James Bond Spiele: Nightfire, Agent Under Fire und mehr

Special David Benke
James Bond Spiele: Nightfire, Agent Under Fire und mehr
Quelle: IO Interactiv, Rare, PC Games

GoldenEyes Erbe lebt weiter: Mit Agent Under Fire, Nightfire und The World Is Not Enough erlebt 007 seine stärkste Gaming-Phase.

The World is Not Enough

2000/2001 | Electronic Arts | Playstation, N64, Game Boy Color

Zumindest zogen die Verantwortlichen die nötigen Konsequenzen aus dem Debakel. Mit The World is Not Enough kehrte EA zur Ego-Perspektive zurück und bescherte auch dem heiß geliebten Multiplayer ein Comeback - zumindest auf einer der Zielplattformen. Die Versionen für N64 und PS1 wurden an zwei unterschiedliche Studios verteilt, die natürlich unterschiedliche kreative Visionen für ihre Projekte hatten.

Eurocom hält sich mit seiner N64-Version ziemlich dicht an GoldenEye: Technisch wird durch das Rumble Pak für Controller-Vibration und das Expansion Pak für noch schickere Grafik alles rausgeholt. Spielerisch geht es vor allem um geschmeidiges Gunplay und gutes Missionsdesign. Ihr ballert also nicht nur in der Gegend herum, ihr rettet auch mal Geiseln, entschärft eine Bombe, oder schleicht euch nachts in eine feindliche Basis. Besonders nützlich dabei: eure Armbanduhr, die als Greifhaken, Laser oder Betäubungspistole genutzt werden kann.

Auf dem N64 ist The World is Not Enough deutlich schöner anzuschauen. Quelle: Electronic Arts Auf dem N64 ist The World is Not Enough deutlich schöner anzuschauen. Für zusätzliche Abwechslung sorgen ein Abstecher unter Wasser und ein Rail-Shooter-Abschnitt auf Skiern. Und dann wäre da auch noch der Mehrspieler-Modus für bis zu vier Spieler, mit Deathmatches und zielbasierten Modi, die wahlweise auch mit Bots gespielt werden können.

Die Playstation-Version von Black Ops Entertainment setzt dagegen auf das Grundgerüst von Tomorrow Never Dies, mit ein paar kleineren Anpassungen. Das Zielsystem wurde überarbeitet, das Rendering verbessert und die Animationen wurden via Motion-Capture aufgenommen. Aufträge sind jetzt etwas komplexer und verlangen mehr als nur einen schnellen Abzugfinger. Neue Gadgets wie eine Mikrokamera oder die Möglichkeit, Türen mit einer Kreditkarte zu knacken, sorgen für zusätzliches Agentenfeeling. Ihr könnt sogar eine Runde Blackjack im Casino spielen!

Im Grunde also eine solide Nummer. Weil die Spielzeit im direkten Vergleich aber kürzer ausfällt und eben der Multiplayer fehlt, wird die PS1-Fassung meist als die schlechtere gesehen. Sie ist aber immer noch besser als die Fassung für den Game Boy Color, die mit ihren Namensvettern nichts gemeinsam hat und mehr in Richtung Action-Adventure à la Metal Gear Solid geht.


007 Racing

2000 | Electronic Arts | Playstation

Warum gibt es eigentlich noch kein Rennspiel im James-Bond-Universum? Diese Frage stellte sich EA wohl Anfang der 2000er und machte sich dann schnell daran, an dem Umstand etwas zu ändern - die Geburtsstunde von 007 Racing. Als Entwickler wurde Eutechnyx angeworben. Aus deren Feder stammten unter anderem Total Driving, Motor Mash oder Le Mans 24 Hours. Sie hatten also schon mal eine funktionierende Engine, die man nur noch für die neuen Anforderungen zurechtbiegen musste. "Angesichts der enormen Unterschiede im Spielstil war es aber eine ziemlich umfassende Überarbeitung", erinnerte sich Chefprogrammierer Peter Davies bei WhyNowGaming zurück.

So ein Feuerball, Junge! In 007 Racing rappelt es gewaltig. Quelle: Electronic Arts So ein Feuerball, Junge! In 007 Racing rappelt es gewaltig. Statt Langstreckenrennen fahrt ihr in 007 Racing mit den beliebtesten Fahrzeugen aus 40 Jahren Bond-Geschichte durch die Gegend, darunter der Aston Martin DB5 aus Goldfinger, der Lotus Esprit aus Der Spion der mich liebte oder der BMW Z8 aus Die Welt ist nicht genug. Allerdings geht es nicht immer nur im Kreis! Stattdessen hat der Titel eine Reihe von Missionen spendiert bekommen, die - aus unerfindlichen Gründen - sogar in eine Story rund um einen geklauten NATO-Waffentransport eingebettet wurden. Die Ziele sind dabei denkbar simpel: Personen einsammeln, Feinde beschatten, oder in riskanten Duellen komplett unschädlich machen. Dabei helfen ein paar nette Gimmicks, die Quartiermeister R (gespielt von John Cleese) in euren Karren verbaut hat - Raketen, Nebelwerfer, Maschinengewehre, der ganze Spaß ... Wer will, kann die dann auch noch im Splitscreen-Multiplayer nutzen und seine Freunde zu Schrott fahren.

Besonders toll kam 007 Racing aber nicht an. Vor allem die hakelige Steuerung und die hässliche Grafik ließen das Spiel im Vergleich mit anderen missionsbasierten Rennspielen (etwa Driver 2) schlecht dastehen, weshalb ein Sequel für die PS2 zwar angekündigt, aber nie umgesetzt wurde.


James Bond 007: Agent Under Fire

2001/02 | Electronic Arts | Playstation 2, Nintendo GameCube, Xbox

Die sechste Konsolengeneration sollte ihr Spiel aber noch bekommen: Nur ein Jahr später brachte Electronic Arts James Bond 007: Agent Under Fire auf den Markt und läutete damit die Ära der nichtkanonischen Bond-Games ein. Von jetzt an schrieben die Entwickler eigene Skripte, ohne Bezug zu Büchern und Filmen. Selbst das Aussehen der Spielfigur wurde nicht mehr den etablierten 007-Darstellern nachempfunden. Stattdessen schlüpfte Andrew Bicknell in die Rolle des ikonischen Geheimagenten.

Seine Mission? CIA-Agentin Zoe Nightshade retten, die sich undercover in ein botanisches Forschungsunternehmen eingeschlichen hat. Schnell kommt aber der Verdacht auf, dass hier nicht Pflanzen, sondern etwas anderes, viel Übleres im Fokus steht.

Lust auf ein bisschen Drive-by-Shooting? Agent Under Fire liefert! Quelle: Electronic Arts Lust auf ein bisschen Drive-by-Shooting? Agent Under Fire liefert! Die folgenden Missionen schicken Bond nach Rumänien, in die Schweiz oder auf eine chinesische Bohrinsel. Im Kern bleibt Agent Under Fire dabei ein klassischer Shooter mit über 15 verschiedenen Schießprügeln. Manche Ziele erfüllt ihr aber auch besser auf die heimliche Tour. Stealth-Routen und Gadgets versprühen dabei echtes Spionage-Flair. Freut euch auf Jetpacks, Laser-verschießende Mobiltelefone, und natürlich auch ein Bond-Auto. Das fährt sich sogar richtig knackig, nachdem EA extra ein paar Need-for-Speed-Entwickler für die Fahrpassagen abbestellt hatte.

Diese Fülle an Optionen spiegelt sich dann auch im Multiplayer wider. Den hatte EA mittlerweile zum festen Bestandteil seiner Bond-Spiele gemacht. Agent Under Fire bietet Platz für bis zu vier lokale Spieler gleichzeitig, dazu einen Haufen an Arenen, Spielfiguren, Waffen und Power-Ups wie vorübergehende Unsichtbarkeit. Wahlweise geht es auch alleine gegen Bots.

Die Wertungen oder gar den Kultstatus von GoldenEye 007 erreichten die Macher damit zwar nicht. Mit 58 Millionen Dollar Einnahmen, alleine in den USA, war Agent Under Fire aber ein beachtlicher finanzieller Erfolg und zog so schon bald ein Sequel nach sich.


James Bond 007: Nightfire

2002/2003 | Electronic Arts | Playstation 2, Nintendo GameCube, Xbox, PC, Game Boy Advance

Nur ein Jahr später folgte James Bond 007: Nightfire, das in jeglicher Hinsicht eine logische Weiterentwicklung von Agent Under Fire darstellt. An den Grundmechaniken ändert sich wenig: Wieder bekommt ihr ein Shooter-Abenteuer mit zielbasierter Missionsstruktur. Es wird geschossen, geschlichen und gewerkelt - vornehmlich mit Bonds technischen Spielereien, die um einen PDA, einen Füllfederhalter voller Betäubungspfeile, oder eine Röntgenbrille ergänzt wurden.

Auch an anderer Stelle zeigt sich mehr Evolution statt Revolution. 007s Aufgaben sind noch facettenreicher: Ihr steht auch mal mit Sniper-Gewehr auf einem Turm und gebt Feuerschutz oder kraxelt mit ein paar Magneten die Fassade eines Wolkenkratzers hoch. Die Entwickler bei EA Vancouver, die alleine für die Fahrzeug-Levels zuständig waren, während sich Eurocom ums Schießen kümmerte, schüttelten sogar einen kompletten Unterwasserabschnitt für euren Aston Martin Vanquish aus dem Ärmel.

Nachts Helikopter aus der Seilbahn abschießen: Nightfire macht seinem Namen alle Ehre. Quelle: Electronic Arts Nachts Helikopter aus der Seilbahn abschießen: Nightfire macht seinem Namen alle Ehre. Die Story erreicht, zumindest in Sachen Schauplätze, ebenfalls neue Sphären. In Nightfire bekommt es Bond mit dem größenwahnsinnigen Raphael Drake zu tun, der Uran aus Atomkraftwerken klaut, um seine orbitale Raketenstation mit Nuklearwaffen zu bestücken. Entsprechend schwebt 007 auch mal völlig losgelöst von der Erde.

Ab 2003 durfte er das dann auch noch auf zwei weiteren Plattformen. Gearbox Software stellte mit Hilfe der SourceEngine eine PC-Version auf die Beine, allerdings mit leicht anderem Umfang: Der Multiplayer wurde um eine Online-Funktion ergänzt, die Story dagegen um jegliche Fahrzeug-Missionen gekürzt. Auf dem Game Boy Advance wurde der Rotstift sogar noch öfter angesetzt: Hier bleibt am Ende nur noch stumpfes Geballer auf Pixel-Sprites übrig.

  1. Seite 1 Die ersten Bond-Spiele der 80er
  2. Seite 2 Bond findet seine Gaming-Formel
  3. Seite 3 Bond wird erwachsen
  4. Seite 4 GoldenEye verändert alles
  5. Seite 5 Die goldene Ära der Bond-Spiele
  6. Seite 6 Die EA-Jahre auf ihrem Höhepunkt
  7. Seite 7 Der Absturz und die Rückkehr von 007
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