Outriders im Test, Seite 2
Test
Always-On-Pflicht, Serverprobleme, Inventar-Wipes und ein nicht wohlduftendes Blumenpaket voll anderer Bugs erschlug die erste Spielerwelle des Loot-Shooters Outriders von People Can Fly und Publisher Square Enix. Auch wir blieben davon keinesfalls verschont. Ob wenigstens das funktionierende Gameplay überzeugen kann, erfahrt ihr hier in unserem Test.
Durch die beinahe erbarmungslose Aimbot-Präzision der Gegner auf den höheren Weltstufen wird Aufmerksamkeit nochmal besonders benötigt. Übrigens: Wer schnell zum Endgame kommen möchte, kann dies ohne großen Nachteil auf niedrigeren Stufen schaffen. Je nachdem zu welchem Spielertyp man selbst neigt, ist das sogar zu empfehlen. Denn die wirklich gute Ausrüstung erwartet uns üblicherweise nämlich erst bei schwierigeren Missionen im Endgame. Der vorher erarbeitete Loot erscheint vor dem Hintergrund geradezu belanglos.
In diesem Artikel
Linearer Content in Häppchen
Wer sich schon seit längerem an Open-World-Games sattgespielt hat, darf sich gerne an Outriders wagen. Denn dort sind praktisch alle Orte absolut linear aufgebaut. Die 17 größeren und optisch recht verschiedenen Regionen der Hauptkampagne werden durch einen Szenenwechsel mit unserem Militärlastkraftwagen verbunden. Fahren, fliegen oder schwimmen ist nicht möglich.
Quelle: PC Games
Die verschiedenen Oberwelten werden durch unser Fahrzeug verknüpft. Ein Zurückreisen ist jederzeit eine Option und auch gefordert für manche Quests.
Was dagegen möglich ist, ist das nachträgliche Anpassen des Protagonisten (Geschlecht ausgenommen) und der verschiedenen Objekte wie das eigene Banner, die Emote-Auswahl und das Fahrzeug. Während hier die Optik problemlos eingestellt werden darf, gibt es bei den Ausrüstungsgegenständen leider kein Transmog-System. Dafür aber ein anderes, neugierig machendes Modifikations-Konzept.
Sowohl Kleidung als auch Waffen haben Mod-Slots, mit denen wir recht früh am Anfang rumexperimentieren dürfen. Modifikationsarten bekommen wir durch das Zerlegen der jeweiligen Gegenstandstypen. Mit abbau- und erfarmbaren Ressourcen wie Eisen, Leder und Splitter können wir jeweils ausschließlich einen Slotplatz selbst bestimmen. Wie viele Slots zur Verfügung stehen, hängt auch mit der Seltenheit der Items ab. Modifikationen teilen sich in drei Ränge auf, mit unterschiedlich starken Effekten wie Fertigkeitsverlängerung, prozentuale Erhöhung des Waffenschadens oder auch ein Einfrieren der Gegner beim Nachladen.
Quelle: PC Games
Jeweils ein Mod-Slot lässt sich einmalig von uns ändern. Gerade für Endgame-Builds unvermeidbar!
Besonders viel Spaß kann Outriders aber im Endgame machen, beim Verbessern und Sammeln passenderer Beute. Das maximale Charakter-Level ist zwar schon mit 30 erreicht, auf höheren Weltstufen und dem Endgame-Spielmodus der Expeditionen geht das Loot-Level aktuell aber bis 50. Apropos Endgame: Hier schlägt Outriders wieder wild in zweierlei Richtung. Einerseits ist der Spielspaß im Endgame wohl am höchsten - in der Gruppe noch mehr als alleine, andererseits gibt es massive Balancing-Probleme.
Bei den Expeditionen gilt es, den Level so schnell es geht zu beenden. Je nachdem, wie flott das letztlich erledigt wurde, bekommt man nämlich unterschiedliche Bewertungen in Gold, Silber und Bronze und dementsprechende Loot-Drop-Chancen. Soweit klingt auch alles prima. Nur kommt es in Zufallsgruppen wohl häufiger vor, dass im Vergleich schwächere Klassen wie der Verwüster entfernt oder gar nicht erst mitgenommen werden. Anstatt hier an der Stelle die schwächeren Klassen und Builds zu buffen, setzt der Entwickler lieber auf Nerfen stärkerer Builds. Der Großteil der Community war davon nicht gerade positiv angetan.
Quelle: PC Games
Der Endgame-Content wird durch Expeditionen bestimmt. Durch die neuen Zeit-Missionen bekommen wir eine ganze Palette an Herausforderungen gestellt.
Spielspaß und Frust gemeinsam erleben - der Koop Modus
Outriders lässt sich nach dem Prolog jederzeit gemeinsam spielen. Mit Anpassen der Weltstufe lässt sich die Schwierigkeit auch deutlich angenehm runter- oder hochskalieren. Einen Chat gibt es nicht, dafür aber eine Voice-Talk-Funktion. Cutscenes werden gemeinsam angesehen, können aber, wenn alle sich einig sind, auch übersprungen werden. Der Fortschritt der Story sowie die Regionen lassen sich auch teilen, damit man während der laufenden Session gemeinsam spielen kann. So ließe sich ein frischer Charakter theoretisch zum Endboss porten und hätte alle Regionen freigeschaltet. Charakter-Level sind davon zwar nicht betroffen, allerdings lassen sich im Lager Ausrüstungsgegenstände unter den eigenen Charakteren teilen, wobei hier Item-Levelbegrenzungen zu beachten sind. Ein Item-Tausch unter Spielern ist dagegen nicht möglich.
Quelle: PC Games
Bei humanoiden Gegnern treffen wir immer wieder auch auf Spezialisten wie den Heavy-MGs, Scharfschützen und den übernatürlichen Veränderten.
Wenig überraschend macht die Story und alles andere mit Freunden mehr Laune. In manchen Zwischensequenzen sieht man nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitspieler sowie deren Fahrzeuge. Im Gefecht stellt sich praktisch automatisch eine Art Rollenverteilung ein. Ob jetzt Mini-Bosse, kleinere Mobs oder Regionsriesen, gemeinsam kommt Freude auf.
Ecken und Kanten des Spiels
Was uns wieder zum Anfang des Tests zurückführt. Technische Mängel werden im Koop-Modus leider nochmal verstärkt deutlich. Nicht, weil das Gameplay sonderlich anders wäre als solo, sondern weil es auch bei der geringen Spielerzahl von maximal drei Leuten zu wiederholten und nervigen Spielabstürzen und Bugs kommt. Ladehänger, Verbindungsabbrüche, verschwundene Quest-Belohnungen, unsterbliche oder nicht erreichbare Gegner, Mikroruckler; die Liste könnte ellenlang fortgeführt werden.
Auch grafisch haut Outriders uns nicht gerade aus den Socken. In unserer getesteten PC-Version fiel die Unschärfe in FullHD-Auflösung negativ auf. Die hübsche Optik entfaltet viel mehr in 4K ihre Flügel. Steife Animationen und Gesichter werden vom potentiellen Upscaling auch nicht gerade flüssiger und auch gelegentliche Mikroruckler treten hin und wieder auf. In der Hinsicht kann man höchstens von Durchschnitt sprechen, was für ein Spiel auf diesem Preisniveau ein wenig enttäuscht. Die Musik wiederholt sich relativ oft, macht allerdings trotzdem Laune und passt stilistisch gut zum ganzen Action-Film-Feeling. Die Waffensounds sind weder sonderlich hörenswert, noch störend, viel mehr irgendwo im Mittelmaß-Feld.
Quelle: PC Games
Unser Protagonist wird durchweg wie ein Held im Action-Blockbuster inszeniert. Eine große charakterliche Entwicklung braucht man in der Story nicht zu erwarten.
Beim Thema der Sprachausgabe wird wieder gefühlt Zuckerbrot und Peitsche seitens der Entwickler ausgeteilt. Warum? Weil Outriders einerseits mit stolzen neun Vollvertonungen aufwartet. Die verschiedenen Sprachen sind zwar vertreten und alleine das Vorhandensein ist ein dicker Pluspunkt. Das Problem daran ist nur wieder die technische Umsetzung: Mal passt die Länge des Gesprochenen nicht, mal ist der ganze Dialog um eine gute Sekunde verzögert. Die Sprachausgabe selbst ist zwar recht gut, aber wenn die Synchronität fehlt, kommt neben tiefen Seufzern vor allem Frust auf.
Mittelmäßiges Game-Design?
Daneben gibt es manche Design-Entscheidungen, die eher für Fragezeichen sorgen. So setzt bei jedem Ortswechsel, also auch innerhalb einer Region, eine Schwarzblende ein, gefolgt von einer kurzen Sprung-/Kletter-/Öffnungs-Animation, und einer weiteren Schwarzblende. Auf Dauer keine schöne Lösung. Vor allem, da die Welt dahinter problemlos dargestellt wird, samt Collectables.
Quelle: PC Games
Loot lässt sich per Tastendruck auf Distanz aufsammeln. Wer lieber einzeln selektiert und direkt ausrüsten möchte, kann dies durch Anschauen machen.
Wir hätten uns eine Option gewünscht, diese Art von Zwischensequenzen dauerhaft zu überspringen. Wo wir gerade bei Springen und Designentscheidungen sind: Nicht alle überspringbar aussehenden Hürden sind es auch.
Mal kann man sich von einer Treppe fallen lassen, mal stört eine unsichtbare Wand und sorgt für den sicheren Spielertod. Die Standard-Tastaturbelegung kann ohne Umstellung schnell durcheinanderbringen, da beispielsweise Springen auf STRG und Ducken auf Space liegt. Ein automatisches Aufsammeln des gesamten Loot ist per Tastendruck möglich, eine automatische Option gibt es ebenfalls, die schustert euch den Loot aber erst am Ende eines Gebietes zu. An der allgmeinen Controllerbelegung für Konsolenspieler ist im Vergleich dazu hingegen nichts auszusetzen.
Quelle: PC Games
Dialoge geben oft Nebeninformationen. Zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber noch in Ordnung. Wichtiger sind viel mehr die Handels- und Anpassungsmenüs bei den Key-NPCs.
Die Interaktion bei NPCs beschränkt sich auf Handel und lineare Dialoge. Echte Entscheidungen gibt es keine. Zwar wird in seltenen Fällen suggeriert, wir hätten eine Wahl, aber Pustekuchen! Die einzige Entscheidungsfreiheit ist die Option, Nebenquests auch gepflegt zu ignorieren. Zumindest im Endgame empfiehlt es sich jedoch, diese abzuschließen, da attraktive Belohnungen winken. Übrigens auch dann, wenn man in einer Quest-Kategorie bereits alles beendet hat. Notwendige Verbesserungen, Typänderungen und Modifikationen von Ausrüstungsgegenständen können zudem schnell und einfach im Menü über befreundete NPC-Charaktere vorgenommen werden.
Quelle: PC Games
Legendaries und sonstiger hübscher Loot laden zum Weiterspielen ein.
Outriders wurde am 1. April für die PlayStation 4/5, die Xbox One/Series X/S, Google Stadia und den PC veröffentlicht. Ein Upgrade zur Next-Gen-Variante ist kostenlos. Wieder eine Stolperfalle: Crossplay ist zwar möglich, sorgt aber aktuell noch für wiederholte Verbindungsprobleme. An der Stelle sei noch lobend die Outriders Demo erwähnt. Wer sich selbst ein Bild vom Gameplay machen möchte, kann sich an der Demo ausprobieren. Ein Ersteindruck ist auch empfehlenswert, gerade bei dem Vollpreis-Schild. Im PlayStation Store stehen für die Demo-Version 25 Cent an, für alle anderen Plattformen ist die Probeversion kostenlos spielbar.
