Eure Videospiele manipulieren euch - und ihr bemerkt es nicht mal!

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Eure Videospiele manipulieren euch - und ihr bemerkt es nicht mal!
Quelle: Square Enix/Eidos

Videospiele sind ein harmloser Spaß ohne irgendwelche Mechaniken im Hintergrund? Falsch gedacht, ihr werdet von Games manipuliert - und wie!

Konstanter Lernmodus

Hier bedienen sich die Entwickler eines Grundtriebs des Menschen, den er schon seit der Steinzeit hat: Er will sich sicher fühlen. Während sich im echten Leben schon bei den kleinsten Gefahren oft die Kampf-oder-Flucht-Reaktion zeigt und wir damit in solchen Momenten lernunfähig werden und nicht mehr klar denken können, geben Spiele uns die Freiheit, Fehler zu machen und Dinge erneut zu probieren. Denn die Fehler, die wir im Game machen, haben auf unser echtes Leben keinen Einfluss.

Man befindet sich somit in einem konstanten Lernmodus und traut sich viel mehr, Dinge zu tun, die einem fremd sind, wie zum Beispiel unerforschte Gebiete zu erkunden, seien es wortwörtlich Areale oder einfach Features des Spiels, mit denen man sich noch nicht beschäftigt hat.

Das ist genau das Prinzip, mit dem die Soulslikes arbeiten: Es ist egal, wie oft man stirbt und wie lange man für einen Boss braucht. Ganz im Gegenteil: es ist oft sogar nötig, bei einem Boss immer wieder zu sterben, weil man sich irgendwann automatisch mit seinen Movesets vertraut macht und durch die Lernkurve schließlich das Hindernis - also den Boss - überwindet. Genau dieses Gefühl ist es, das Fans der Reihe immer Lust auf mehr macht und für neue Herausforderungen motiviert.

Auch in schwierigen Hüpfspielen wie Celeste, Hollow Knight und den Ori-Titeln geht es darum, sich mit der Umgebung vertraut zu machen und die Funktionen der Spiele zu perfektionieren. Der konstante Lernmodus ist dabei unverzichtbar und wird von den Entwicklern sogar ermutigt.

Celeste Quelle: PC Games

Herausforderndes und belohnendes Gameplay

Wo wir schon beim Thema Perfektionieren der Funktionen der Games sind, die Funktionen selbst spielen natürlich auch eine Rolle dabei, wie motiviert man dafür ist, sie zu lernen. Dabei kommen unterschiedliche Faktoren zum Einsatz: Was für Werkzeuge werden dem Spieler zur Verfügung gestellt, eine Aufgabe zu bewältigen?

Inwiefern hat er die Freiheit darin, unterschiedliche Werkzeuge zu kombinieren und einen Plan zu schmieden, die Probleme zu lösen, die ihm vor die Füße gelegt werden? Wie sehr ermutigt einen das Spiel, die Steuerung und die verschiedenen Gameplay-Mechaniken zu lernen? Wie präzise ist die Steuerung generell?

All diese Dinge können entscheidend sein, das Verlangen des Perfektionierens der Steuerung und damit die Motivation eines Spielers zu erhöhen.

Sekiro ist exemplarisch für ein Spiel, das für sein präzises, herausforderndes und belohnendes Gameplay bekannt ist. Es spielt sich anders als die Dark-Souls-Teile, indem es den Spieler auffordert, viel schneller und aggressiver zu sein. Der Spaß, den man hat, sobald die Steuerung klickt und man anfängt, das Gameplay zu verstehen und schließlich zu meistern, ist für viele das, was Sekiro spielenswert macht.

Sekiro: Shadows Die Twice Quelle: Activision Auch The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom ist bekannt für gutes Gameplay, weil dem Spieler sehr viele verschiedene Wege geboten werden, ein Problem zu lösen. Zum Beispiel gibt es mehrere Möglichkeiten, Gegner zu töten:

Neben den üblichen Kampftechniken wie mit Schwertern und Bögen kann man sich zusätzlich die Umgebung zunutze machen, indem man etwa entflammbare Fässer abschießt, deren Explosion mehrere Gegner auf einmal tötet oder man greift auf die neue Baufunktion zurück und kommt so auf ganz neue Möglichkeiten, den Gegnern die Stirn zu bieten. Diese vielfältigen Methoden der Problemlösung halten das Spiel frisch und damit den Spieler motiviert.

Community und Multiplayer

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Dementsprechend strebt er auch in Videospielen danach, seine Erfahrungen zu teilen und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Es ist außerdem immer etwas anderes, ob man gegen echte Menschen oder gegen eine KI spielt.

Ein Online-Modus bzw. strikte Multiplayer-Titel motivieren den Spieler dadurch, dass sie ihm Spielmodi zur Verfügung stellen, wo er sich entweder mit anderen messen oder mit ihnen zusammenarbeiten kann.

Das Verlangen danach, der Beste zu sein und am Ende als Sieger hervorzugehen, nennt man Wettbewerbsmotivation. Dabei geht es auch darum, seine Fähigkeiten zu perfektionieren und selbst immer wieder neue Strategien zu entwickeln. Die Preise, die man dann am Ende abstaubt, tun natürlich ihr Übriges (siehe Gefühl der Progression).

Hinzu kommt noch, dass viele Multiplayer-Spiele Ranglisten beinhalten, die Spieler zusätzlich dazu antreiben, die Spitze zu erreichen. Zu solchen Games zählen unter anderem Valorant, Counter-Strike 2 und Apex Legends.

Eine weitere Möglichkeit, die Motivation der Spieler zu steigern, sind regelmäßige Events, von denen unter anderem Fortnite Gebrauch macht. Das können zum Beispiel saisonale Events sein, die oft bestimmte Jahreszeiten oder Feiertage feiern, oder auch Live-Events mit virtuellen Konzerten oder nachhaltigen Veränderungen der Umgebung.

Fortnite Quelle: Epic Games

Stimulation der Sinne

Wenn unsere Sinne beansprucht werden, sorgt das bei uns nicht nur kurzfristig dafür, dass wir auf ein Spiel aufmerksam werden, sondern steigert zusätzlich langfristig unsere Lust, es weiterzuspielen. Dabei geht es natürlich hauptsächlich um den Seh- und Hörsinn.

Die Aufgabe der Entwickler liegt dementsprechend darin, uns eine glaubwürdige und spannende Soundkulisse zu liefern, die Welt also an den richtigen Stellen mit den geeigneten Geräuschen und Musik auszufüllen. Red Dead Redemption 2 und The Last of Us Part II sind gute Beispiele für Spiele, die Kunden mit realistischen und emotionalen Sounds in ihre Welten einladen und diese gleichzeitig mit ihren Soundtracks zum Leben erwecken.

Ebenfalls sollten die Farben eines Games die Spieler dazu bringen, es gerne weiterzuspielen und von ihm in seinen Bann gezogen zu werden. Spiele, die sofort durch ihre außergewöhnliche Farbpalette ins Auge fallen und damit unseren Sehsinn dauerhaft stimulieren, sind etwa die Ori-Titel mit ihren leuchtenden Farben, oder auch Journey, welches mit warmen Farbtönen und weichen Farbverläufen das Auge verwöhnt.

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