Eure Videospiele manipulieren euch - und ihr bemerkt es nicht mal!
Special
Videospiele sind ein harmloser Spaß ohne irgendwelche Mechaniken im Hintergrund? Falsch gedacht, ihr werdet von Games manipuliert - und wie!
Der Videospielmarkt ist kompetitiver denn je. Jahr für Jahr erscheinen unzählige neue Games, die um die Aufmerksamkeit der Gaming-Community, also der potenziellen Kunden, kämpfen. Diese Aufmerksamkeit ist dabei eine wichtige Ressource, denn sie entscheidet, ob die Spieler dem Produkt überhaupt erst eine Chance geben.
Es ist mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich unsere Aufmerksamkeitsspanne seit Jahren verkürzt und sich wahrscheinlich auch noch weiter verkürzen wird. Sie liegt laut Schätzungen bei acht bis 12 Sekunden, was weniger ist als die eines Goldfischs. Obwohl man immer den Kontext beachten muss, in welchem das Interesse eines Menschen gefragt ist, kommen diese Daten nicht von irgendwoher.
Das sieht man nicht zuletzt am riesigen Erfolg von TikTok, das bekannt für kurze Videos ist, und dadurch, dass das, was heute noch der letzte Schrei ist, morgen schon wieder out sein kann.
Die Aufmerksamkeit der Spieler lässt sich durch viele verschiedene Möglichkeiten gewinnen. Eine hochauflösende Grafik, detaillierte Umgebungen, spektakuläre Trailer, innovative Spielmechaniken oder clevere Medienkampagnen sind nur einige der Mittel, die ein Entwicklerteam nutzt, um ihr Produkt unter die Massen zu bringen.
Hat man erst einmal die Aufmerksamkeit eines potenziellen Kunden gewonnen - heißt, der Kunde interessiert sich für ein Game und kauft es -, gilt es, das nächste große Hindernis zu überwinden: den Spieler zu motivieren und an sein Spiel zu binden. Diese Aufgabe ist mindestens genauso schwer wie die, die Aufmerksamkeit des Kunden zu gewinnen, wenn nicht sogar viel schwerer.
Quelle: PC Games
Um ein Spiel also nicht nur in die Masse zu werfen, sondern auch dort zu verankern, müssen Entwickler manchmal tief in ihre Trickkiste greifen, um die Psychologie des Menschen auszunutzen.
Ihr kennt das sicher, wenn ihr ein Game nur ein paar Minuten zocken wollt, und sobald ihr das nächste Mal auf die Uhr schaut, sind auf einmal mehrere Stunden vergangen. Das ist ein klarer Fall eines Spiels, das euch in seinen Bann gezogen und motiviert hat. Doch wie hat es das erreicht? Wie kontrollieren die Entwickler den Hormonhaushalt der Spieler?
Wie schaffen es viele Titel, uns für Dutzende Stunden zu fesseln, während uns bei anderen schon nach kurzer Zeit langweilig wird? Wir stellen euch heute acht moralisch vertretbare und vier moralisch verwerfliche Methoden vor, die Entwicklerteams benutzen, um dich - ja genau dich! - zu manipulieren, ihr Spiel zu zocken.
Den nötigen Suchtfaktor einhauchen
Im Folgenden sind einige moralisch vertretbare Methoden angegeben, die Entwickler benutzen, um uns an ihre Produkte zu binden.
Ein Ziel vor Augen
Wie auch im echten Leben, hält es den Spieler motiviert, wenn man ständig eines oder mehrere Ziele vor Augen hat. Diese variieren je nach Genre eines Spiels und können vom Retten (z.B. die Mario-Bros.-Titel und Luigi's Mansion), übers Bauen (z.B. Cities: Skylines) bis hin zum Gewinnen von Rennen (z.B. Mario Kart und Forza Horizon) reichen.
Das Hauptziel sollte simpel und klar formuliert sein. Die Dinge, die man im Spiel tut, sollten dabei immer mit dem Erreichen des Hauptziels zu tun haben, zumindest in den Haupt-Quests.
Sollte das Ziel nicht klar definiert sein, wie zum Beispiel in der Sims-Reihe, kann das, je nach Persönlichkeit des Spielers, dazu führen, dass er nicht weiß, was er tun soll und ihm schnell langweilig wird.
Es sollte außerdem ein einzigartiges Element im Ziel vorhanden sein. Das kann zu Beispiel im Fall von Skyrim sein, dass man ein Drachenblut ist und einen Weltenfresser namens Alduin töten muss. Auch in Elden Ring, wo man die Rolle des Eldenfürsten einnehmen soll und dann über das Schicksal des Zwischenlands entscheiden kann, wird der Spieler vor eine große Aufgabe gestellt. Solche spektakulär klingenden Ziele sind ein häufiges Mittel, den Spieler für das Weiterspielen zu motivieren.
Quelle: Bandai Namco
Es empfiehlt sich ebenfalls, neben dem Hauptziel ein paar Unterziele verfolgen zu können, die dem Spieler möglicherweise schlussendlich helfen, das Hauptziel einfacher oder anders zu erreichen. Unterziele müssen aber nicht zwingend etwas mit dem Hauptziel zu tun haben.
Eine kurzfristige Form von Unterzielen kann es auch schon sein, dass man eine verschlossene Tür in einem Dungeon eines The-Legend-of-Zelda -Titels sieht und sich damit selbst das Ziel setzt, diese zu öffnen, um damit den Dungeon zu beenden und stärker zu werden.
Längerfristige Formen von Unterzielen sind hingegen Nebenquests oder Achievements. Auch bei Nebenquests ist gutes Writing unverzichtbar, um sie interessant zu gestalten. Spiele wie The Witcher 3 und Cyberpunk 2077 sind bekannt für ihre genialen Neben-Quests, die teilweise die Haupt-Quests an Qualität überholen.
Packende Story
Dieses Mittel zur Steigerung der Motivation hängt eng mit dem Ziel vor Augen zusammen und bezieht sich natürlich nur auf Spiele, in denen es überhaupt eine Story gibt. Eine Geschichte interessant und fesselnd zu gestalten, ist jedoch eine hohe Kunst.
Für eine packende Story unverzichtbar sind Charaktere mit Tiefe, ein Plot mit Spannung und unerwarteten Wendungen, emotionale Momente, die den Spieler berühren, und eine glaubwürdige Welt. Games, die für ihre herausragende Story bekannt sind, sind zum Beispiel The Last of Us, Red Dead Redemption 2 und The Witcher 3.
Gefühl der Progression
Auch dieses Mittel hängt eng mit dem Ziel vor Augen zusammen, bezieht sich aber auf mehr als bloß auf Spiele mit einer Story. Der Ausdruck "Progression", also Fortschritt, kann sich dabei auf verschiedene Dinge beziehen. Häufig äußert sich Progression durch Erfahrungspunkte. Sammelt ein Spieler genug Erfahrungspunkte bzw. XP, wird er in einem Level-up mit neuen Fähigkeiten und einer Stärkung seiner Werte belohnt.
Der Effekt davon ist klar: Der Spieler wird nicht nur motiviert, die neuen Fähigkeiten auszuprobieren (z.B. neue Zauber in Baldur's Gate oder World of Warcraft), sondern fühlt sich nun vielleicht endlich dem Dark-Souls -Boss gewachsen, den er auf einem niedrigeren Level noch nicht geschafft hat.
Bildergalerie
Zusätzlich bildet sich unterbewusst noch der Drang, weitere Level aufzusteigen und noch mehr freizuschalten bzw. noch stärker zu werden. Progression kann sich aber auch auf andere Arten zeigen, zum Beispiel einfach im Voranschreiten der Story, im Finden neuer Gebiete und Items oder im Erreichen von höheren Rängen in Multiplayer-Games.
