Retro-Special Amiga 500: Meine Freundin hat einen Bildschirm - Teil 1, Seite 2

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Retro-Special Amiga 500: Meine Freundin hat einen Bildschirm - Teil 1, Seite 2
Quelle: Harald Fränkel

Unser Autor liebte den nach dem spanischen Wort für "Freundin" benannten Amiga 500. Obwohl der 35. Geburtstag feiert, erscheinen noch immer neue Spiele.

Indes sorgte der Sound des Amiga für kollektives Ohrenschlackern. Dieser Rechner hülsbeckte, pflege ich stets insiderwitzig zu sagen. Abseits des Spielemarktes hat sich besonders ein Aha-Erlebnisse in meine Ganglien gefräst: Der Kultrechner war in der Lage, "You're the Voice" lebensecht zu imitieren. Dieses Liedchen lag im Mai 1987 auf Platz 1 der Charts. John Farnham trällerte quasi digitalisiert in Radioqualität. Oder das, was man seinerzeit für Radioqualität hielt.

Beim Thema The Voice fällt mir ein weiterer Moment ein, bei dem ich mich in einem Science-Fiction-Film wähnte. Ich konnte Text in diese 500er-Höllenmaschine eingeben, den sie 1.000 Mal besser vorlas als die Sprachausgabesoftware Sam (Software Automatic Mouth) im C64. Acht Stunden "Harald ist der geilste Typ der Welt!" später hatte ich sogar das "NÖ!" überwunden, mit dem mich meine Traumfrau Petra beinahe getötet hatte, als ich im Schulbus "Willst du mit mir gehen? Ja? Nein?" fragte. Doch genug von den Jugendschwänken eines Opas, der sie immer wieder erzählt, obwohl sie keine Sau interessieren, hin zu den erwähnten NextGen-Amiga-Games. Wenn Amiga-Lover wie der 47-jährige Michael "Tigerskunk" Borrmann aus München neue Spiele homebrewen, also quasi zu Hause brauen, verdienen sie kein oder kaum Geld damit.

Das in Entwicklung befindliche Devil‘s Temple gilt als Hommage zum Spielautomaten Kung-Fu Master von 1984. Eine spielbare Demo gibt’s hier: mcgeezer.itch.io/kung-fu-remaster.   Quelle: Harald Fränkel Das in Entwicklung befindliche Devil‘s Temple gilt als Hommage zum Spielautomaten Kung-Fu Master von 1984. Eine spielbare Demo gibt’s hier: https://mcgeezer.itch.io/kung-fu-remaster.   Darum geht es ihnen aber auch nicht. Borrmann sagt, dass sein Horizontal-Shooter Inviyya bislang 500 bis 700 Käufer gefunden hat. Die seien umso dankbarer: "Wenn man mich als Entwickler direkt unterstützen will, kaufen einige oft verschiedene Versionen desselben Spiels, wie etwa den Download und zusätzlich die CD- und Diskettenversion oder die Deluxe Edition."

Die Motivation, für die alte Commodore-Dame zu entwickeln: "Ich habe durch meine Teenagerjahre eine starke Bindung zum Amiga, wollte damals immer ein Spiel dafür machen. Seinerzeit haben mir Fähigkeiten gefehlt", erläutert Borrmann. Der leidenschaftliche Skateboardfahrer arbeitet mittlerweile seit 25 Jahren als Software-Entwickler. Beim Homebrewing macht er fast alles selbst, sogar die Musik.

Das wahrscheinlich beste Spiel made in Germany kam 1993 auf den Markt: Die Siedler. Turrican-2-Fans leiden jetzt vielleicht unter Schnappatmung. Quelle: Harald Fränkel Das wahrscheinlich beste Spiel made in Germany kam 1993 auf den Markt: Die Siedler. Turrican-2-Fans leiden jetzt vielleicht unter Schnappatmung. Borrmann schaut überdies gerne über seinen Tellerrand und frönt auch anderen Homebrew-Rezepten: "Reshoot R von Richard Löwenstein war 2019 meiner Meinung nach das erste echte moderne Spiel für klassische Amigas und hat mich motiviert, mein eigenes Spiel zu entwickeln. Der angekündigte Nachfolger Reshoot Proxima setzt noch mal gut einen drauf."

Sollte manchem Leser der Name Richard Löwenstein bekannt vorkommen, könnte es daran liegen, dass der Name ein bekannter ist. Der gute Mann war lange Chefredakteur der Zeitschrift Amiga Joker. Sein neues Werk Reshoot Proxima soll zur Amiga 37 erscheinen. Die Messe findet am 15. und 16. Oktober im nordrhein-westfälischen Neuss statt.

Weitere Titel, auf die man laut Michael Borrmann für die Zukunft im Auge behalten sollte, sind das vom Spielautomaten Kung-Fu Master (1984) inspirierte Devil's Temple und Metro Siege, ebenfalls ein Prügelspiel alter Schule.

Wie groß die Amiga-Gemeinde heutzutage ist? "Schwer einzuschätzen, weil sich Demo- und Homebrewszene überschneiden. Außerdem arbeiten fast alle Teams international.

Am Amiga aktiv scheinen es mir höchstens einige Hundert zu sein, aber es gibt viele Tausend, die sich für neue Amiga-Games und -Demos interessieren", berichtet Pink, der bei der Demogruppe Abyss (dt.: Abgrund) für Programmierung, Musik und Grafik verantwortlich zeichnet. Abyss hat sich unter anderem vor zwei Jahren mit einer Neuauflage von Bubble Bobble (1986) in die Herzen der Spieler entwickelt.

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