Soundkarten: Surroundsound analog, digital und als Simulation

Special Antonio Funes
Soundkarten: Surroundsound analog, digital und als Simulation
Quelle: Creative

Alte PC-Hasen erinnern sich vielleicht noch an die Zeiten, als eine Soundkarte Pflicht war, um überhaupt Spiele und Musik am PC zu genießen. Inzwischen hat jedes Mainboard einen meist ordentlichen Soundchip - lohnt sich eine separate Soundkarte überhaupt? Mit Tipps zu Wissen und Technik wollen wir dies klären, hinzu kommt eine große Marktübersicht mit Soundkarten.

Analoger 5.1-Sound

Solltet ihr ein analoges 5.1-Boxenset verwenden, das mit drei Steckern an der Soundkarte hängt, dann sorgt die Soundkarte dafür, dass der Ton passend an den drei Ausgängen ankommt: Je eine Buchse stellt den Ton für die Boxen links und rechts vorne respektive hinten zur Verfügung, die dritte Buchse führt das Signal für die Centerbox und den Subwoofer.
Hierzu sei aber gesagt, dass es kaum mehr analoge 5.1-Boxensets auf dem Markt gibt - denn für Surroundsound am PC setzen seit vielen Jahren immer mehr Leute auf eine Surroundsound-Simulation für Kopfhörer (dazu später mehr) oder binden den PC direkt in eine Heimkino-Anlage ein, die per HDMI verbunden wird.

Edifier C6XD Quelle: Edifier 5.1 mit analogen und digitalen Anschlüssen: Edifier C6XD Immer mehr Mainboardhersteller bringen daher auch Modelle auf den Markt, die nur noch Anschlüsse für Stereosound bieten, obwohl der Soundchip auch Surroundfähig wäre - sie sparen sich aber zwei bis drei Buchsen an der Rückseite und bieten den Käufern lieber zum Beispiel einen weiteren USB-Anschluss. Ebenso gibt es eine große Zielgruppe an Kunden, die bewusst auf Stereo setzen, dabei aber eine besonders gute Qualität verlangen - deswegen gibt es auch im Mainstreambereich der Soundkarten Modelle zum Beispiel von EVGA oder Asus, die nur Stereo bieten, aber wegen der Klangqualität recht teuer sind.

Doch nun zurück zum analogen 5.1-Sound: Bei Inhalten, die nur Stereosound liefern, muss der Anwender im Treibermenü der Soundkarte festlegen, ob das Stereosignal auf alle Boxen verteilt werden soll oder nicht. In Spielen wird der Sound in Echtzeit erzeugt und liegt nicht - wie bei Filmen oder Musik - bereits als fertige Tonspur vor. In den Spieleoptionen müsst ihr allerdings meist festlegen, dass ihr ein 5.1-Boxenset verwendet - ansonsten wird der Sound nur in Stereo berechnet. Heutzutage ist Surroundsound bei Games rein von der Rechenleistung her überhaupt kein Problem mehr, so dass für diesen Zweck keine spezielle Soundkarte nötig ist. Anders kann dies aber aussehen, wenn ihr den Surroundsound nicht analog, sondern digital weitergeben wollt.

Dolby Digital Live und DTS Connect

Ein Sonderfall sind Surroundsound-Signale, die ihr über einen digitalen Ausgang der Soundkarte oder des Onboardsounds ausgeben wollt, denn hierbei ist ein bestimmter Standard nötig, damit das empfangende Gerät das Signal versteht.

Da die Film- und Audio-Branche sich bei den Standards vor vielen Jahren auf Dolby Digital und DTS geeignet hatte, muss der PC bei einem Spiel den Ton in ein Dolby Digital oder DTS-Signal umwandeln, damit beispielsweise ein AV Receiver oder ein 5.1-Boxenset mit einem digitalen Eingang den Surroundsound korrekt empfangen kann. Dies geschieht mit Dolby Digital Live respektive DTS Connect - hierfür muss ein Soundkarten- oder Mainboardhersteller aber eine kleine Lizenzgebühr zahlen. Ist eine Lizenz vorhanden, so bietet ein Onboardsound oder eine Soundkarte also Dolby Digital Live oder DTS Connect - oder auch beides. Bei Filmen mit Surroundsoundsignal ist dies alles übrigens kein Problem, da dort bereits eine fertige Surroundtonspur vorhanden ist und der PC dies nicht erst berechnen muss. Dolby Digital Live oder DTS Connect sind dann gar nicht mehr nötig.

Viele Headsets mit USB wie das Logitech Artemis bieten eine eigene Surroundsound-Simulation über ihre Treiber Quelle: Logitech Viele Headsets mit USB wie das Logitech Artemis bieten eine eigene Surroundsound-Simulation über ihre Treiber Aber für eine Echtzeit-Berechnung in Games sieht es anders aus. Es geht zwar nur um winzige Lizenzbeträge, aber trotzdem bietet nicht jede Soundkarte Dolby Digital Live oder DTS Connect. Falls ihr einen AV Receiver für Surroundsound nutzt, empfehlen wir, dass ihr den Ton über den HDMI-Ausgang der Grafikkarte sendet. Denn diese hat für solche Zwecke einen eigenen Audio-Chip.

Surroundsound-Simulation für Kopfhörer

Die Hersteller haben viele Jahre lang daran geforscht, wie man auch Nutzern ein Surroundsounderlebnis bieten kann, die sich nicht extra ein Surroundboxenset anschaffen wollen. Den bei einem identischen Budget für Boxen oder Kopfhörer bekommt man rein qualitativ natürlich einen viel besseren Klang, wenn man sich mit Stereo zufrieden gibt und sich nicht mehr als doppelt so viele Boxen anschafft. Vor einigen Jahren gelang ein Fortschritt bei der Surroundsoundsimulation, die vor allem bei Kopfhörern sehr gut funktioniert: Durch minimale Verzögerungen und Effekte entsteht auf Stereokopfhörern der Eindruck, dass ein Geräusch wirklich von "links hinten" oder "vorne rechts" zu kommen scheint. Somit ist auch bei Shootern eine gute Gegnerortung möglich, obwohl man lediglich Kopfhörer oder ein Headset besitzt - natürlich funktioniert die Methode umso besser, je besser und feiner der Klang des Kopfhörers ist. Viele Spiele bieten eine solche Simulation von sich aus - falls dies nicht der Fall ist, lässt sich eine solche Funktion bei den meisten Soundkarten oder Onboardsound aktivieren. Hinzu kommt, dass etliche Headsets, die über USB betrieben werden, eine eigene Surroundsoundsimulation bieten - denn USB-Headsets haben einen eigenen Audio-Chip, der dies verwirklichen kann.

  1. Seite 1 Soundkarten: Luxus? Was macht eine Soundkarte?
  2. Seite 2 Soundkarten: Surroundsound analog, digital und als Simulation
  3. Seite 3 Soundkarten: Wann lohnt sie sich? Extern oder intern?
  4. Seite 4 Soundkarten: Audiointerfaces und Erklärung von Fachausdrücken
  5. Seite 5 Soundkarten: Marktübersicht mit 30 Soundkarten
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