30 Jahre PC Games: PC-Hardware im Wandel der Zeit - Seite 4

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Katharina Pache
30 Jahre PC Games: PC-Hardware im Wandel der Zeit - Seite 4
Quelle: Medienagentur plassma

Es ist fraglich, ob die PC Games ihren 30. Geburtstag ohne die Langlebigkeit des PCs feiern könnte. Deswegen machen wir eine Reise durch die Zeit und schauen uns an, wie sich der allseits beliebte Personal Computer im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Umso unübersichtlicher war der Markt der Prozessoren, denn Intel und AMD stachelten sich gegenseitig zu immer größeren Höchstleistungen an. Bis 2003 dominierte die 32-Bit-Architektur, bevor die Hersteller auf 64-Bit umsattelten. Des Weiteren kamen ab 2005 die sogenannten Multikern-Prozessoren ins Spiel: Diese bestanden aus zwei, vier oder noch mehr Kernen, die parallel arbeiteten. In der Theorie war somit eine Arbeitsteilung möglich, bei der sich die Kerne gegenseitig entlasteten. In der Praxis musste dies jedoch von der Software unterstützt werden. Und um es noch komplizierter zu machen, gab es Prozessorkerne mit hardwareseitigem Multithreading, die ebenfalls verschiedene Prozesse oder Aufgaben gleichzeitig bearbeiten konnten.

Laut einer Umfrage in der PC Games Hardware 10/2012 besaßen zum damaligen Zeitpunkt über 70 Prozent aller Leser einen Quadcore-Prozessor. In einem Leistungscheck, bei dem die Spiele Anno 2070, Battlefield 3, Crysis 2, Diablo 3 sowie The Elder Scrolls 5: Skyrim auf mehreren Systemen getestet wurden, kam unter anderem ein Intel Core i7-3770K Prozessor zum Einsatz. Ein Laie hatte jedenfalls keine Chance, hinter diesem kryptischen Namen die Grundtaktfrequenz von 3,5 GHz sowie seine insgesamt vier Kerne herauszulesen. Und auch direkte Vergleiche wurden immer schwieriger: Nehme ich lieber den Dual-Core i3 3240 mit 3,4 GHz von Intel? Oder doch eher den Quad-Core A3420M mit 1,5 GHz von AMD?

Ferner besaß das von PC Games Hardware als "High-End-Rechner" bezeichnete System einen Hauptspeicher von acht GB DDR3-1866 RAM und eine Grafikkarte des Typs Radeon HD 7970. Letztere war genau wie viele Konkurrenzprodukte so groß und so dick, dass man sie durchaus als Waffe hätte gebrauchen können.

Alles gleich und doch irgendwie anders

Trotz all dieser Unterschiede und komplizierten Bezeichnungen war es so einfach wie nie zuvor, einen funktionierenden PC zu erstehen. Egal, ob man sich ein Komplettpaket bei einem Elektrofachgeschäft besorgte, sich auf eines der Billigangebote von Aldi einließ oder die einzelnen Komponenten bei einem Internet-Händler erstand, um sie an einem langen Nachmittag selbst zusammenzustecken: Sobald Windows 7 lief und man sich die passenden Treiber aus dem Netz holte, funktionierte das Gerät in den meisten Fällen einwandfrei.
Auch die Leistungsunterschiede minimierten sich zunehmend, weil die technischen Anforderungen der Spiele zahmer waren. Hatte man einen vergleichsweise schwachen Prozessor oder eine etwas ältere Grafikkarte, dann schraubte man einfach den Detailgrad runter oder verzichtete auf eine höhere Auflösung. Das Gesamtbild sah in der Regel immer noch sehr ansehnlich aus.

Anders ausgedrückt: Wer in den 1990er-Jahren immer auf dem neuesten Stand sein und aktuelle Spiele ohne große Einschränkungen genießen wollte, der musste sich alle zwei bis vier Jahre einen frischen Rechner besorgen. Inzwischen konnte man locker mit der doppelten Wartezeit auskommen, ohne etwas zu verpassen.

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Die Kehrseite der Medaille: Für die Hardware-Verkäufer wurde es immer kniffliger, dem Kunden etwas wirklich "Neues" anzubieten. Womöglich entwickelte sich deshalb ein kleiner Boom rund um Gaming-Mäuse: Unternehmen wie Logitech oder Razer standen in direkter Konkurrenz, eine ergonomische Maus mit variabler DPI, Goodies wie zusätzlichen Tasten und einer geringen Latenz zu produzieren.

Bei den Monitoren gab es hingegen eine enorm wichtige Neuerung: Die veraltete Röhrentechnologie wurde durch platzsparende Flachbildschirme abgelöst. In dem Zuge wurde der alte VGA-Anschluss zuerst durch den analog-digital-Hybriden DVI und schlussendlich gegen das rein digitale HDMI ersetzt. Damit war es sogar problemlos möglich, einen handelsüblichen Fernseher anzuschließen und somit die Grenzen zwischen PC und Konsole weiter verschwimmen zu lassen.
Zu guter Letzt waren PCs inzwischen so leistungsstark, dass der eine oder andere Kunde auf ein dickes Tower-Gehäuse verzichtete und sich lieber einen schnuckeligen Laptop besorgte. Der war schließlich schön klein und kompakt, besaß einen eigenen Bildschirm und konnte ebenfalls optional an jeden beliebigen Monitor oder Flachbildfernseher angeschlossen werden.

2022: Der Status Quo

Damit wären wir in der Gegenwart angelangt, in der wir erneut betonen möchten: Bei Prozessoren, Mainboards und Grafikkarten hat sich in den letzten zehn Jahren kaum etwas Grundlegendes verändert. Gutes Beispiel: Anstatt mit DDR3-SDRAM bestücken wir das Mainboard eben mit DDR5-SDRAM. Und noch immer ist die Auswahl an Prozessoren sowie Grafikkarten riesig und die Kompatibilität aller Optionen trotzdem erstaunlich hoch.

Wenn ihr nicht mehr wisst, wo ihr euer Geld anlegen sollt, dann greift zu einer VR-Brille. Auf diesem Bild liegen die HTC Vive und die Valve Index friedlich nebeneinander vereint. Quelle: Medienagentur plassma Wenn ihr nicht mehr wisst, wo ihr euer Geld anlegen sollt, dann greift zu einer VR-Brille. Auf diesem Bild liegen die HTC Vive und die Valve Index friedlich nebeneinander vereint. Alles Weitere kann man stichpunktartig abhaken: Schnelle SSD-Festplatten lösen langsam, aber sicher den veralteten HDD-Standard ab. Als Betriebssystem sollte man sich Windows 10 oder Windows 11 besorgen. Moderne Grafikkarten wie die Geforce RTX 2070 locken den Kunden mit Raytracing-Technologie. Da kaum noch PC-Spiele in physischer Form verkauft werden, ist ein DVD- oder Blu-ray-Laufwerk nahezu obsolet. Wer Daten auf einem Speichermedium sichern möchte, der greift inzwischen zu USB-Sticks.

Immer mehr Käufer liebäugeln mit externer Hardware, die früher als unerschwinglicher Luxus gehandhabt wurde. Dazu gehören etwa die Capture-Karten von Elgato, mit denen man mühelos seine Playstation-5-, Xbox-Series-X- oder Nintendo-Switch-Spiele aufzeichnen oder streamen kann.

Seit 2016 gibt es zudem die ersten VR-Brillen für den Massenmarkt, vorangetrieben durch die Oculus Rift und die HTC Vive. Die VR-Technologie fühlt sich wie herrlich spannendes Neuland an, und hat noch genügend Luft nach oben zu bieten. Sie erinnert wohlig an die Errungenschaften der 90er, in denen sich der Kauf eines neuen PCs noch richtig lohnte und spürbare Verbesserungen nach sich zog.

Ebenfalls erwähnenswert ist das Auftreten des Steam Decks von Valve: ein kompakter PC mit eigenem Display, der für die hauseigene Steam-Plattform optimiert ist und sich als ernsthafter Konkurrenz gegenüber Nintendos Switch aufstellen möchte. Freilich gab es schon vorher ähnliche PCs im Handheld-Format, beispielsweise die GPD-Win-Serie. Allerdings ist das Interesse an einer solchen Hardware durch das Steam Deck massiv gestiegen. Wer mit einem Kauf des Valve-Geräts liebäugelt, der muss mehrere Monate von der Reservierung bis zur Lieferung warten.

Somit lässt sich abschließend festhalten: Es hat sich in den letzten 40 Jahren einiges getan! Von grauen Kästen mit Piepstönen über dicke Tower-Gehäuse plus bunter SVGA-Grafik bis hin zu kompakten Notebooks und platzfressender VR-Hardware hat der PC viele Trends durchlebt und oft sogar vorangetrieben. Zwischendurch wurde immer mal wieder das Ende des Personal Computers vorhergesagt, beispielsweise wenn eine neue Konsolengeneration in den Startlöchern stand. Doch in Wahrheit haben neue Konkurrenten stets für Ansporn und neues Leben gesorgt, damit der PC stetig weiterwächst. Und allein deshalb spricht alles dafür, dass er auch die nächsten 40 Jahre seine Daseinsberechtigung als vielseitige Gaming-Plattform hat.

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