Eure Videospiele manipulieren euch - und ihr bemerkt es nicht mal!
Special
Videospiele sind ein harmloser Spaß ohne irgendwelche Mechaniken im Hintergrund? Falsch gedacht, ihr werdet von Games manipuliert - und wie!
Abwechslung
Der letzte Punkt der moralischen Mittel zur Steigerung von Motivation ist ein simpler, der aber gerne übersehen wird. Wie auch im echten Leben braucht der Mensch regelmäßig Abwechslung. Es kann nicht jede Quest eine Fetch-Quest sein, nicht jeder Boss die gleichen Movesets haben und nicht bei jeder ähnlichen Umgebung dieselbe Musik laufen.
Wenn ein Spiel dem Spieler immer nur dieselben Dinge zuwirft, kann das nur zu einem Ergebnis führen: Langeweile, und damit zu weniger Motivation, ein Game weiterzuspielen. Ständig dieselben Aufgaben erledigen zu müssen, kann sogar als Grinding wahrgenommen werden, was ebenfalls etwas ist, was bei vielen Spielern nicht gut ankommt.
Deshalb ist es auch hier eine Kunst, Spiele mit sich wiederholenden Aufgaben trotzdem spaßig zu gestalten. Das ist zudem ein weiterer Grund, weshalb Titel wie Sims oder Stardew Valley, bei welchen man oft dieselben Aufgaben erledigen und sich die Abwechslung quasi selbst bieten muss, nicht für jeden Geschmack etwas sind.
Starfield ist zum Beispiel ein Spiel, das von Anfang an in der Kritik stand, monoton zu sein und dem Spieler nicht viel Variation zu bieten. Die Kritik beruhte vor allem darauf, dass die versprochenen 1000 verschiedenen Planeten, die man im Game erkunden kann, sich eigentlich kaum voneinander unterscheiden und es auf den meisten nicht viel zu sehen gibt, bis auf zufällig generierte Bauwerke, von denen es auch nur wenig Verschiedene gibt. Ebenfalls wurde die HauptQuest dafür kritisiert, eine einzige große Fetch-Quest mit wenig Abwechslung zu sein.
Quelle: Microsoft/Bethesda
Die Far-Cry-Serie, vor allem Far Cry 6, stand in der Kritik, den Spielern vor allem im optionalen Content Aufgaben zu geben, die man bereits aus mehreren Teilen der Reihe kennt und von vielen Fans als repetitiv bezeichnet werden, weil man immer dieselben Dinge tun muss, wie zum Beispiel Zivilisten retten oder feindliche Zonen einnehmen. Auch, wenn es sich dabei um optionalen Content handelt, hat man doch in der Hauptstory einen Nachteil, wenn man sich ihm nicht widmet.
Dass das Gefühl von Monotonie ein sehr subjektives ist, erkennt man auch daran, dass manche Spieler größtenteils positiv aufgenommene Titel wie Red Dead Redemption 2 und Death Stranding als "Pferde-Reit-Simulator" bzw. als "Geh-Simulator" beschreiben, weil ein großer Teil dieser Spiele aus diesen jeweiligen Dingen besteht.
Hier wird getrickst
Nach den Mitteln, die Entwickler problemlos benutzen können, um ihre Spiele spannender zu gestalten, gibt es auch solche, die man tatsächlich als Manipulation oder als moralisch verwerfliche Tricks bezeichnen kann. Im Folgenden sind diese Tricks aufsteigend nach moralischer Verwerflichkeit geordnet.
Tägliche Belohnungen
Viele Spiele arbeiten damit, den Spieler indirekt fürs Nichtspielen zu bestrafen und versuchen, mit täglichen Belohnungen das Starten eines Games zur Gewohnheit zu machen. Schätzungsweise dauert es mehrere Wochen bis mehrere Monate, bis etwas zur Gewohnheit wird.
Hinzu kommt oft, dass man sich eine Streak von mehreren Tagen aufbauen soll und mit jedem Tag mehr belohnt wird, wobei diese Streak endet und man quasi wieder bei null anfängt, sobald man einen Tag auslässt. Je stärker ein Spiel zur Gewohnheit wird, desto schwerer wird es dementsprechend, sich davon wieder zu lösen.
Mobile Games machen gerne von dieser Funktion Gebrauch, aber auch beispielsweise Fortnite und Animal Crossing arbeiten damit, den Spieler für das tägliche Spielen zu belohnen. In Fortnite bekommt man eine bestimmte Summe an XP, wenn man die täglichen Quests erledigt.
Quelle: PC Games
In Animal Crossing: New Horizons wird man mit Nook-Meilen belohnt, mit denen man sich Reisetickets, Verbesserungen für seine Insel oder darüber hinaus neue Rezepte kaufen kann. Im späteren Verlauf bekommt man sogar noch tägliche Aufgaben, bei welchen man weitere Nook-Meilen erspielen kann.
Manipulative Push-Benachrichtigungen
Von dieser Taktik machen insbesondere Mobile Games Gebrauch. Die Benachrichtigungen, die man vor allem bekommt, wenn man ein Spiel eine Zeit lang nicht gespielt hat, können verschiedene Inhalte haben, verfolgen aber natürlich immer das Ziel, den Spieler zum Öffnen der App zu bewegen.
Beispielsweise kann eine solche Benachrichtigung einen Spieler an die tägliche Belohnung oder ein neues Update erinnern oder auch daran, dass man kurz vor einem Level-up steht. Manche Entwickler werden noch etwas kreativer und setzen philosophische, aggressive oder gar depressive Töne an. Die Sprachlern-App Duolingo ist zum Beispiel bekannt dafür, Spieler damit unter Druck zu setzen, dass man Duo traurig gemacht habe. Clash of Clans hingegen baut Druck auf, indem man darauf hingewiesen wird, dass das eigene Dorf gerade angegriffen wird.
Quelle: Supercell
Hat der Spieler erst einmal das Game geöffnet, spielt er im besten Fall noch weiter, sobald er das gemacht hat, worauf die Push-Benachrichtigung ihn hingewiesen hat.
Das Problem dabei ist, dass viele Apps gerne mit ihren Benachrichtigungen übertreiben. Über die Hälfte der Konsumenten geben an, Apps zu löschen, die ihnen zu viele irrelevante und generische Push-Benachrichtigungen schicken. Deshalb wird oft empfohlen, die Spieler zuerst um Erlaubnis für das Senden von Push-Benachrichtigungen zu bitten.
FOMO und der Druck, der Beste zu sein
Auch wenn der soziale Austausch mit Freunden und anderen Menschen eigentlich etwas Schönes ist, führt er doch immer wieder dazu, dass manche Spieler sich so sehr hineinsteigern, der Beste sein zu wollen, dass die Motivation in eine Sucht ausartet, weil man Anerkennung sucht. Die zuvor angesprochenen Ranglisten und Belohnungen verstärken dabei diesen Effekt, weil durch sie Dopamin im Gehirn ausgeschüttet wird, das unter anderem für Glücksgefühle und Motivation verantwortlich ist.
