Stick-Drift, Halleffekt, Strafen in Millionenhöhe und immense Preise: Das Geheimnis um den Gaming-Controller

Special Antonia Dreßler
Stick-Drift, Halleffekt, Strafen in Millionenhöhe und immense Preise: Das Geheimnis um den Gaming-Controller
Quelle: Erstellt mit KI (Canvas)

Stick-Drift ist kein neues Phänomen, genauso wenig wie die Lösung durch den Hall-Effekt. Dass die Technologie schon vor Jahren verfügbar war und wie die Konsumenten jahrelang im Dunkeln gelassen wurden, zeigen wir in unserem Report.

Fast jeder Gamer ist seiner Tastatur und Maus schon einmal fremdgegangen oder hat zumindest ein Auge auf die Alternative geworfen: den Gaming-Controller. An der Konsole sind sie sowieso Standard, aber auch am PC haben sich die handlichen Eingabegeräte für manche Genres fest etabliert. Und wer regelmäßig am Controller zockt, weiß um die Probleme, die mit der Gamer-Hardware einhergehen. Spielt man lange genug, entwickeln vor allem die Sticks ein Eigenleben - der Controller verzeichnet eine Eingabe, obwohl ihn niemand berührt.

Warum es zu diesem nervigen Fehler kommt, was dagegen getan wird, wieso Controller so teuer sind und warum sich die Justiz zwischendurch einschaltet, klären wir in unserem Report.

So kommt es zu Stick-Drift

Der sogenannte Stick-Drift ist der Albtraum jedes Controller-Spielers. Er taucht irgendwann einfach auf, kündigt sich vorher natürlich nicht an und ohne das richtige Werkzeug und das entsprechende Know-how geht es nicht weiter. Der Controller ist dann für die Mehrheit der Spieler nicht mehr zu gebrauchen. Wer fummeliges Reparieren in Eigenregie umgehen will, muss für einen Ersatz in den Geldbeutel greifen. Das ist ärgerlich und teuer, wenn es öfter passiert - Controller sind schließlich keine günstige Hardware.

Dass Stick-Drift überhaupt auftreten kann, liegt an der zumeist verbauten Technik - sogenannten Potentiometern. Die bestehen im Grunde aus zwei Bauteilen, die sich im Verhältnis zueinander bewegen können. Auf Potentiometern liegt eine elektrische Spannung, die sich verändert, wenn man die Teile aufeinander zu- oder voneinander wegbewegt. In Ruhelage, also wenn niemand den Controller berührt, ist die Spannung gleich null.

Potentiometer Quelle: Evan Amos via Wikipedia Durch das Verschieben des Sticks verzeichnet der Controller eine Änderung der elektrischen Spannung und gibt die Eingabe weiter. Die Richtung, in die die Eingabe erfolgt, regelt das Gerät, indem es die Spannung von zwei Achsen misst - hoch und runter und links und rechts. Gleichzeitig misst das Gerät, wie weit wir den Stick in eine Richtung drücken, es gibt also nicht nur ein "an" und "aus". Die Sticks können auch leichte Berührungen erkennen, deswegen heißt es auch Analogsticks - der große Vorteil von Controllern gegenüber einer Tastatur.

Bei Rennspielen zum Beispiel ist es mit den klassischen WASD-Tasten nicht möglich, nur ein wenig nach rechts und links zu steuern. Tatsächlich werden die Daten aus einem Stick letztlich trotzdem digital ausgegeben, deswegen sind sie auch nicht stufenlos. Die Bit-Zahl eines Analogsticks gibt vor, wie viele einzelne Stufen es gibt. Wichtiger ist bei der Präzision allerdings die Hertz-Zahl, also die Frequenz, mit der der Controller die Eingabe an die Konsole oder den PC weitergibt. Sie bestimmt nämlich, wie lange es dauert, bis eine Änderung unserer Eingabe im Gerät ankommt.

Reibung ist nicht immer gut

Das große Problem an Potentiometern ist, dass die verbauten Teile sich berühren und der physikalische Effekt auf Reibung basiert. Wie das handwerkliche Sprichwort so schön sagt: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. In diesem Falle wortwörtlich, denn durch das Aufeinanderschleifen der Bauteile nutzen sich die Komponenten mit der Zeit ab. Die Spannung wird nicht mehr richtig weitergegeben und in der Ruheposition verzeichnet der Controller eine Eingabe, die beim Spielen natürlich stört.

Bereits das erste Mal, wenn man den Controller in die Hand nimmt, nutzt er sich ab und die Ruhelage der Sticks fängt an sich zu verschieben. Das ist am Anfang allerdings so wenig, dass man das Problem softwareseitig beheben kann. Dafür kalibriert man die Sticks neu und ein neuer Nullpunkt wird für die Sticks festgelegt. Das passiert in der Regel bei jedem Start des Controllers. Auf der Nintendo Switch lässt sich dieser Vorgang aber auch manuell starten.

Ist die Abnutzung allerdings zu groß und verschiebt sich der Nullpunkt dauerhaft, ist der Stick-Drift nicht mehr berechenbar und eine Rekalibrierung hält nur sehr kurz, bis das Problem wieder auftaucht.

Wie lange es dauert, bis Sticks mit dem Driften anfangen, hängt von mehreren Faktoren ab. Natürlich ist der Umgang des jeweiligen Spielers ein großer Faktor, also wie fest oder sogar aggressiv er spielt. Auch was er spielt, hat Einfluss: Titel, in denen man oft L3 oder R3 nutzt, also die Sticks in den Controller reindrückt, beschleunigen den Verfall der Sticks, da es sich hierbei um eine Schwachstelle der empfindlichen Bauteile handelt. Zu guter Letzt macht auch das Material einen Unterschied, deswegen halten die Controller von manchen Herstellern auch länger als andere.

Die bekannte Lösung: der Hall-Effekt

Stick-Drift lässt sich niemals verhindern, solange Hersteller Potentiometer in ihre Hardware verbauen. Abhilfe schafft da tatsächlich nur eine komplett andere Technik, die auf einem anderen physikalischen Effekt beruht. Zum großen Glück aller Gamer hat sich bereits 1879 Edwin Hall hingesetzt und Magnete und ihre Auswirkung auf Elektroden untersucht. Dabei stellte er fest, dass man mit Magneten die Spannung in einem stromdurchflossenen Leiter beeinflussen kann. Das Phänomen ist heute bekannt unter dem Namen seines Entdeckers: der Hall-Effekt.

Der Austausch von Potentiometern, die auf Reibung basieren, durch Sticks, die den Hall-Effekt nutzen, eliminiert die Gefahr des Stick-Drifts nicht komplett, denn auch die hier verbauten Teile haben einen Abnutzungseffekt. Je nach verwendetem Material kommen Analogsticks damit aber auf eine Lebenszeit von mehreren Jahren, statt nur Monaten bei entsprechend intensiver Verwendung.

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