James Bond Spiele: GoldenEye 007 und der große Durchbruch

Special David Benke
James Bond Spiele: GoldenEye 007 und der große Durchbruch
Quelle: IO Interactiv, Rare, PC Games

Mit GoldenEye erreicht James Bond Gaming-Legendenstatus. Doch auch Game Boy und PlayStation erhalten ihre eigenen 007-Abenteuer.

James Bond: The Duel

1993/93 | Domark | Mega Drive/Genesis, Master System, Game Gear

Anfang der 90er-Jahre befand sich das James-Bond-Franchise in einem seltsamen Limbo: Der letzte Kinofilm war 1989 erschienen, aber kein besonderer Erfolg gewesen. Hinter den Kulissen des Produktionsstudios rumorte es ordentlich. Sogar Schauspieler Timothy Dalton ließ sich zur öffentlichen Spekulation hinreißen, Lizenz zum Töten könnte vielleicht der letzte 007 gewesen sein.

Auch für Publisher Domark, der immer noch die Exklusivrechte für Bond-Games besaß, war das keine besonders angenehme Zeit. Wie will man denn neue Spiele rausbringen, wenn keine neuen Bond-Filme mehr erscheinen? Die Antwort war am Ende relativ simpel: Man denkt sich einfach selbst eine Geschichte aus. Eine Praxis, die in den Folgejahren immer mehr Popularität finden sollte ...

Achtung, bissiger Handlanger. Da hilft nur eine Portion Blei. Quelle: Domark  Achtung, bissiger Handlanger. Da hilft nur eine Portion Blei. Das Endergebnis nennt sich James Bond: The Duel und ist eine Art Jump-and-Run-and-Shoot'em-Up, ähnlich zum Vorgänger James Bond Jr. Ihr hüpft also durch eine Reihe von Side-Scrolling-Levels, schießt auf Gegner und rettet Geiseln. Ist das geschafft, zündet ihr eine Bombe, rennt innerhalb von einer Minute zum Ausgang und blast alles in die Luft. Rinse and Repeat.

Mal seid ihr auf einem Schiff unterwegs, mal im Dschungel, mal in einem Vulkan. Vereinzelt werden euch auch Bosse in Form bekannter Bond-Bösewichte vorgesetzt. Oddjob oder der Beißer sind hier allerdings nur Klone aus dem Labor des verrückten Professors Gravemar, der mit einer streng geheimen Satellitenwaffe die Weltherrschaft übernehmen will. Alles ein wenig konfus. Und unfassbar repetitiv. Denn im Grunde macht ihr nur fünfmal dasselbe. Domark gingen offenbar langsam die Ideen aus. Da darf man sich glücklich schätzen, dass James Bond: The Duel auch das letzte Projekt unter ihrer Leitung war.

Kleiner Fun Fact: Der Bond im Spiel wurde übrigens dem Abbild von Timothy Dalton nachempfunden, was The Duel tatsächlich zu seinem letzten öffentlichen Auftritt als 007 macht.


GoldenEye 007

1997 | Rare | N64

Was will man über GoldenEye eigentlich noch groß sagen? Der Ego-Shooter von Rare ist ein Meilenstein der Videospielgeschichte, der das Medium selbst, aber auch das Leben vieler Gamer da draußen maßgeblich mitgeprägt hat. Wir würden sogar so weit gehen, zu behaupten, dass fast jeder von euch irgendeine Erinnerung daran hat, wie er mit seinen Kumpels vor dem N64 sitzt und sich im Splitscreen-Deathmatch um den Goldenen Colt prügelt.

Screenshot aus GoldenEye 007 Quelle: PC Games GoldenEye gilt bis heute als Legende. Und das, obwohl der Titel hierzulande nicht mal frei erhältlich war! Nintendo verzichtete auf einen Release in Deutschland. Die BpjM setzte GoldenEye trotzdem auf den Index, weil es "ein äußerst brutales Spiel" sei, "dessen wesentlicher Inhalt in dem detailfreudig gezeigten Töten von Menschen besteht." Das ging 1997 natürlich gar nicht! Erst 2021 wurde die Indizierung aufgehoben. 2023 folgte ein digitaler Re-Release für Nintendo Switch, Xbox One und Xbox Series, wodurch wir hier jetzt offen darüber sprechen können, was das Spiel eigentlich so gut macht.

Primär ist es der Multiplayer. GoldenEye war nicht nur das erste Bond-Spiel, das kompetitiv gegeneinander gezockt werden konnte, es setzt das Prinzip auch auf Anhieb perfekt um: Der Vier-Spieler-Splitscreen ist ein riesiger Partyfaktor, die Waffenauswahl riesig, die Karten sind clever designt und die Anpassungsmöglichkeiten quasi grenzenlos.

Über allem steht aber das grandiose Gunplay: schnell, außergewöhnlich präzise und realistisch. Die Waffen unterscheiden sich deutlich in Rückstoß, Feuerrate und Zielgenauigkeit. Nachdem Shooter bis dato untrennbar mit Maus und Tastatur in Verbindung gebracht wurden, stieß GoldenEye die Tür auch für Gamepad-Ballereien auf der Konsole weit auf.

Und dann haben wir noch gar nicht über die Einzelspieler-Story gesprochen, die mit ihrer cineastischen Inszenierung und ihrem offenen Missionsdesign nochmal neue Maßstäbe setzte. Oder über die gelungene KI, den Wiederspielwert, den Fanservice. Wir haben hier einfach zu wenig Zeit, um alles zu erwähnen. Über acht Millionen verkaufte Einheiten und ein Metascore von 96 sprechen aber wohl für sich.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

James Bond 007

1998 | Nintendo | Game Boy

Auch die Besitzer seiner Handhelds versorgte Nintendo mit spielbarer Agenten-Action: 1998 veröffentlichte der Mario-Konzern James Bond 007 für den Game Boy. Das war allerdings kein Shooter, sondern eher ein Mix aus Adventure und RPG. Stellt euch The Legend of Zelda: Link's Awakening vor, aber eben im Smoking, dann habt ihr ein grobes Bild.

Spielerisch recycelt das Spiel vieles, was sich bereits anderweitig bewährt hatte: Ihr lauft in Vogelperspektive durch die Spielwelt, die aus einzelnen Bildschirmen aufgebaut ist. Ihr quatscht mit Charakteren, findet Items und löst kleine Rätsel. Die passen nur manchmal nicht so ganz ins Agenten-Setting und wirken etwas erzwungen. Meistens muss Bond irgendwelche trivialen Dinge besorgen, um den Plot voranzutreiben. An einer Stelle klaut ihr etwa ein Hühnchen, um es dann gegen eine Katze zu tauschen!?

Ein paar Kämpfe gibt es natürlich auch, die sind aber eher rudimentär: ein bisschen schießen, ein bisschen prügeln. Vor allem die Steuerung ist ziemlich fummelig, weil der Game Boy ja nur zwei Knöpfe hat, die ihr übers Inventar mit den gewünschten Waffen und Gegenständen belegen müsst.

Ansonsten kann man aber nur wenig meckern: Die (vielleicht etwas dünne) Geschichte rund um einen globalen Waffenschmugglerring führt euch an viele verschiedene Schauplätze wie China, Marokko oder Kurdistan. Und sie hält sich gekonnt an die Struktur eines Bond-Films: Es gibt spannende Action, ein bisschen Erotik und sogar Glücksspiel. In einem Casino dürft ihr Baccara und Blackjack zocken, was das typische Bond-Gefühl nochmal gut unterstreicht.

Judo Chop! Schon Roger Moore glänzte mit seinen Kampfkünsten. Quelle: Nintendo Judo Chop! Schon Roger Moore glänzte mit seinen Kampfkünsten.


Tomorrow Never Dies

1999 | Electronic Arts | Playstation

1999 landete James Bond dann auch endlich auf der Playstation. Tomorrow Never Dies erschien erstmals unter der Schirmherrschaft von Electronic Arts - und mit ordentlich Verspätung. Als das Spiel endlich seinen Weg in den Handel fand, stand bereits der nächste Pierce-Brosnan-Streifen in den Startlöchern. Um die Deadline noch irgendwie zu halten, musste das zuständige Studio von Black Ops Entertainment gleich mehrere Levels und den gesamten Multiplayer streichen. Und auch an anderer Stelle wandte man sich radikal von GoldenEyes Erfolgsformel ab.

Tomorrow Never Dies ist kein First-, sondern ein Third-Person-Shooter. Nur wenn ihr das Zielfernrohr einer Waffe benutzt, springt das Spiel in die Ego-Ansicht. Dazu fehlt die knackige Steuerung des Vorgängers. Mit dem Dualshock fühlt sich alles irgendwie ein wenig träge und unpräzise an. Auch Bond selbst bewegt sich eher steif und abgehackt durch die Gegend, was besonders bei der Ausweichrolle und beim Schleichen auffällt. Was die Frage aufwirft, warum man überhaupt noch ein halbgares Stealth-System mit ins Spiel stopfen wollte?

Keine Lust auf Schießen? Warum nicht mal Skifahren? Quelle: Electronic Arts Keine Lust auf Schießen? Warum nicht mal Skifahren? Größtenteils ist Tomorrow Never Dies nämlich eine recht lineare Schießbude mit automatischer Lock-on-Funktion, ein paar Waffen und Gadgets, die gelegentlich durch kurze Action-Sequenzen unterbrochen wird. Bond steigt zum Beispiel auch mal ins Auto oder auf seine Skier, obwohl das in der Filmvorlage, an die man sich sonst recht strikt hält, nicht passiert.

Apropos Film: Zumindest in Sachen Präsentation kann man dem Spiel ein Kompliment aussprechen. Nein, nicht für die Ingame-Grafik. Da sorgte das Entwicklungschaos für unschönes Clipping und matschige Texturen. Aber zwischen den Levels haben die Macher tatsächlich einige Clips aus dem gleichnamigen Leinwand-Abenteuer reingeschnitten. Das ist doch mal was! Nur leider nicht genug, um die Fachpresse milde zu stimmen. Die stempelte Tomorrow Never Dies als eine ziemliche Enttäuschung ab.

  1. Seite 1 Die ersten Bond-Spiele der 80er
  2. Seite 2 Bond findet seine Gaming-Formel
  3. Seite 3 Bond wird erwachsen
  4. Seite 4 GoldenEye verändert alles
  5. Seite 5 Die goldene Ära der Bond-Spiele
  6. Seite 6 Die EA-Jahre auf ihrem Höhepunkt
  7. Seite 7 Der Absturz und die Rückkehr von 007
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk