befinden und in der Zwischenzeit wohl beide stärker geworden sind. Außerdem verbrachte ich sehr viel Zeit mit ihr in Gemmas Schmiede, da wir beide gleichermaßen begeisterte Fashion Hunter sind.
Quelle: PC Games
Monster Hunter Wilds
Und auch hinter ihrem Palico steckt eine persönliche Geschichte: Kurz vor dem Release des Spiels träumte ich, dass ich ein Katzenbaby adoptiert hätte. Eigentlich etwas Schönes, in der Realität werde ich das aber nie machen können. In meinem Kopf hatte ich dem Kätzchen den Namen Whiskey verpasst, also wurde Artemis flauschiger Begleiter kurzerhand zu meiner virtuellen Traumkatze.
Umso schwerer fiel es mir, das Spiel nach vielen erfolgreichen Jagden irgendwann wegzulegen und meine Jägerin samt Palico in der fiktiven Welt zurückzulassen. Und das nicht wegen dem vorgegebenen Charakter an sich, sondern rein durch meinen persönlichen Bezug dazu - also nochmal eine ganz andere Ebene.
Abschied tut immer weh
Vielleicht findet ihr die fiktiven Charaktere einfach sympathisch und fühlt mit ihnen mit, gerade wenn sie grausame Schicksale erleiden müssen oder euch die Abenteuer zusammengeschweißt haben. Vielleicht habt ihr auch eine parasoziale Beziehung zu einem von ihnen aufgebaut, wodurch es sich anfühlt, als würdet ihr einen Freund zurücklassen. Vielleicht hattet ihr auch einfach so eine richtig gute Zeit beim Zocken.
Egal, woran genau es im Endeffekt liegt, eines ist sicher: Abschiede von Spielen, mit denen man viel Freude hatte, sind nie leicht. Vor allem dann, wenn es gleichzeitig bedeutet, die liebgewonnen Charaktere loszulassen.
Klar, wenn ihr das Spiel erneut anschaltet und euch ein zweites Mal ins Getümmel stürzt, sind sie immer noch da - allerdings wissen sie dann nichts mehr von euren gemeinsamen Erlebnissen. Letztendlich ist genau das aber wie ein metaphorischer Ritterschlag für ein Spiel: Denn je schwerer einem der Abschied fällt, umso mehr hat es in der gemeinsamen Zeit absolut richtig gemacht. Und mir ist das den Herzschmerz allemal wert.
