Eure Videospiele manipulieren euch - und ihr bemerkt es nicht mal!
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Videospiele sind ein harmloser Spaß ohne irgendwelche Mechaniken im Hintergrund? Falsch gedacht, ihr werdet von Games manipuliert - und wie!
FOMO (Fear of missing out) kann dabei ebenfalls entstehen und bezieht sich beispielsweise auf Events, bei denen es exklusive Belohnungen gibt, die man sonst nie wieder bekommen könnte. Gleichzeitig bringt einen die Angst, ein zurzeit beliebtes Spiel nicht zu kaufen und damit vielleicht eine unvergessliche Erfahrung zu verpassen, oft dazu, es zu spielen.
Dieser Gruppenzwang entsteht vor allem durch Games, die gerade einen großen Hype feiern und im Mittelpunkt der Diskussionen der Gaming-Community stehen. Ihre Qualität muss dabei nicht unbedingt eine Rolle spielen. Von diesem Effekt haben unter anderem GTA 5 und Cyberpunk 2077 profitiert.
Pay-to-Win
Jetzt sind wir bei den besonders problematischen Methoden angelangt. Pay-to-Win, also das Geschäftsmodell, Spieler durch Bezahlung mit besserer Ausrüstung und anderen Vorteilen auszustatten, wird leider immer noch verwendet. Ein ähnliches Modell, Pay-to-Skip, also dass man eine bestimmte Wartezeit oder eine gewisse Menge an Grind durch Bezahlung überspringen kann, ist auch immer noch bei einigen Entwicklern in Benutzung.
Quelle: Rockstar Games
Der Gedanke dahinter ist, dass Spieler, die bereit sind, Geld für diese Spiele auszugeben, sich anschließend im Vorteil gegenüber den anderen fühlen und ihnen das Game allgemein erleichtert wird. Hinzu kommt noch das unterbewusste Gefühl, ein Spiel spielen zu müssen, weil man ja Geld dafür ausgegeben hat.
Unerwähnt bleiben sollten hier ebenfalls nicht die allseits gehassten Lootboxen, die sogar schon zu Klagen geführt haben. EA wurde zum Beispiel vorgeworfen, die Schwierigkeit ihrer FIFA -, Madden - und NHL-Spiele zu manipulieren und damit den Spieler dazu zu bewegen, Lootboxen zu kaufen. Diese Sammelklage wurde anschließend fallen gelassen, nachdem EA klargemacht hat, dass die Schwierigkeit nicht manipuliert wird. Die Diskussion über Lootboxen ist damit aber noch lange nicht vom Tisch.
Quelle: EA Sports; Amazon.de; Montage: PCG
Erst letztes Jahr hat das EU-Parlament klargemacht, dass es sowohl Pay-to-Win als auch Lootboxen in Videospielen verbieten will, weil sie den Mechaniken von Glücksspielen ähneln und dementsprechend süchtig machen. Davon seien vor allem junge Menschen betroffen, da sie mit solchen Methoden noch nicht ausreichend vertraut sind und oft gar nicht bemerken, dass sie manipuliert werden. Konkret ist es vor allem der Effekt, eine direkte Belohnung mit geringem Aufwand zu bekommen, der so süchtig macht.
Nicht nur bei EAs Titeln, sondern genauso bei anderen Spielen, unter anderem bei einer großen Zahl von Mobile Games, kann man sich Vorteile durch Bezahlung erkaufen, was Politikern und Gamern schon lange ein Dorn im Auge ist.
Der Mere-Exposure-Effekt
Abschließend darf auch der Mere-Exposure-Effekt nicht unerwähnt bleiben. Bei ihm handelt es sich weder um eine moralisch vertretbare noch verwerfliche Methode, Spieler motiviert zu halten. Eigentlich handelt es sich nicht mal um eine Methode, sondern um ein psychologisches Phänomen.
Es geht beim Mere-Exposure-Effekt darum, dass man Dinge, die man anfangs als neutral betrachtet, mit der Zeit positiver wahrnimmt, wenn man ihnen lange und oft genug ausgesetzt ist. Die Wahrnehmung kann dabei auch unterschwellig, also unbewusst, stattfinden.
Dieser Effekt zeigt sich in der Gaming-Industrie auf verschiedene Arten. Zum einen neigen wir dazu, den neuesten Titel einer Serie eher auszuprobieren, wenn wir ihr bereits durch das eigene Durchspielen vorheriger Teile oder durch ihren allgemein hohen Bekanntheitsgrad ausgesetzt waren.
Dasselbe gilt zudem für bekannte Charaktere innerhalb der Spiele, zu denen man bereits eine Bindung aufgebaut hat, sowie Spielmechaniken, vertraute Grafikstile oder auch wiederkehrende musikalische Untermalungen, die man aus älteren Teilen einer Serie kennt. Sie alle sollen den Spieler dazu bringen, das aktuelle Spiel gleich mit positiven Gedanken zu assoziieren.
Des Weiteren können andere Menschen bei diesem Effekt eine Rolle spielen. Wenn unsere Freunde uns beispielsweise ein Spiel empfehlen und es häufig loben, sind wir dem Titel auch automatisch positiver eingestellt. Dasselbe gilt für die Games, die unsere Lieblingsstreamer und YouTuber spielen.
Es geht also darum, dass man automatisch eine positive Meinung über ein Spiel und damit Motivation hat, es zu spielen, wenn wir mit besagtem Game oder mit bestimmten Elementen darin bereits vertraut sind.
Die Jagd nach den Ressourcen
Die Motivation der Spieler ist zusammen mit der Aufmerksamkeit die wichtigste Ressource, die Entwickler zu erlangen versuchen. Wie man sieht, sind die Methoden dafür vielfältig und reichen von moralisch vertretbaren bis hin zu moralisch verwerflichen am Rande der Legalität.
Selbstverständlich können sich Entwickler auch mehrerer dieser Techniken bedienen und diese somit kombinieren. Es sei ebenfalls abschließend angemerkt, dass nicht alle Methoden bei jedem Spieler denselben Effekt erzielen. Während die einen auf stimulierende Farben und eine umfangreiche Soundkulisse verzichten können, lassen sich andere möglicherweise wenig von unter Druck setzenden Push-Benachrichtigungen beeindrucken.
Es sei außerdem gesagt, dass nicht jede dieser Techniken als Manipulation im klassischen Sinne bezeichnet werden kann, sondern einfach nur als das, was einem Spiel den nötigen Suchtfaktor einhaucht und die Spieler fesselt. Fühlt euch also nicht ertappt, wenn ihr selbst schon "Opfer" dieser Taktiken wurdet!
