Kunststück Computerspiel

Special

Spiele können eine Kunstform werden. Es bleibt die verwirrende Frage nach dem Wie. Mögliche Antworten hat unser Autor Daniel Ch. Kreiss für Sie gesucht.

Nieder mit dem Marktzwang

Um Henry Jenkins sprechen zu lassen: »Wie sähe das zeitgenössische Kino aus, wenn es eine endlose Reihe von Sommer-Popcorn-Filmen unterstützte, aber keine Low-Budget- und Independent Filme?« Es wäre eine Unterhaltungsmaschine, wie es jetzt auch eine ist. Ihm würde nur keine gesellschaftliche Anerkennung zuteil.

Genau das ist aber der Zustand der Spielebranche. Erfolgreich, ohne Renommee, selber Schuld! Der Shooter XIII hat sich nicht verkauft, weil der Markt die Grafik nach Comic-Art nicht wollte. Großes Spiel, große Niederlage. Jetzt zögern alle, ob sie Experimente noch wagen sollen. Der Kunde sei noch nicht so weit. Ich behaupte, das ist kurzsichtig. Mit Fehlschlägen wie XIII sollte man sich stolz brüsten. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Experimente! Und nicht nur ästhetische -- auch spielerische. Wie lange wollen wir denn noch an den immer gleichen Genres hängen bleiben und drei Mal im Jahr eine Innovation feiern? Lebendige Künste zeichnen sich aus durch ständige kreative Entwicklung.

Den Film begleitete von Anfang an eine theoretische Dauerdiskussion, die mit Energie geführt wurde. Was sollte der Film zeigen? Wie sollte er es zeigen? Wird ein Streit um die Spiele geführt? Ja, auf Fachmessen. Nach draußen dringt nichts, oder wenn, dann so leise, man hört kaum etwas. Rücken gerade! Man muss den Kontakt zu den Feuilletons der großen Zeitungen suchen. Wir müssen Spiele selbstbewusst unter dem Kunstaspekt präsentieren, den Dialog anfangen. Jenkins sagt: Man braucht Begleitung durch die Kritik. Fangen wir an!

Fortsetzungswürdig ist die Reihe von Ausstellungen, die es in den letzten Jahren zum Thema Computerspiele gab. »Games -- Computerspiele von KünstlerInnen« 2003 in Dortmund, die »Game Art« 2004 in Völklingen, dieses Jahr »mythos. pong«, ausgerichtet vom Computerspiele-Museum in Berlin. Solche Ausstellungen werden bereits staatlich gefördert. Das sind richtige Ansätze, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit aus einer unerwarteten Richtung mit Computerspielen zu überrumpeln. Davon brauchen wir mehr.

Erst wenn alle Versuche gescheitert sind, machen wir Computerspiele wenigstens zur Objektkunst, indem wir sie ins Museum stellen und als Gegenstände »über etwas sein« lassen. Vielleicht häufen wir gescheiterte Kunstspielexperimente zu einem Berg? Mir würde das mehr sagen als der Speck. Worüber der Speck war, weiß ich bis heute nicht.

Daniel Ch. Kreiss

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