Fragwürdige Fertigkeiten

Special Carlo Siebenhüner
Fragwürdige Fertigkeiten
Quelle: Microsoft

Ist es ein Left-4-Dead-Klon? Ist es ein Far-Cry-Klon? Nein, es ist was ganz anderes! Wir durften Redfall im Zuge eines Preview-Events spielen und können endlich sagen, wie sich der Xbox-Exklusivtitel spielt - und was er sein will!

Für den richtigen Bumms gibt es neben den Waffen noch die Spezialfähigkeiten der Charaktere. Jeder Held hat eine ultimative und zwei Neben-Fähigkeiten. In eigenen Fähigkeitenbäumen können die verbessert werden. Dazu kommen noch ein paar passive Skills. Leider merkt man hier Redfalls Zerrissenheit zwischen Solo und Koop ganz besonders. Zwar betont Arkane, dass man alle Charaktere primär für den Solo-Einsatz designt und sie anschließend für Koop aufeinander abgestimmt hat. Bei manchen Figuren ist man da aber unserer Meinung nach über das Ziel hinausgeschossen.

Eindeutig Koop

Ein Jacob Boyer bietet sich mit seinem Fokus auf Stealth-Gameplay etwa perfekt für Solospieler an, auch, wenn die Stealth-Mechaniken für ein Arkane-Spiel enttäuschen. Es gibt nicht mal eine eigene Animation für heimliche Attacken. Wir hauen einfach mit mehr Schaden zu. In unserer Session wählten wir die durchsetzungsfähige Layla Ellison, die telekinetische Fähigkeiten hat. Nur sind zwei der drei Skills dieser Lady ganz eindeutig für den Koop designt. Sie kann einerseits einen übernatürlichen Aufzug rufen, mit dem sie sich und ihre Mitspieler in die Luft katapultiert. Das mag solo noch nützlich sein, wenn man sich auf ein Hausdach bewegen will.

Andererseits kann sie einen magischen Regenschirm beschwören, der Kugeln aufhält. Der nützt aber im Grunde nur anderen Mitspielern, die dahinter kurz verschnaufen können. Layla selbst darf während der Fähigkeit nämlich nichts Die vier spielbaren Klassen in Redfall. Quelle: Bethesda Sinnvolles machen, etwa sich heilen oder die Waffe nachladen. Sie haut am Ende zwar den Gegner vor sich um, bis dahin läuft man ohne Mitspieler aber hilflos durch die Gegend. Flankierende Nahkämpfer hält der Regenschirm nicht auf. Hier muss Arkane dringend nachbessern, denn so hat mindestens ein Charakter eindeutige Nachteile für Solospieler.

Ebenfalls noch zu tun haben die Entwickler auf der technischen Seite. Ja, wir haben einen bereits mehrere Wochen alten Build gespielt und erst zum Ende der Entwicklung geht es ans Optimieren. Trotzdem ruckelte das Spiel bei schneller Fortbewegung für unseren Geschmack zu sehr. Das lässt uns beunruhigt zurück, ob es zum Release rund läuft. Zumal in unserem Preview-PC eine leistungsstarke Nvidia-RTX-4070-Grafikkarte steckte. Redfalls Look ist zwar stimmig und atmosphärisch, reißt technisch aber keine Bäume aus. Vor allem rechtfertigt er keine exorbitant hohen Hardwareanforderungen. Wir hoffen also, dass sich bis zum Release noch was tut.

Hoffentlich wird das was

Durch unsere Session haben wir jetzt auf jeden Fall mehr Einblick in Redfall als davor. Gleichzeitig haben wir auch mehr Verständnis für die Marketingabteilung von Bethesda, denn Arkane-Spiele sind einfach die Hölle, wenn man sie beschreiben will.

Auch hier experimentiert das Studio mit verschiedenen Genres herum, und obwohl es eher Richtung Koop-Loot-Shooter geht, kann man Redfall so ganz eindeutig nicht festnageln. Der Koop-Fokus beim Gameplay ist überall zu spüren. Die Story wiederum ist eher für Singleplayer gedacht. Grundsätzlich ist dieser Ansatz nicht verkehrt. Nur wenige Studios dieser Größenordnung wagen heute überhaupt noch solche Experimente und vermischen fröhlich Gameplay-Ansätze.

Fazit

Die Titel von Arkane sind immer eine spielerische Wundertüte. Nur scheint bei Redfall die Mischung noch nicht ganz zusammenzupassen.

Aber es birgt natürlich auch das große Risiko, dass das Vorhaben schiefläuft. Bei Deathloop und Prey hat das Experimentieren funktioniert. Das waren vielleicht keine Verkaufsschlager, es handelt sich aber trotzdem um hoch angesehene Spiele.

Bei Redfall steht das noch in den Sternen. In unserer Vorschau holperten einige Dinge ordentlich. Laut den Entwicklern fehlten aber auch noch einige Elemente, die dabei helfen, dass alle Rädchen sauber ineinandergreifen. Das zeigt sich aber erst in der finalen Version. Zu wünschen wäre es dem Team definitiv. Nicht zuletzt, damit wir uns hier bei PC Games auch in Zukunft weiter die Haare raufen können, wenn wir versuchen, kommende Arkane-Spiele zu beschreiben.

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