Retro-Special Amiga 500: Meine Freundin hat einen Bildschirm

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Retro-Special Amiga 500: Meine Freundin hat einen Bildschirm
Quelle: Harald Fränkel

Mangels Echtfrauenkontakt rettete sich unser Autor mit dem Amiga 500 durch die Spätpubertät. Er liebte den nach dem spanischen Wort für "Freundin" benannten Computer. Obwohl der jetzt 35. Geburtstag feiert, erscheinen noch immer neue Spiele.

Wenn ich in eine gaaanz alte Abiturzeitung des Städtischen Wirtschaftswissenschaftlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums Bayreuth schaue, das ich als nach Zeichenzahl bezahlter Schreibsöldner natürlich nicht mit WWG abkürze, lese ich darin über einen gewissen Harald Fränkel: "Will man ihn außerhalb der Schule antreffen, so hat man nachmittags bei ihm zu Hause keine Chance, denn er sitzt entweder vor seinem Amiga oder schläft seinen Brunnenbärschlaf." Okay, das war mein Lebensinhalt. Wisst ihr Bescheid.

Als kürzlich der A500 Mini erschien, ein moderner Baby-Amiga (siehe Test), verfiel ich mal wieder with tears in my eyes in Nostalgie und holte meine alte Freundin aus dem Schrank. Statt olle Kamellen zu zocken, schaute ich mir aber einige Spieleneuerscheinungen für die antike Kiste an - und staunte! Bevor ich die nerdige Community hinter diesem Phänomen beleuchte und euch einige ihrer Titel vorstelle, möchte ich kurz auf Zeitreise gehen, um den 35. Geburtstag des Amiga 500 gebührend zu feiern. Wir bewegen uns in einer Epoche, als man Nerds noch "Freaks" nannte, Twix noch "Raider", Euro noch "Deutsche Mark" und Netflix "VHS-Rekorder".

Das Adventure 1987: Rescue in Berlin serviert diverse Anspielungen auf die 80er, hier etwa Kassetten, Michael Jackson und Madonna (inklusive Get-into-the-Groove-Mucke).<br> &nbsp; Quelle: Harald Fränkel Das Adventure 1987: Rescue in Berlin serviert diverse Anspielungen auf die 80er, hier etwa Kassetten, Michael Jackson und Madonna (inklusive Get-into-the-Groove-Mucke).
 
Alle Männer haben alles geraucht, nur keine sogenannten Wundertüten. Selbst Frauen sahen wegen ihrer Schulterpolster aus wie Footballprofis. "Geil" galt noch als Jugendwort, das von der Gruppe Bruce & Bongo sogar mit einer Hymne gefeiert wurde und auf Platz 1 der deutschen Charts landete.

Rund elf Monate später, genauer gesagt im Mai 1987, begannen für mich wunderbare Jahre: Während der Computermesse CeBIT in Hannover wurde neben der CD-ROM der Amiga 500 vorgestellt und dann in Europas Läden und in mein Jugendzimmer gewuppt. Erst mit diesem Modell eroberte der Quasi-Nachfolger des Commodore 64 die Welt.

Die Amiga-Fassung von Defender of the Crown hatte was von Kim Basinger: Es sah wie die Schauspielerin im ebenfalls 1986 erschienenen Erotikfilm 9½ Wochen saugut aus. Quelle: Harald Fränkel Die Amiga-Fassung von Defender of the Crown hatte was von Kim Basinger: Es sah wie die Schauspielerin im ebenfalls 1986 erschienenen Erotikfilm 9½ Wochen saugut aus. Den Amiga 1000 gab's bereits seit 1985. Allerdings lag der Listenpreis mit Monitor laut der Zeitschrift 64'er (3/86) bei 5.900 Mark netto. Berücksichtigen wir 14 Prozent Mehrwertsteuer, die normale Inflation und FCK PTN, würde der Rechner heute maulsperrendverursachende 6.600 Euro kosten. Der kleine Bruder kam hingegen für 1.200 Mark auf den Markt (Quelle: Wikipedia). Gönnte man sich nun noch einen Commodore-Monitor 1084 für 800 Mark (Quelle: mein Gehirn), kommt man auf einen Kaufpreis von etwas mehr als 1.900 Euro. So geriet der Amiga zum einigermaßen erschwinglichen Spielzeug, das ein Jugendlicher selbstverständlich "dringend für die Schule" brauchte. Ähem.

Mein Lieblingspiel war übrigens definitiv Speedball 2. Den Amiga musste man unter anderem aber auch wegen des Action-Strategiespiels Defender of the Crown besitzen. Der Journalist Uwe Knierim war von der als fotorealistisch geltenden Grafik hin und weg und tat dies im Aktuellen Softwaremarkt 3/87 folgendermaßen kund: "Das gibt es doch nicht. Da ist doch ein Videorekorder im Spiel!"

Für mich geriet der Rechner ferner zum Erlebnis, weil er mit Maus geliefert wurde. Doch auch wenn Ex-C64-Spieler nun endlich ständig eine Hand freihatten: Schweinkramspiele wie Hollywood Poker Pro, das 1989 sogar eine Lupenfunktion kredenzte, hat man natürlich niemals nie nicht gezockt. Ich schon überhaupt gar keinesfalls. Ich hatte mich trotz einer beischlaflosen, schweren Spätpubertät im Griff. Noch mal Ähem.

Etliche Amiga-Games zählen zu den besten Spielen der Geschichte. Dazu gehören The Secret of Monkey Island (1990), Lemmings (1991) oder Dune 2: Kampf um Arrakis (1992). Der zuletzt genannte Titel gilt als wegweisendes Echtzeitstrategiespiel. Viele deutsche Entwickler feierten Erfolge, etwa 1987 und 1989 mit Ports of Call beziehungsweise Bundesliga Manager Professionell. In den 90ern folgten Brecher á la Die Siedler, Turrican 1 und 2, Ambermoon, Lionheart, Das Schwarze Auge: Die Schicksalsklinge, Battle Isle und Apidya.

Pünktlich zum Amiga-500-Release im Mai 1987 sorgte das heute berühmt-berüchtigte The Great Giana Sisters für mehr Verkäufe, weil es wegen der Ähnlichkeit zu Super Mario Bros nach einem Rechtsstreit mit Nintendo aus den Läden verschwand. Es lebte vor allem als Schwarzkopie bis heute weiter.

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