Dusk im Test: Ballern wie in den 90ern - Jetzt mit Testvideo!

Test Felix Schütz
Dusk im Test: Ballern wie in den 90ern - Jetzt mit Testvideo!
Quelle: PC Games

Wer sich in die Zeiten von Doom und Quake zurücksehnt, darf schon mal die Shotgun zücken: Dusk ist Retro-Ballerspaß in Reinkultur, der euch deftige Schießereien wie in den 90er Jahren serviert! Mit tollem Leveldesign, strunzdoofen Gegnern und erlesen hässlicher Grafik transportiert Dusk die Action von damals gelungen in die Neuzeit. Update: Jetzt auch mit Testvideo.

Retro ist schon lange keine Modeerscheinung mehr, sondern hat sich zu einer beliebten Stilrichtung entwickelt. Denn die Sehnsucht nach dem Vergangenen zieht sich mittlerweile quer durch alle Genres: Es sind nicht mehr nur Adventures, Rollenspiele oder Jump & Runs, sondern immer häufiger auch Ego-Shooter, die ganz bewusst veraltetes Spieldesign und pixelige Optik zelebrieren und damit verloren geglaubte Erinnerungen wachkitzeln. Dusk (jetzt kaufen 26,00 € ) verkörpert diesen Retro-Gedanken nahezu perfekt: Ein brutal schneller und schnörkelloser Ego-Shooter, der uns glauben lässt, die Entwickler hätten das Spiel nach 23 Jahren unter einer dicken Staubschicht in ihrer Schublade entdeckt! Seine großen Vorbilder heißen Doom, Duke Nukem 3D und Quake, aber auch andere Klassiker werden leidenschaftlich zitiert. Dabei ist Dusk aber mehr als nur eine Zeitreise in längst vergangene Shooter-Tage - es ist auch einfach eine fetzige und mordsmäßig unterhaltsame Ballerei, wenn man sich darauf einlässt.

Dusk im Test: Hässliche Schönheit

Kein anderes Genre hat sich im Laufe der Jahrzehnte so sehr über seine Grafik definiert wie Ego-Shooter: Die schärfsten Texturen, die modernste Beleuchtung, die detailreichsten Gegner - all das wurde maßgeblich von Ballerspielen vorangetrieben. Umso bemerkenswerter ist deshalb die hemmungslos veraltete Optik, die uns Dusk auftischt: Freut euch auf braun-graue Matschtexturen wie aus id Softwares früheren Jahren, detailarme, triste Umgebungen und Gegner, die so klotzig und polygonarm daherkommen, dass sie einem fast leid tun können! Selbst das erste Unreal von 1998 sieht da im Vergleich um Lichtjahre besser aus.
Wer's lieber pixelig mag, wird im Optionsmenü fündig: Der Weichzeichner auf den Texturen lässt sich abschalten. Quelle: PC Games Wer's lieber pixelig mag, wird im Optionsmenü fündig: Der Weichzeichner auf den Texturen lässt sich abschalten.

Wer mag, kann sich die eigenwillige Optik weiter anpassen, etwa Bloom-Effekte oder Texturfilter hinzuschalten - oder das Bild so stark verpixeln, dass vermutlich noch ein Pentium 90 damit fertig würde. Doch egal welche Optionen man wählt, die Grafik bleibt in jedem Fall hoffnungslos veraltet, und das ist auch voll beabsichtigt. Trotzdem versprüht das Spiel eine tolle Atmosphäre, gelegentlich kann Dusk sogar richtig gruselig werden - und beweist damit endgültig, dass nicht einmal Shooter eine zeitgemäße Technik brauchen, um für Spannung zu sorgen.

Dusk im Test: Verbeugung vor der guten alten Zeit

Dusk umfasst zwar auch einen Mehrspielermodus mit klassischem Deathmatch, doch den konnten wir in unserem Test nicht ausprobieren - es fanden sich schlichtweg keine Mitspieler auf den Servern. Macht aber nix, denn im Zentrum steht ohnehin die Einzelspielerkampagne, die sich auf drei getrennte Episoden mit jeweils mehreren Levels erstreckt. Irgendwo dazwischen versteckt sich sogar so etwas wie eine Story, die uns in der Spielpraxis aber fast vollständig durch die Lappen gegangen ist, so beiläufig wird sie erzählt. Was man wissen muss: Als Namenloser Held ist es unsere Aufgabe, das Ziel jedes Levels zu erreichen, dazu müssen wir - wie in der guten alten Zeit - Schlüssel sammeln, verschlossene Türen öffnen, Geheimgänge entdecken und vor allem: am Leben bleiben! Denn die Levels sind vollgestopft mit strunzblöden Gegnern, die uns bevorzugt aus dunklen Ecken angreifen und vor allem in späteren Kapiteln kräftig in die Mangel nehmen. Moderne Features wie Deckungssysteme, Sekundärfeuer oder automatische Heilung kennt Dusk selbstverständlich nicht, darum müssen wir ständig in Bewegung bleiben, Angriffen ausweichen, Heilpakete sammeln und unsere knappe Munition gut einteilen.

Dusk im Test: Nicht ohne meine Doppel-Shotgun!

Massen leichter Gegner erledigen wir am besten mit der Armbrust. Ihre Bolzen durchschlagen mehrere Feinde hintereinander.  Quelle: PC Games Massen leichter Gegner erledigen wir am besten mit der Armbrust. Ihre Bolzen durchschlagen mehrere Feinde hintereinander.  Das Waffenarsenal in Dusk ist herkömmlich, um nicht zu sagen: unspektakulär. Pistolen, Shotguns, Granatwerfer oder Maschinengewehre kennen wir schon aus zig anderen Ballerspielen, einzig ein magisches Schwert fällt da ein wenig aus der Reihe. Noch dazu sind die Kanonen ausnehmend hässlich, wie sie so grau und klobig vor der Spielerkamera schweben, als habe man sie notdürftig am Helden angeklebt. Trotzdem machen die Knarren mächtig Laune, denn das Treffergefühl passt einfach: Wer sich erst mal mit zwei Flinten gleichzeitig durch eine ganze Gegnerhorde gearbeitet hat, wird die präzise und angenehm rasante Steuerung zu schätzen wissen, die dafür sorgt, dass sich die Gefechte jederzeit geschmeidig und befriedigend anfühlen. Da stört es auch nicht weiter, dass Dusk mehr Gegnervielfalt und vor allem coolere Bosse vertragen hätte - bis auf den letzten dicken Brocken bleibt keiner der Bosse im Gedächtnis.

Bei aller Retro-Liebe macht Dusk aber auch ein paar wenige Zugeständnisse an die Moderne. So findet ihr beispielsweise ab und zu ein Item, das die Zeit einfriert und nur bei Bewegungen weiterspult - eine kleine Verneigung vor dem Indie-Shooter Superhot. Auch die Möglichkeit, lässig über den Boden zu schlittern und so schnell an Feinde ranzukommen, hat sich Dusk von modernen Actiontiteln abgeguckt. Ihr findet sogar selten Kletterwerkzeug, mit dem ihr für eine kurze Zeitspanne an Wänden hinaufkraxeln könnt - eine schöne Idee, die aber kaum Anwendung findet und sich noch dazu ziemlich ungenau steuert.

Dusk im Test: Abwechslung und Atmosphäre

Trotz seiner minimalistischen Optik entpuppt sich Dusk als erstaunlich atmosphärisch.  Quelle: PC Games Trotz seiner minimalistischen Optik entpuppt sich Dusk als erstaunlich atmosphärisch.  Obwohl es ein paar hübsch versteckte Secrets gibt, kommt Dusk grundsätzlich ohne Rätseleinlagen aus, Ballern und Erkunden stehen im Vordergrund. Und nein: Eine Karte gibt es nicht, ihr müsst selbst den Überblick behalten! Auch wenn das Spielkonzept von Anfang bis Ende identisch bleibt, glänzt Dusk mit ordentlich Abwechslung, die es seinem guten Leveldesign zu verdanken hat: Anfangs sind wir in ländlichen Gebieten mit Scheunen, Wäldern, Minenschächten und Herrenhäusern unterwegs, auch Stadtbereiche und verschneite Berge stehen auf dem Reiseplan. Später geht es dann in diabolische Fleischfabriken, stockfinstere Tempel und verrückt aufgebaute Forschungsanlagen, in denen auch mal das gesamte Levellayout auf die Seite kippt - wehe dem, der bei solchen Spielen zu Motion Sickness neigt! Weitläufige Ballerabschnitte wechseln sich gelungen mit verschachtelten Innenarealen ab, hin und wieder sind wir in hell erleuchteten und dann wieder in zappendusteren Labyrinthen unterwegs, in denen eine kümmerliche Taschenlampe oft unser einziger Trost ist - und selbst die nimmt uns der Entwickler ab und an weg, um für noch mehr Spannung zu sorgen.

Bildergalerie

Denn so klobig und veraltet die Grafik auch sein mag, ist Dusk trotzdem erstaunlich atmosphärisch: Gute Soundeffekte sorgen zusammen mit der oft spärlichen Beleuchtung für gruselige Stimmung, die sich aber immer wieder in hemmungslosen Massenschlachten entlädt. Hier dreht der starke Industrial-Rock-Soundtrack aus der Feder von Andrew Hulshult dann so richtig auf und brettert uns mit lauten, fetzigen Riffs durch den Gehörgang. Die Musikuntermalung hätte auch prima zu Quake gepasst, spätestens hier fühlen wir uns in die 1990er zurückversetzt!

Das Leveldesign überrascht immer wieder mit kreativen Einfällen. Quelle: PC Games Das Leveldesign überrascht immer wieder mit kreativen Einfällen. Dusk bietet im ersten Durchgang etwa 5 bis 8 Stunden Spielzeit, danach laden noch Bonusziele (z.B. Speedruns) zu einem weiteren Durchgang ein. Außerdem gibt's einen Endlos-Modus und - sofern sich irgendwann mal Mitspieler finden - auch ein klassischer Deathmatch-Multiplayer. Außerdem haben die Entwickler mehrere Updates für den Shooter in Arbeit, darunter auch ein Koop-Modus sowie New Game Plus. Weitere Infos dazu findet ihr hier in dieser Meldung. Dusk kostet 17 Euro und ist derzeit nur für PC erhältlich, Konsolenfassungen sollen aber ebenfalls folgen.

Auf den Retro-Geschmack gekommen? Hier gibt's gute Alternativen!

Wer nach Dusk noch Lust auf mehr hat, darf sich freuen: Es sind derzeit noch weitere Retro-Ballereien in Entwicklung, die schon jetzt einen sehr guten Eindruck machen! Fans von Duke Nukem 3D sollten beispielsweise Ion Maiden im Auge behalten, das in jeder Hinsicht an den Shooter-Klassiker von 3D Realms erinnert - es verwendet sogar die gleiche Engine! Mehr Infos zu Ion Maiden, das derzeit noch in der Early-Access-Phase steckt, findet ihr hier. Ebenfalls spannend: Das grafisch schicke Prodeus, das einen Retro-Look mit moderner Technik kombiniert (klingt komisch, ist aber so!) - schaut euch den sehenswerten Trailer an und werft einen Blick auf die Steam-Seite oder die offizielle Website der Entwickler! Bereits erhältlich und überraschend gut: Project Warlock, das mit seinen eng gepixelten Levels auf den ersten Blick an ein Frühwerk von id Software erinnert, die Action aber mit kleinen RPG-Elementen und Upgrade-Systemen aufpeppt. Erstaunlich spaßig!

Auch Amid Evil, das sich deutlich von Heretic inspiriert zeigt, macht einen interessanten Eindruck, der Fantasy-Shooter befindet sich derzeit noch in der Early-Access-Phase - hier findet ihr das Spiel auf der Steam-Produktseite. Und falls euch der Sinn weniger nach Doom und Quake, sondern eher nach 360-Grad-Action im Stil von Descent steht, möchten wir euch noch das gelungene Overload ans Herz legen - das stammt von einigen Original-Entwicklern von Descent und bietet das gleiche Spielerlebnis in einem moderneren technischen Gewand. Wie gut sich das spielt, erfahrt ihr in unserem Test zu Overload!

Dusk im Test: Wertung und Fazit

Wertung zu Dusk (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Tolles Retro-SpielgefühlSpaßige, schnörkellose ActionGutes, abwechslungsreiches LeveldesignStilsichere PräsentationStarke MusikuntermalungGelungene AtmosphäreAngemessener Umfang (5 bis 8 Stunden)
Herkömmliches WaffenarsenalTeilweise übertrieben hässlich (z.B. Waffenmodelle)Suche nach dem Levelausgang kann Zeit kostenGegner und Waffen lassen Abwechslung vermissenStory wird mäßig erzähltÜberwiegend langweilige BossgegnerAustauschbarer Hauptcharakter

Meinung

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk