Lichtblick EA Originals

Kolumne Carlo Siebenhüner 28,49 €
Lichtblick EA Originals
Quelle: pcgames

EA ist Spielern ein Dorn im Auge. Dabei können sie auch kreativ mit It Takes Two & Co. Carlo Siebenhüner fragt sich, warum das nicht immer so gehen kann?

Bei EA Originals hat sich die Kreativität dann doch wieder einen Weg durch den ganzen Gewinnmaximierungsbullshit bis an die Oberfläche gebahnt. Dort wurden in den vergangenen Jahren immer wieder kleinere Titel mit ungewöhnlichen Ideen und neuen Spielprinzipen unter Vertrag genommen, die wirklich erfrischend waren. Da wäre etwas Lost in Random. Ein nettes kleines Adventure, in dem alles vom Würfelglück gesteuert ist. Dazu erzählt es noch eine gute Geschichte und liefert einen Grafikstil, der ein wenig an Tim Burton erinnert. Sea of Solitude ist ein ähnliches Beispiel. Das Game kommt von einem deutschen Studio, ist spielerisch jetzt nicht so der Bringer. Doch es behandelt in seinen Geschichten schwierige Themen wie Mobbing und Depression und verarbeitet sie mit Respekt. Mich hat das damals mitgenommen, als ich es gespielt habe.

Das ist definitiv nicht für jeden etwas und die beiden Spiele haben vermutlich keine wahnsinnigen Verkaufszahlen erzielt, aber sie haben die Bühne von EA bekommen und dadurch definitiv mehr Aufmerksamkeit erhalten als ohne großen Publisher. Ein Charakter aus Sea of Solitude mit schwarzen Haaren und roten Augen Quelle: Jo-Mei Games / Quantic Dream

Das Händchen für gute Spiele

Doch man bewies auch schon ein richtig gutes Händchen in Sachen Kuration. Hier kommt It Takes Two ins Spiel! Das Koop-Game ist herzallerliebst, hat nette Ideen für das Zusammenspiel und am Ende ist sogar der Titel für das Game of the Year 2021 dabei herausgesprungen. Verkaufstechnisch hat es sich mit über 10 Millionen verkauften Exemplaren ebenfalls gelohnt.

Spätestens an diesem Punkt hat sich dieses kleine Unterlabel von EA in der kalten Welt der Finanzbosse seine Sporen verdient. Das nächste Spiel von ihnen ist nämlich kein kleines Indiespiel mehr, sondern hat den Anspruch auf Hochglanz-Triple A.

Zu den Game Awards im letzten Dezember wurde Immortals of Aveum angekündigt. Wir durften uns das Spiel jetzt mal genauer anschauen. Ich bin sogar extra zu EA gefahren, um es vor Ort zu spielen. Alles Wichtige dazu lest ihr am besten in unserer ausführlichen Preview zum Spiel. Grundsätzlich kann ich aber sagen: Es passt perfekt zur kreativen Ausrichtung von EAs kleinem Unterlabel. Immortals of Aveum ist ein klassischer Shooter, doch anstatt den 523. Aufguss des modernen Militärshooters zu entwickeln, haben sie das Spielprinzip in ein episches Fantasy-Universum übersetzt.

Als Setting ist das für einen Publisher dieser Größe ziemlich experimentell und wagemutig. Nicht jeder hat Bock auf Fantasy-Blah-Blah, noch dazu in einem völlig neuen Universum, das man erst mal kennenlernen muss. Obendrauf verzichtet man auf die Red-Flags der Spielebranche. Immortals wird rein Singleplayer, es wird mit rund 25 Stunden Spielzeit nicht gerade klein und man versicherte uns gegenüber, dass man auf Mikrotransaktionen oder andere Monetarisierungsspäße verzichtet.

Ein Kampf zwischen zwei Magiern Quelle: Electronic Arts

Das Feigenblatt wird zum Standbein

Das heißt was für EA und hier zeigt der Publisher am Ende sich selbst, dass es auch ohne Live-Service und anderen Mist geht. Es muss nur ein gutes Spiel dahinterstehen. Immortals im speziellen Fall zwar muss das erst noch beweisen, doch mit den bisherigen Spielen hat man das Händchen für Qualität bewiesen.

Ich bin natürlich auch nicht so naiv zu glauben, dass hier ein neuer Weg für EA öffnet und sich die Firma vielleicht komplett wieder in Richtung ausgefallener und kreativer Spiele entwickelt, wie sie das ganz früher mal gemacht haben. Das Originals-Label hat man wahrscheinlich auch nur gegründet, damit man es sich als Feigenblatt vor die Cash Cows von EA Sports halten kann.

Doch es sind zumindest keine leeren Worte, wie bei anderen Vertretern. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Feigenblatt von EA sich weiter verselbstständigt und wächst und damit im eigenen Hause beweist, dass es keine Glücksspielmechaniken benötigt, um erfolgreich zu sein und Geld zu machen. Sondern, dass es am Ende doch nur auf eins ankommt: gute Spiele!

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