Powerslave Exhumed im Test: Tolles Remaster mixt Saturn- und Playstation-Version
Test
Eine Prise Metroidvania machte Powerslave einst zu einem Geheimtipp - allerdings nur auf dem Sega Saturn und der Playstation. Nun ist der Retro-Shooter wieder als außergewöhnliche Neuauflage zurück, die erstmals beide Konsolfenfassungen kombiniert. Im Test macht Powerslave Exhumed damit erstaunlich viel Spaß.
Es ist keine Schande, wenn ihr Powerslave damals verpasst habt. Schließlich erschien der ungewöhnliche Shooter ausgerechnet im Jahr 1996 - also in einer Zeit, in der Top-Titel wie Quake und Duke Nukem 3D gerade schwer angesagt waren. Ein Nischentitel wie Powerslave, der sein Debüt auf dem Sega Saturn feierte und noch dazu auf ein ungewöhnliches Ägypten-Setting setzte, konnte sich da kaum durchsetzen. Auch die überarbeitete Playstation-Umsetzung, die ein halbes Jahr später folgen sollte, war kein Hit. Die Bezeichnung sorgte zusätzlich für Verwirrung, hierzulande wurde das Spiel nämlich unter dem Titel "Exhumed" veröffentlicht. Das gilt auch für die schwächere PC-Version, die nur mittelmäßige Kritiken ernten konnte und den Ruf von Powerslave zusätzlich ankratzte. Dabei liegen inhaltlich Welten zwischen den Versionen, auch wenn sie sich optisch stark ähnelten: Auf dem PC war Powerslave im Grunde "nur" ein ordentlicher, linearer Shooter im Stil von Doom. (Ihr könnt das Spiel hier über Steam oder GOG nachholen.) Auf Saturn und Playstation dagegen war Powerslave ein anderes, ein besonderes Spiel. Eines, das die First-Person-Action mit leichten Adventure-Elementen verbindet. Heute wird Powerslave oft nachgesagt, einer der ersten Metroidvania-Shooter überhaupt zu sein. Ein Meisterstück wie Metroid Prime solltet ihr zwar nicht erwarten, doch ein bemerkenswertes Spiel ist es allemal. Und nun ist es wieder zurück.
Dank Nightdive Studios (Turok, Shadow Man Remastered) könnt ihr die überlegenen Konsolenfassung von Powerslave endlich wieder spielen, erstmals auch auf dem PC. Unter dem Titel "Powerslave Exhumed" erwartet euch eine clevere Neuauflage mit einem ungewöhnlichen Ansatz, denn für das Remaster hat Nightdive erstmals die Saturn-Fassung mit der Playstation-Version kombiniert.
Seiner Zeit voraus
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Powerslave erzählt keine aufwendige Geschichte, was für einen Shooter von 1996 aber noch völlig normal war. Das Spiel entführt euch in ein unverbrauchtes ägyptisches Setting, in dem ihr Tempel, Gräber, Minen, Täler und einiges mehr erkundet, um für eine Gottheit verschiedene Artefakte zu sammeln.
Quelle: PC Games
Auch gelegentliche Tauchgänge stehen auf dem Programm. Für einen Shooter aus der Zeit bot Powerslave ungewöhnlich viel Erkundung.
Der Spielablauf ist zwar klassisch in Levels unterteilt, allerdings mit einer wichtigen Besonderheit: Dank einer Übersichtskarte könnt ihr alle Levels immer wieder ansteuern, teilweise müsst ihr das sogar. Denn in manchen Arealen findet ihr wichtige Power Ups, mit denen ihr anfangs unzugängliche Bereiche erkunden und damit neue Ausgänge erreichen könnt. Diese Upgrades lassen euch beispielsweise höher springen, länger tauchen oder lässig über Abgründe schweben, was auch im Kampf ungeheuer praktisch ist. Kleinere Verbesserungen, neue Rüstungen oder optionale Fähigkeiten, wie sie heutzutage in vielen Metroidvanias üblich sind, gibt es allerdings nicht. Einzige Ausnahme: Ihr könnt fünf Erweiterungen für euren Lebensbalken finden, die ihr vor allem in den späteren Abschnitten bitter nötig haben werdet. Powerslave bietet außerdem zwei Endsequenzen. Für das gute Finale müsst ihr in mehrere Levels zurückkehren und dort Teile eines Transmitters einsammeln. Das ist völlig optional, sorgt aber für mehr Spielzeit: Je nach Können ist man sechs bis zehn Stunden beschäftigt, bis man den Abspann erreicht.
Quelle: PC Games
Die Retro-Action ist nicht mehr ganz zeitgemäß, besonders die große Hitbox des Spielers irritiert.
Das Backtracking hat allerdings einen Nachteil: Wenn ihr in einen Level zurückkehrt, sind nicht nur alle Gegner wieder an ihrem Platz, auch geöffnete Türen werden wieder verschlossen. Hin und wieder müsst ihr die nötigen Schlüssel also noch einmal suchen. Das wirkt aus heutiger Sicht unnötig, kostet aber zumindest nicht so viel Zeit wie beim ersten Durchgang - schließlich kennt man den Level schon.
Robuster Retro-Shooter
Auch wenn Powerslave aus dem Metroidvania-Konzept also nur das Nötigste rausholt, ist die Richtung unverkennbar: Das ist kein simpler Shooter mehr. Dafür sprechen auch die zahlreichen Sprungeinlagen, denn viele Bereiche strotzen vor Plattformen und vertikalen Elementen. Dank einer sauberen Maus-Tastatur-Steuerung sind auch diese Abschnitte kein Problem.
Der Rest spielt sich dafür wesentlich klassischer: Ihr erkundet clever verschachtelte Levels, sammelt Schlüssel, aktiviert Schalter, weicht Fallen aus, ballert Feinde über den Haufen und versucht den nächsten Ausgang zu erreichen. Zu eurem Arsenal zählen ein Maschinengewehr und eine Pistole, aber auch magische Ringe, Fantasy-Granaten, ein Flammenwerfer oder ein Zauberstab, der zielsuchende Schlangen verschießt. Die Waffen lassen sich zwar nicht upgraden und wirken heute unspektakulär, bleiben aber alle bis zum Spielende nützlich.
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Das Munitionssystem erfordert allerdings Umgewöhnung: Ihr sammelt keine individuelle Munition wie Patronen oder etwas in der Art auf. Stattdessen müsst ihr Orbs einsacken, die allgemeine Waffenenergie spendieren, allerdings immer nur für die Knarre, die ihr gerade in der Hand haltet. Um keine Munition zu vergeuden, müsst ihr euer Arsenal also ständig durchwechseln.
Die Gegner lassen zwar etwas Abwechslung vermissen, passen aber prima ins Ägypten-Setting: Ihr kämpft gegen Mumien, Anubis-Monster, Heuschrecken, Riesenkäfer, Bastet-Katzenviecher und am Ende gegen insektenartige Aliens. Die KI ist für die damalige Zeit typisch doof und lässt sich immer wieder wehrlos zusammenschießen. Doch das gleichen die Gegner mit starken Angriffen wieder aus, die uns anfangs überraschend oft treffen - das liegt an der Hitbox der Spielfigur, die etwas größer ausfällt, als man es von anderen Shootern aus der Zeit gewohnt ist. Frust kommt trotzdem nicht auf, was auch an den neuen Checkpoints liegt, die in den Levels verteilt sind. In den Originalfassungen musste man einen Level nach jedem Tod von vorn beginnen, das ist nun nicht mehr nötig. Wer mag, kann die Checkpoints außerdem abschalten.
Playstation und Saturn vereint
Die Remaster-Spezialisten von Nightdive Studios bringen für Powerslave Exhumed wieder ihre bewährte Kex-Engine zum Einsatz. Grafisch erwartet euch ein deutlich geschärfter, ansonsten aber völlig veralteter Retro-Stil mit pixeligen 2D-Sprites, simplen Texturen und blassen Effekten. Dafür gibt's Support für hohe Auflösungen und Ultrawide-Bildschirme, verschiedene Grafikoptionen und eine pfeilschnelle Framerate. Stimmungsvolle Beleuchtung und eine passende Musikuntermalung sorgen außerdem immer noch für Atmosphäre, sofern ihr euch für Retro-Games begeistern könnt.
Quelle: PC Games
Powerslave Exhumed im Test
Das Highlight der Neuauflage betrifft aber den Inhalt: Powerslave Exhumed basiert zwar größtenteils eindeutig auf der Sega-Saturn-Version, enthält aber auch einige Levelabschnitte und Verfeinerungen aus der Playstation-Fassung. Das einfachste Beispiel dafür findet man gleich im ersten Level: Wo euch im Saturn-Original noch rote Spinnen angriffen, waren es in der Playstation-Version blaue Skorpione. In der Neuauflage werden die beiden Gegnerdesigns einfach durchgemischt, ihr bekommt also beide Viecher vor euer Fadenkreuz. Nightdive hat also wirklich versucht, die Vorzüge beider Fassungen zu kombinieren und damit die ultimative Ausgabe von Powerslave zu schaffen. Das Ergebnis ist absolut gelungen: So müssen Neuauflagen sein!
Powerslave Exhumed ist zum Preis von etwa 17 Euro für PC, Switch, Xbox One und Playstation 4 erhältlich.
Meinung
Nightdive Studios ist schon seit Jahren ein wichtiger Lieferant für hochwertige Neuauflagen. Mit dem Turok-Remaster (hier in unserem Testvideo) hat das Team gezeigt, wie man alte Spiele einer gelungenen Frischzellenkur unterzieht, ohne ihren Charakter zu verfälschen. Auch die überarbeiteten Fassungen von Quake und Shadow Man Remastered sorgten für Freude bei vielen Retro-Fans. Die Neuauflage von Doom 64 stach dabei besonders heraus, denn hier wurde ein ehemaliger Exklusivtitel für das Nintendo 64 erstmals auf moderne Plattformen gebracht. Derzeit ist Nightdive mit mehreren Projekten beschäftigt, etwa einer überarbeiteten Fassung von Westwoods Sci-Fi-Abenteuer Blade Runner. Das wichtigste Projekt für Nightdive dürfte aber das Remake von System Shock sein, mit dem das Kultspiel von Grund auf neu entwickelt werden soll. Auf Steam ist eine aktuelle Demo verfügbar. Anschließend soll auch eine Enhanced Edition von System Shock 2 folgen, das als geistiger Vorgänger von Bioshock bis heute Kultstatus genießt.
