Mein erstes Mal: Shadow Man - Acclaims letzter Mega-Hit

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Sascha Lohmüller
Mein erstes Mal: Shadow Man - Acclaims letzter Mega-Hit
Quelle: Nightdive Studios

Ein Horror-Action-Adventure aus dem Jahr 1999, das vornehmlich von Grafik, Technik und Atmosphäre lebte: Kann so etwas heute noch Spaß machen? Unser Autor, der Shadow Man damals verpasst hat, ist dieser Frage nachgegangen.

Ach ja, das Nintendo 64! Keine andere Konsole hat bei mir so viele positive wie negative Gefühle zugleich hinterlassen. Einerseits lobte ich Super Mario 64 (1996) für sein herausragendes Leveldesign, liebte den kruden Humor sowie die fantastische Musik von Conker's Bad Fur Day (2001) und konnte der dreidimensionalen Levelarchitektur des ungeliebten Castlevania (1999) ungewöhnlich viel abgewinnen. Andererseits enttäuschte mich der MIDI-Soundtrack von T he Legend of Zelda: Ocarina of Time (1998), ließ mich das Kursdesign aus Mario Kart 64 (1996) kalt und wurde ich nie so recht warm mit der komplexen Steuerung einer Fußballsimulation à la International Superstar Soccer 64 (1996).

Regelrecht manisch waren meine Vorbehalte gegenüber den Spielen von Acclaim: Der US-Entwickler und -Publisher feierte seit dem Release der Konsole einen Hit nach dem anderen, sei es mit der Ego-Shooter-Trilogie Turok (ab 1997), in Form des Sci-Fi-Rennspiels Extreme-G (1997) oder dank fantastisch animierter Sportspiele von NFL Quarterback Club (ab 1997) bis All Star Baseball (ab 1998). Allerdings sollte keiner dieser Titel bei mir zünden, weshalb ich nicht einen einzigen durchgespielt habe - nicht einmal das höchst ambitionierte Forsaken (1998), das ich als leidenschaftlicher Fan der Minenschacht-Ballerei Descent (1995) eigentlich hätte lieben müssen.

Der Held hält einen Teddybär in die Luft. Quelle: Nightdive Studios / Medienagentur plassma Shadow Man in seinem Element: Dank Teddybär kann unser Held zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Toten wandeln.  Womit ich ebenfalls schon immer ein Problem hatte: Spiele mit einer dystopisch angehauchten Welt, die mich entweder durch ein Endzeitszenario oder die buchstäbliche Hölle schicken. Kein Wunder also, dass mir Acclaims Shadow Man ziemlich egal war. Das auf dem gleichnamigen Comic basierende Action-Adventure wurde seinerzeit aufgrund seines mutigen Settings und seiner ambitionierten Technik bis zum Anschlag gehypt und ging trotzdem an mir vorbei, weil mir bereits beim Anblick der düster-deprimierenden Farbpalette die Lust verging.

Ein Schattenmann ist nicht genug

Obwohl ich Shadow Man so gut wie gar nicht gespielt habe, befinden sich mehrerer Versionen in meinem Besitz. Recht früh besorgte ich mir rein zu Sammelzwecken die PC-Fassung, die ich jedoch nur kurz installierte und keine Stunde lang spielte. Jahre später erstand ich für ein paar Euro die Steam-Version, die praktisch mit dem Original von 1999 identisch ist. Und obwohl ich auch diese letztlich nie spielte, wurde ich bei der Veröffentlichung von Shadow Man Remastered erneut schwach und besorgte es mir auf GOG - kein Wunder, dass ich entschieden zu viele Spiele habe ...

Sei's drum, dafür bin ich nun bestens für diesen "Mein erstes Mal"-Artikel gerüstet und nehme mir vor, beide Versionen parallel zu spielen. Schließlich möchte ich sowohl das bestmögliche Retro-Feeling als auch das dezent modernisierte Upgrade erleben, um mir endlich ein eigenes Bild von Shadow Man zu machen.

Die Spielfigur läuft über eine düster anmutende Brücke. Quelle: Acclaim / Medienagentur plassma) Die schaurige Atmosphäre von Shadow Man wird vor allem durch die abstrakte Kulisse, die düster-schummrigen Farbpalette und eine fantastische Soundkulisse erzeugt. Ich starte mit dem Original von 1999 und installiere die deutsche Version, die in vielen Artikeln für ihre aufwändige Synchronisation gelobt wurde. Leider erwischt sie mich auf einem völlig falschen Fuß, denn sowohl das kurze Intro als auch die erste Zwischensequenz direkt nach Spielstart klingen für meine Begriffe viel zu dramatisch. Jedenfalls muss ich bereits bei der Szene mit Jack the Ripper lachen, der von einem ominösen Dämon namens Legion heimgesucht und in den Selbstmord getrieben wird.

Noch schlimmer ist der Dialog zwischen Mike LeRoi alias Shadow Man und der Voodoo-Priesterin Nettie: Eben noch liegen die beiden nebeneinander im Bett, bevor sie plötzlich aufsteht und vom Bösen faselt, das die Welt vernichten möchte. Nur der Shadow Man sei in der Lage, dies noch verhindern, weil er zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten reisen und so die fünf Vorboten der Apokalypse aufhalten könne. Ah, ne, ist klar!

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