Mein erstes Mal: Shadow Man - Acclaims letzter Mega-Hit
Special
Ein Horror-Action-Adventure aus dem Jahr 1999, das vornehmlich von Grafik, Technik und Atmosphäre lebte: Kann so etwas heute noch Spaß machen? Unser Autor, der Shadow Man damals verpasst hat, ist dieser Frage nachgegangen.
Zwischendurch wechsele ich zur Remastered-Version, in der ich mich ebenfalls bis zum Asyl kämpfe und dort eine echte Überraschung erlebe - oder genauer gesagt einen komplett neuen Spielabschnitt, der im Original fehlte! Und nicht nur das: Die neuen Gänge, Räume und Rätsel fühlen sich noch einmal eine Spur ausgereifter an als alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt von Shadow Man gesehen habe! Überhaupt bin ich von der Neuauflage richtig angetan: Die Grafik versprüht zwar immer noch das altbackene Flair der 90er, allerdings sehen die hochauflösenden Texturen knackscharf aus und die Farben könnten satter kaum sein. Die Steuerung haben die Entwickler gekonnt an einen Controller mit zwei Analogsticks angepasst. Zudem gibt es ein alternatives Inventar, über das ich viel schneller zwischen meinen bereits gesammelten Waffen und Schlüsseln hin und her schalten darf. Nur das pixelgenaue Springen bleibt weiterhin fummelig und steif zugleich, weil meine Spielfigur nach wie vor etwas verzögert auf meinen Knopfdruck reagiert.
Spätestens im Tempel des Feuers platzt der Knoten endgültig und Shadow Man erinnert mich wohlig an die Kletter- und Abenteuertour eines alten Tomb Raider. Die Spielwelt wird immer voluminöser und verschachtelter; der Entdecker in mir ist nun mächtig angestachelt! In der Originalversion muss ich zudem penibel auf vermeintliche Grafikfehler achtgeben, weil sie sich eventuell als eine verwaschene sowie gut versteckte Plattform entpuppen könnten.
Quelle: Nightdive Studios / Medienagentur plassma
Shadow Man Remastered wurde um drei Abschnitte erweitert, die bereits für die ursprüngliche Version geplant waren, damals aus Zeitgründen aber nicht fertig gestellt wurden.
Das Ergattern von Schlüsseln oder diversen Fähigkeiten, mit denen ich beispielsweise glühende Kisten anfassen sowie zur Seite schieben kann, vermittelt sogar einen Hauch von Metroidvania. Fleißig merke ich mir jedes ungewöhnliche Hindernis, damit ich es zu einem späteren Zeitpunkt sowie mit dem richtigen Tool überwinden und somit in alten Gebieten neue Wege erkunden kann. Im gleichen Zuge sammele ich eine dunkle Seele nach der anderen, dir mir ebenfalls immer mehr Türen öffnen und das Spielgebiet Stück für Stück erweitern.
Somit verkommen die Kämpfe für mich zunehmend zu einer Randnotiz. Ich hätte am liebsten ein Shadow Man komplett ohne Gegner! Das stetige Speichern und Laden eines Spielstands bleibt in dem Zusammenhang zwar etwas lästig, ist aber, wie gesagt, ein Relikt aus der Vergangenheit, das zu einem Klassiker aus dem Jahr 1999 irgendwie dazugehört.
Quelle: Nightdive Studios / Medienagentur plassma
Autsch, das tut weh: Weil Shadow Man noch nicht genügend dunkle Seelen gefunden hat, bleibt ihm der Zugang durch diese Tür vorerst verwehrt.
Fazit: Besser gealtert als erwartet
Schlussendlich stelle ich mir die Frage: Warum hat eigentlich so gut wie keiner der damaligen Tests all die von mir entdeckten Vorzüge des Spiel- und Weltendesigns aufgezählt? Hätte ich anno 1999 mehr als nur Lobgesänge à la "Shadow Man ist toll, weil es gut ist" gelesen, dann hätte ich dem Spiel vielleicht schon vor 24 Jahren eine ehrliche Chance gegeben.
Zugegeben: Die Kämpfe werden auf Dauer langweilig, die Story ist übertrieben dramatisch und die Grafik trotz hochauflösender Texturen äußerst eckig. Aber dafür ist das Spiel ein Fest für alle, die sich in einer dreidimensionalen Spielwelt verlieren und selbst den Weg zum Ziel austüfteln wollen. Spiele mit einem solchen Anspruch gibt es nämlich so gut wie gar nicht mehr. Nach meinem Ausflug in das Reich der Toten wünsche ich sie mir mehr denn je zuvor zurück!
