Kaputte Spiele: Wieso so viele Games unfertig auf den Markt kommen

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Kaputte Spiele: Wieso so viele Games unfertig auf den Markt kommen
Quelle: pcgames

Laufend Abstürze, Bugs und dringend notwendige Patches: Was sind die Gründe für die Veröffentlichung kaputter Spiele? Wir gehen auf Ursachenforschung!

Diablo 4, Star Wars Jedi: Survivor oder Final Fantasy 16: Im Jahr 2023 sind bereits viele großartige Spiele auf den Markt gekommen. Doch nicht jeder große Name lieferte auch gleich zum Launch ab. Immer wieder klagen Kritiker und Fans über Programmfehler in Spielen, vor allem aber über den Zustand, den bestimmte Titel gerade zum Launch aufweisen. Arkanes Vampir-Shooter Redfall beispielsweise strotzte anfangs vor Macken und war in einem derart desolaten Zustand, dass sich selbst Xbox-Chef Phil Spencer öffentlich dafür entschuldigen müsste. Und auch Daedalics Lizenz-Schleicher Der Herr der Ringe: Gollum fiel bei der Spielerschaft gnadenlos durch - nicht nur aufgrund der unsauberen Programmierung, sondern auch wegen des schwachen Gamedesigns. Selbst große Triple-A-Produktionen wie etwa die PC-Version von The Last of Us Part 1 oder das bereits genannte Star Wars Jedi: Survivor litten zum Start an diversen Kinderkrankheiten.

Fehler in Computer- und Videospielen gab es schon immer. Doch in den vergangenen Jahren häufen sich die Titel, die gerade zum Launch echte Bug-Festivals waren. Das Pre-ordern vor dem offiziellen Verkaufsstart wird daher zum Glücksspiel.

Bei den Gaming-Fans ist der Frust groß, und oft entlädt sich dieser in wütenden Angriffen auf Social Media, die nicht selten weit über das Ziel hinausschießen. Aber wieso kommen Spiele immer noch unfertig auf den Markt?

Millionengeschäft Videospiele

Das Entwickeln von Computer- und Videospielen ist teuer. Große Produktionen wie Call of Duty: Modern Warfare 2 oder auch Cyberpunk 2077 verschlingen bis zu 300 Millionen US-Dollar.

Zum Vergleich: Die Produktion von Avatar 2: Der Weg des Wassers kostete rund 400 Millionen US-Dollar. Bei beiden Beispielen sind Ausgaben für Marketing und Werbung nicht eingerechnet. Digitale Spiele sind ein Milliardengeschäft. Allein in Deutschland stieg der mit Games erzielte Umsatz 2022 auf rund 9,9 Milliarden Euro.

Der Herr der Ringe: Gollum Quelle: Daedalic Entertainment / Medienagentur plassma Der Herr der Ringe: Gollum Wo aber viel "zu holen" ist, gilt es natürlich, Gewinne zu maximieren und die Erwartungshaltung einer zahlwilligen Community zu befriedigen. Es kommt nicht von ungefähr, dass Serien wie beispielsweise FIFA (zukünftig EA Sports FC) in einem jährlichen Rhythmus erscheinen.

"Teams stehen unter Druck, im Vorfeld unangemessene Umfangs-, Zeitplan- und Kostenziele festzulegen. Ab einem gewissen Punkt hilft selbst Crunch nicht mehr", erklärt Videospielentwickler und Berater Clinton Keith im Interview gegenüber Game Developer.

Das sogenannte "Crunchen" beschreibt das Schieben von Überstunden zum Abschluss einer Entwicklung. Dies bedeutet aber zugleich auch höchste Anstrengungen bei den zuständigen Mitarbeitenden und gilt aufgrund dessen inzwischen als nicht mehr zeitgemäß. So wurde etwa Blizzard stark dafür kritisiert, dass das Entwicklerteam von Diablo 4 lange Zeit im Crunch arbeiten musste.

Bei Großproduktionen entsteht so eine Art Teufelskreis: Aktionäre oder auch Teilhaber am Unternehmen üben Druck auf das Management aus, dieses gibt den Druck wiederum an die Entwickler weiter. Gerade Titel mit einer alljährlichen, vertraglich festgeschriebenen Veröffentlichung sind hier besonders betroffen.

Durch die fixen Daten bleibt kaum Zeit, um bei unvorhergesehenen Problemen angemessen darauf zu reagieren. Was daraus resultieren kann, zeigte sich beim Wrestling-Spiel WWE 2K20. Im Herbst 2019 wurde bekannt, dass 2K Games und Entwickler Yuke's getrennte Wege gingen.

Visual Concepts übernahm das Projekt zwar bereits früher, hatte aber viel zu wenig Zeit, um in einem knappen Jahr ein adäquates Spiel auf die Beine zu stellen. Das fertige Spiel erhielt im PC-Games-Test das Prädikat "Technisches Armutszeugnis" und strotzte vor Fehlern, Problemen und Unzulänglichkeiten, die selbst durch ständige Updates nicht vollständig behoben werden konnten.

WWE 2K20 Quelle: 2K Games / Medienagentur plassma WWE 2K20 Interessanterweise spricht Keith im gleichen Artikel von sogenannten "technischen Schulden", die viele Entwickler zum einen nicht adressieren, deren Kosten und Aufwand sie aber auch unterschätzen.

Dieses Problem wird gerade bei Projekten mit einem festen Release-Datum immanent. Der Begriff "Schulden" zeigt bereits sehr deutlich, was das Problem ist: Je länger man wartet, um diese zu begleichen, desto mehr steigen die Kosten. Eines muss an dieser Stelle klar sein: Entwicklerteams wissen um den technischen Zustand ihres Spiels.

Sehr oft allerdings machen es Verpflichtungen oder auch finanzielle Restriktionen unmöglich, diese rechtzeitig auszubügeln. Alfonso Sexto Pereyra arbeitete unter anderem bei Electronic Arts, Nintendo und Ubisoft in der Quality Assurance (kurz QA; auf Deutsch: Qualitätssicherung).

Er bricht diesen Spagat im Interview mit dem Branchenmagazin IGM nüchtern herunter: "Am Ende haben die Projektmanager das letzte Wort. Und man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Mehr als einmal habe ich mit meinem Projektmanager gestritten und meinen Fall dargelegt: 'Dieser Bug ist noch im Spiel. Die Leute werden ihn sehen.' Aber es gibt eben Deadlines, und die lassen sich nicht ständig umwerfen."

Herausforderung PC-Spiele

Ein Konsolenspiel auf den PC zu bringen, stellt für Entwickler eine besondere Aufgabe dar.

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Der Grund ist ganz einfach: Wenn ein Entwickler ein Spiel beispielsweise zunächst nur für die Playstation 5 herausbringt, dann kann man das Programm auf diese Hardware und ihre Komponenten hin anpassen und optimieren. Das erleichtert die Qualitätskontrolle immens. Eine PC-Fassung dagegen erfordert weitaus umfangreichere Tests. Denn es gibt Abertausende möglicher Hard- und Software-Kombinationen, auf denen das Spiel funktionieren muss.

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