Quake 2: Starkes Remaster im Test - So belebt man einen Klassiker wieder!

Test Felix Schütz
Quake 2: Starkes Remaster im Test - So belebt man einen Klassiker wieder!
Quelle: Bethesda

Das Original war spitze, die Neuauflage ist besser: Quake 2 glänzt als Remastered-Version mit sinnvollen Upgrades, neuen Inhalten, verbesserter Technik und blitzsauberer Konsolenumsetzung. Update: Jetzt mit Video-Review.

Das Jahr 1997: Doom und Quake hatten das Genre geprägt, nun lechzten Shooter-Fans nach dem nächsten Knaller von id Software. Den sollten sie bekommen! Quake 2 sollte ursprünglich gar keine Fortsetzung werden, sondern eine neue Marke etablieren. Doch nachdem man sich intern einfach nicht auf einen Namen einigen konnte, lieferte id Software das Spiel schließlich doch mit dem zugkräftigen "Quake" im Titel aus. Den Fans war es egal, schließlich waren die noch damit beschäftigt, ihre Unterkiefer wieder hochzuklappen: id Software hatte gleich ab Launch vollen OpenGL-Support für 3D-Beschleunigerkarten eingebaut, die damals noch nicht weit verbreitet waren. Vor allem wer eine 3dfx-Karte mit Voodoo-Chipsatz besaß, rieb sich die Äuglein: weich gefilterte Texturen, fantastisch-bunte Beleuchtung, flüssige Animationen, pfeilschnelle Frameraten - so schick war bis dato kein anderer PC-Shooter. (Zur Erinnerung: Half-Life und Unreal kamen später!)

Auch das Gameplay konnte da mithalten: Nach der chaotischen Entwicklung von Quake, die einen Mischmasch verschiedenster Stilrichtungen zur Folge hatte, verfolgte id Software für Quake 2 nun eine klare Linie. Die Einzelspielerfahrung wurde hervorgehoben und in eine simple, aber zumindest schlüssige Story verpackt: Ihr spielt einen Marine, der als Teil einer Invasionstruppe auf die Heimatwelt der Strogg entsendet wird - ein bösartiges, biomechanisches Alien-Volk, das die Existenz der Menschheit bedroht. Dort schießt man sich in vertrauter id-Software-Manier durch gut designte Level, sammelt Waffen und Power-Ups, bis man am Ende einen x-beliebigen Endboss ins Nirwana pustet.

Bildergalerie

Der große Unterschied zu Doom und Quake lag im Aufbau: Anstatt stur eine Mission nach der nächsten zu spielen, gab es nun Level mit mehreren Ausgängen. Die führten dann in neue Bereiche, wo man bestimmten Aufgaben erledigen musste. Danach kehrte man in den zentralen Abschnitt zurück und arbeitete sich in die nächste Zone vor. Dieses Hub-ähnliche Leveldesign führte zusammen mit den unterschiedlichen Missionszielen und der Rahmenhandlung dazu, dass sich Quake 2 ein bisschen wie ein Action-Abenteuer spielte und nicht mehr wie ein lineares Ballerspiel. id Software ging endgültig mit der Zeit.

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Gute Erinnerungen

Auch das Design profitierte stark von der neuen Ausrichtung. Man durchquerte nun keine mittelalterlichen Verließe mit Lovecraft-Einflüssen, sondern war in futuristischen Waffendepots und scheußlichen Fabriken, in Gefängnissen, Forschungsanlagen und Kraftwerken unterwegs. Die braun-matschigen Umgebungen unterschieden sich optisch zwar kaum, passten dafür aber viel besser zusammen. Auch die Gegner boten von einfachen Soldaten bis hin zu schwer bewaffneten Mech-Hybriden eine stimmige Auswahl an biomechanischen Ekelpaketen. Die Feinde waren obendrein viel flüssiger animiert als noch im ersten Quake, in dem die Feindbewegungen noch auf 10 Frames pro Sekunde beschränkt waren. Quake 2 nutzte die technischen Verbesserungen auch fürs Gameplay: Manche Feinde konnten nun sogar Geschossen ausweichen oder feuerten während einer Sterbeanimation ein paar Kugeln in unsere Richtung - das sah cool aus und sorgte für mehr Dynamik im Gefecht.

Machine Games spendiert der Neuauflage eine komplett neue Kampagne. Quelle: PC Games Machine Games spendiert der Neuauflage eine komplett neue Kampagne.

Dazu gab's eine Waffenauswahl, die sich gewaschen hat: Egal ob Minigun, Hyperblaster, Rocket Launcher, BFG, Railgun oder eine der besten Shotguns der Shooter-Geschichte - hier kamen Action-Fans auf ihre Kosten. Die Waffen waren diesmal aufwändig animiert, mit sichtbaren Händen, was für mehr Immersion sorgte. Unvergessen auch der fetzige Soundtrack des deutschen Komponisten Sascha Dikiciyan, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Sonic Mayhem. Der treibende Mix aus bedrohlichen Industrial-Sounds und harten Gitarrenriffs sorgte für Atmosphäre und blieb uns selbst nach vielen Jahren im Ohr (übrigens auch, weil sich die Musik nach einer Weile ständig wiederholte).

Damals hip, heute retro

Wie fast alle älteren Shooter von id Software wird auch Quake 2 mit der Zeit ganz schön eintönig. Die Umgebungen bleiben visuell ziemlich ähnlich, die meisten Waffen hat man schnell freigeschaltet, Überraschungen bleiben aus und Charaktere, die durch den Plot führen würden, gibt es auch nicht. Quake 2 endet im Grunde so, wie es beginnt: Als fetziger Shooter, der sich von Anfang an klasse spielt, aber im späteren Spielverlauf kaum Steigerungen hinlegt. Damit sich nach ein paar Stunden überhaupt noch etwas tut, wirft euch id Software einfach immer mehr Gegner entgegen, teilweise in engen Räumen, teilweise in Außenarenen, wo euch auch fliegende Strogg das Leben schwer machen. Ebenfalls typisch für die damalige Zeit: Gegner, die hinter Wänden lauern und die euch immer dann in den Rücken fallen, wenn ihr es am wenigsten erwartet. Das war damals zwar noch in vielen Shootern üblich, wirkt heute aber - selbst bei wohlwollender Betrachtung - ganz schön veraltet.

Wertung zu Quake 2 (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Quake 2 (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Quake 2 (NSW)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Quake 2 (XBO)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Quake 2 (XSX)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Quake 2 (PS5)

Wertung:

8.0 /10

Quake 2 ist ein Kind seiner Ära. Und wer die nicht miterlebt hat, wird sich heute vielleicht schwer damit tun, den Reiz des Spiels nachzuvollziehen. Zur Erinnerung: Als Quake 2 erschien, gab es weder Unreal noch Half-Life! Da wehte im Genre noch ein anderer Wind. 3D-Beschleuniger? Damals reiner Luxus, gespielt wurde meistens noch im Software-Modus. Waffen nachladen? War in den meisten Spielen noch nicht nötig. Rumlaufen per WASD? Zu der Zeit noch kein Standard, viele Spieler steuerten noch mit den Pfeiltasten. Anvisieren oder Sekundärfeuer? Alles noch nicht etabliert. Und springen? Lag bei Shootern oft noch auf der rechten Maustaste, weil die sonst nix zu tun hatte.

Meinung

Ihr merkt also: Quake 2 ist ein Shooter der alten Schule, so will er gespielt werden - und so fühlt er sich auch in der Neuauflage noch an. Wenn ihr also keinen zeitgemäßen Ballerspaß erwartet und Retro-Action mögt, liegt ihr mit dem Remaster von Quake 2 goldrichtig. Alle anderen lassen besser die Finger davon und versuchen sich stattdessen an einem anderen, modernen Retro-Shooter. Mit Spielen wie Dusk, Nightmare Reaper oder Prodeus gibt es reichlich Auswahl. Und wenn es stattdessen lieber etwas klassischer sein darf, haben wir noch Tests zu Doom 64, Turok und Powerslave Exhumed für euch. Da sollte für jeden Retro-Fan etwas dabei sein.

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