Die kreative Dürrephase

Kolumne Carlo Siebenhüner 53,99 €
Die kreative Dürrephase
Quelle: pcgames

EA ist Spielern ein Dorn im Auge. Dabei können sie auch kreativ mit It Takes Two & Co. Carlo Siebenhüner fragt sich, warum das nicht immer so gehen kann?

Die Spiele-Industrie hat ein Innovationsproblem. Es gibt Immer weniger neue Ideen. Stattdessen setzt man auf Altbewährtes, von dem man weiß, es spielt sein Geld wieder ein.

Der Status Quo

Ubisoft hat Ende der 2000er mit Assassin's Creed sein Rennpferd gefunden. Die Reihe entwickelte sich seitdem stark weiter und hat mittlerweile nur noch wenig mit dem ersten Teil zu tun. Aber es hat sich eben immer prächtig verkauft. So gut sogar, dass man das Grundprinzip später auf andere Spielemarken im Haus gestülpt hat und zack: Die Ubisoft-Formel war geboren. An Ubisoft sieht man auch hervorragend, dass so etwas auch böse schiefgehen kann. Dieses Jahr kamen bereits diverse Hiobsbotschaften aus Paris, weil der Spielemotor nicht mehr richtig läuft und die Formel den Leuten nicht mehr schmeckt. Man hat zu wenig gewagt und das fällt einem jetzt auf die Füße.

Sony hatte in der PS4-Ära eine schöne kreative Phase und man hat sich etwas getraut. Aktuell ist man aber wohl eher daran interessiert, den Status quo zu halten. Aloy sitzt auf dem Rücken eines Flugsauriers und gleitet über die Spielwelt. Quelle: Guerrilla Games Das Ergebnis sind Horizon 2, God of War Reboot 2 oder Gran Turismo 7.
Versteht mich nicht falsch, das sind alles super Spiele, aber es zeigt auch, wo die Reise bei Sony hingeht. Nämlich zu Spider-Man 2, The Last of Us 3 und vermutlich noch weiteren Fortsetzungen. Mal abgesehen von Gran Turismo erkennt man bei Sony mittlerweile auch eine Art Formel. Nämlich ein Hang zum Third-Person-Action-Adventure mit offenen Levels oder gleich einer Open-World.

Schauen wir zu Team Grün, gibt's nicht viel zu sagen. Bei Microsoft war weitestgehend eine ganze Generation der Ofen aus. Die Xbox One wurde größtenteils von Halo, Gears und Forza getragen. Aktuell bemüht man sich zwar wieder sehr viel stärker um neue Spielemarken. Die müssen sich aber erst beweisen.

Tja und bei Activision überragt Call of Duty als gigantisches Monument des Cashflows den gesamten Konzern. Gleichzeitig kommt abseits vom jährlichen CoD von Activision nicht mehr viel. Für mich eine sehr logische Entwicklung. Meiner Meinung nach entwickelt sich die Marke langsam immer mehr zu einem schwarzen Loch, das mehr und mehr Entwicklerstudios verschlingt. Am letzten Call of Duty und Warzone-Update haben sage und schreibe elf Studios gearbeitet! Darunter Toys for Bob. Das ist das Studio, das mal die Skylanders-Serie oder das letzte Crash Bandicoot entwickelt hat. Jetzt wurde man auch in die CoD-Maschinerie eingespannt, damit man um jeden Preis die Cashcow am Leben halten kann.

Wenn EA was richtig macht

An dieser Stelle kommen wir dann auch zum Titelgeber dieses Artikels: Electronic Arts!

Ein Screenshot aus dem Modus Ultimate Team in FIFA Quelle: EA Die haben sich in Hinblick auf Kreativität gerade in den 2010ern nicht mit Ruhm bekleckert. Da kam nämlich zeitweise auch nichts mehr wirklich Neues und man vollzog ebenfalls die ungesunde Fokussierung auf die ganz großen Dinger. Allen voran natürlich die Marken unter EA Sports, wie FIFA, Madden und andere. Das war auch die Zeit, als irgendwo in einem Hinterzimmer der böse Masterplan namens FIFA Ultimate Team ausgeheckt wurde. Das Lootbox-Ding hat sich zur absoluten Gelddruckmaschine entwickelt, die für EA die wichtigste Lebensader ist. Zum Leidwesen aller Spieler.

Ich will hier noch einmal klarstellen: Diese fragwürdigen Machenschaften gehen meiner Meinung nach gar nicht und berechtigterweise wird FUT aktuell von mehreren staatlichen Institutionen untersucht. In Österreich hat ein Gericht die FIFA-Packs ja sogar als illegales Glücksspiel eingestuft. Auch wenn ich mich wie die kaputte Schallplatte anhöre, aber schaut auf jeden Fall noch in unseren FIFA-Report rein!

Vorher kommt von mir aber noch das große "ABER".

So sehr man Electronic Arts für den skrupellosen Umgang mit Glücksspiel-Mechaniken auch verurteilen kann und sollte, zeigt der Konzern gleichzeitig, dass es auch anders geht und man mit Kreativität und Innovation punkten kann! In den vergangenen Jahren gründete sich im Hause EA nämlich ein kleines Unterlabel mit dem schlichten Namen EA Originals. Hier glänzt der Publisher und läuft, wie ich finde, den anderen großen Spielemachern sogar davon.

  1. Seite 1 Es geht doch auch anders, EA!
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