Outriders im Test: Bugs, Crashes und ein Shooter zwischen Hass und Liebe

Test Richard Engel Philipp Sattler
Outriders im Test: Bugs, Crashes und ein Shooter zwischen Hass und Liebe
Quelle: Square Enix

Always-On-Pflicht, Serverprobleme, Inventar-Wipes und ein nicht wohlduftendes Blumenpaket voll anderer Bugs erschlug die erste Spielerwelle des Loot-Shooters Outriders von People Can Fly und Publisher Square Enix. Auch wir blieben davon keinesfalls verschont. Ob wenigstens das funktionierende Gameplay überzeugen kann, erfahrt ihr hier in unserem Test.

Nach Destiny, Anthem und gefühlt hunderten anderen Ablegern des Loot-Shooter-Genres versucht sich nun auch Square Enix mit Outriders am Konzept. Dass es nicht leicht ist, aus der grauen Masse herauszustechen, dürfte nach dem Scheitern und der kürzlichen Einstellung Anthems deutlich geworden sein. Grafik allein reicht auch heutzutage nicht aus, um in einem Genre zu überzeugen, welches besonders auf das Endgame setzt. Outriders versucht sich trotz allem im Schatten gescheiterter Konkurrenz-Vorgänger mit Story-Fokus zu behaupten und erfreulicherweise ganz ohne Live-Service. Doch gerade die wichtige Release-Phase lässt besonders negativ von sich hören.

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Technik mit Schluckauf

Wer sich in freudiger Erwartung zu Release den Vollpreis-Titel gekauft hat, könnte bitter enttäuscht worden sein. Serverprobleme machten vielen Spielversuchen einen Strich durch die Rechnung. Denn Outriders setzt, obwohl eigentlich nicht zwingend notwendig, auf eine Always-Online-Verbindung. Spieler, die ausschließlich alleine die Kampagne durchspielen möchten, sind also genauso ausgeschlossen, wie die Multiplayer-Interessierten.

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Der anfängliche Ansturm genügte anscheinend, um die Kapazitäten völlig auszulasten. Die Glücklichen, die nicht betroffen waren, durften sich der nächsten technischen Hürde stellen: Game-Crashes beim Start, im Menü, beim Abgeben von Quests und sonstigen Aktivitäten. Teilweise kam es sogar zu Inventar-Wipes, und das, wo gerade das Sammeln von Gegenständen im Loot-Shooter Kern der Sache ist. Entwickler und Publisher versprachen zwar selbstredend Besserung. Aber diese Art von Besserung braucht Zeit. Zeit, in der Spieler mit den Krankheiten der Software leben müssen. Zwar werden immer wieder kleinere und größere Patches veröffentlicht, doch der technische Unterbau von Outriders bleibt schlicht unfertig und ungeschliffen, und das wahrscheinlich für längere Zeit.
Die Charaktererstellung ist sehr schlicht gehalten, funktioniert aber trotzdem gut genug. Einen Cyberpunk-Editor braucht es da auch nicht. Quelle: PC Games Die Charaktererstellung ist sehr schlicht gehalten, funktioniert aber trotzdem gut genug. Einen Cyberpunk-Editor braucht es da auch nicht. Geradezu unwichtig erscheinen da Kleinigkeiten wie die Charakter-Erstellung zu sein. Sowohl als weiblicher als auch als männlicher Protagonist haben wir jeweils acht vorgefertigte Gesichter zur Auswahl und können diese grob mit Narben, Make-up und Piercings schmücken. Einen Cyberpunk-Editor braucht das Spiel ehrlicherweise auch nicht. Zwar können wir unseren Helm im Menü verstecken und in Cutscenes sind wir immer zu sehen, aber die meiste Zeit über erkennen wir auf dem Bildschirm sowieso nur Gegner im Blutgemetzel, auch ohne Ego-Perspektive. Etwas mehr Freiheit diesbezüglich wäre schön gewesen, aber das hätte den Braten auch nicht mehr fett gemacht.

80er-Jahre Actionfilm-Story lässt grüßen

Das Setting von Outriders (jetzt kaufen 17,82 € ) ist zwar simpel, die Inszenierung der Geschichte und der Charaktere lassen uns als Spieler aber oft nur peinlich berührt zurück. Augenverdrehende One-Liner und völlig irrsinnige Comic-Buch-Bösewichte - selbstverständlich mit Schurken-Klischee-Cape - geben sich in Outriders permanent die Klinke in die Hand. Nicht viele der dargestellten Charaktere im Spiel wirken menschlich, stattdessen werden uns überzeichnete Karikaturen serviert. Wer sich mit der imposant vorgestellen Story auseinandersetzt, wird sich dem Eindruck nicht entziehen können, dass kaum etwas wirklich Sinn ergibt. Und damit sind nicht die hübschen übernatürlichen Fähigkeiten und die Welt gemeint, sondern eher alles andere.
Anfangs scheint noch alles friedlich zu sein. Mit Sonnenbrille statt Schutzausrüstung stapfen wir frohen Mutes durch einen fremden Alien-Dschungel. Quelle: PC Games Anfangs scheint noch alles friedlich zu sein. Mit Sonnenbrille statt Schutzausrüstung stapfen wir frohen Mutes durch einen fremden Alien-Dschungel. Ein Beispiel braucht man nicht lange suchen. Im Story-Einstieg heißt es zunächst: Die Erde ist zerstört. Die Menschheit hat es geschafft, den Planeten völlig zu verschleißen. Ein Überleben ist dort nicht mehr möglich. Zwei Weltraum-Schiffe mit hunderttausenden Insassen, die Flores und die Caravel, wurden zum vermeintlichen Paradies-Planeten Enoch geschickt, um dort das Überleben der Menschheit zu sichern. Die Caravel wurde zerstört, die Flores, in der unser Protagonist sich als Ersatz-Söldner befindet, kam unbeschädigt an. Soweit so gut. Noch ehe sämtliche Passagiere aus dem Kälteschlaf geweckt werden, soll die Söldner-Einheit der Outriders sicherstellen, dass keinerlei Überraschungen und Gefahren auf den Rest der Kolonisten warten. Gesagt, getan. Wir machen uns also mit unseren Kollegen und Wissenschaftlern auf, den neuen Planeten zu erkunden.

Alien-Planet, mysteriöse, levitierende, schwarze Substanz? Natürlich greift man da beherzt als Top-Wissenschaftlerin rein!  Quelle: PC Games Alien-Planet, mysteriöse, levitierende, schwarze Substanz? Natürlich greift man da beherzt als Top-Wissenschaftlerin rein!  Und natürlich machen wir das als Elite-Soldaten mal mit Helm, aber auch mal ohne. Wir stapfen fröhlich mutig einfach so in ein levitierendes, schwarzes Glibberzeug, atmen es genüsslich ein und lächeln über offensichtlich krepierende Söldner. Und klar, wie sollte es anders sein, packt die führende Wissenschaftlerin beherzt in die offensichtlich giftige Substanz. Wahrscheinlich um eine Geschmacksprobe zu nehmen, was sonst? Unser eigener Charakter ist zwar nicht ganz so extrem dämlich, schließlich halten wir die Wissenschaftlerin heldenhaft davon ab, in das unbekannte Schwarze ohne Schutzausrüstung zu packen, aber wir als Spieler können über unser Alter Ego auch zeitweise nur den Kopf schütteln.

Als One-Line-Maschine denken auch wir nicht an Vorsichtsmaßnahmen wie einen Helm oder sonstiges, zumindest nicht am Anfang. Einfach rein, passt schon. Es kommt nach dem schwarzen Etwas im Dschungel zu einer Art übernatürlichen Sturm. Unser Team erleidet hohe Verluste, doch wir können gerade so entkommen. Nun könnte man meinen, die Einheit der Soldaten konnte absolut vorbildlich feststellen, dass der Planet alles andere als bewohnbar und sicher für hunderttausende Menschen ist. Problem daran ist nur, dass das befehlshabende Oberhaupt der Mission lächerlich überspitzt und kindlich böse, trotz allem doch grünes Licht gibt und anordnet, dass sich die Söldner-Gruppe aufgrund einer Kontamination mit dem Glibber gegenseitig abmurkst.
Wirklich normale, menschliche Charaktere kommen uns in Outriders selten unter. Stattdessen bekommen wir Action-Film-Bösewichte und Helden, One-Liners inklusive. Quelle: PC Games Wirklich normale, menschliche Charaktere kommen uns in Outriders selten unter. Stattdessen bekommen wir Action-Film-Bösewichte und Helden, One-Liners inklusive. Es kommt also zum Kampf. Wir setzen uns zwar durch, aufhalten können wir die Ankömmlinge aus dem Orbit allerdings nicht mehr. Im Chaos des Gefechts werden wir verletzt und erneut in einen Kälteschlaf versetzt, bis wir irgendwann in Zukunft von unseren Verletzungen und potentiellen Krankheiten geheilt werden können.

Der eigentliche Start des Gameplays beginnt ab dem Zeitpunkt des Aufwachens. Verwirrt stellen wir fest, dass wir nicht einige Wochen oder Monate geschlafen haben, sondern ganze 30 Jahre. Unverletzt treffen wir auf ein riesiges Kriegsfeld, werden gefangengenommen und bekommen einen kleinen Eindruck der Konsequenzen der bescheuerten Entscheidung, den Planeten als sicher zu deklarieren. Blutrünstige Rebellen und Sklavenhändler kämpfen gegen Überbleibsel der ursprünglichen ECA-Organisation, übernatürliche sowie beinahe unsterbliche Mutanten treiben ihr Unwesen und kochen mehr oder weniger ihr eigenes Süppchen und wir sind mitten drin.
Kaum sind wir aus dem Kälteschlaf im Prolog aufgewacht, werden wir gefangengenommen und durch ein Kriegsgebiet geschleift. Quelle: PC Games Kaum sind wir aus dem Kälteschlaf im Prolog aufgewacht, werden wir gefangengenommen und durch ein Kriegsgebiet geschleift. So viel sei verraten, im späteren Spielverlauf sinkt der Fremdscham nicht nur, weil die Geschichte besser wird, sondern auch, weil wir uns ans Setting gewöhnen. Im Verlauf der Hauptstory sammeln wir verschiedene Freunde und bahnen uns einen Weg durch Kriegswüsten und Wälder auf dem Planeten Enoch. Dabei verfolgen wir ein mysteriöses Signal, in der vagen Hoffnung, wenigstens irgendetwas zu finden. Wer eine tiefgründige Story sucht, wird sie in Outriders nicht unbedingt finden. Auch wenn diese mühevoll mit vielen Cutscenes und Dialogen ausgearbeitet wurde.

Wimmelsuche in Schlangenlevel

Sammelmeister dürfen sich in Outriders austoben. Unter den Collectables finden sich Notizen, Tagebucheinträge, Quest-Gegenstände und auch Charakter-Kodex-Seiten.  Quelle: PC Games Sammelmeister dürfen sich in Outriders austoben. Unter den Collectables finden sich Notizen, Tagebucheinträge, Quest-Gegenstände und auch Charakter-Kodex-Seiten.  Wer sich dagegen gerne in geradlinigen Schlauchlevels nach Collectables suchen sieht, der darf sich schon eher freuen. Kleinere Tagebucheinträge, Notizen und Gegenstände lassen sich an bestimmten Orten finden und sammeln, samt Lore-Hintergründen. Nicht alle davon sind questgebunden. Questgeber wie die Historikerin, der Jäger-Barkeeper oder der Hitman geben uns vor, welche Items oder Personen gesucht werden. Es liegt dann an uns, in den Nebengassen einer Region auf die Suche zu gehen oder diese Aufgaben komplett zu ignorieren. Quest-Ziele lassen sich theoretisch problemlos anpingen, sodass die Route dahin in der Spielwelt selbst angezeigt wird. Theoretisch. Denn das Anpingen hängt sich sehr gerne auf und führt uns auf eine falsche oder alte Fährte.
Innerhalb einer Oberwelt gibt es weitere Nebengassen. Die Schnellreise über die platzierten Banner erleichtert das Questen. Quelle: PC Games Innerhalb einer Oberwelt gibt es weitere Nebengassen. Die Schnellreise über die platzierten Banner erleichtert das Questen. In welcher Kampfweise wir die Quest-Ziele erfüllen, hängt dabei von unserer Klassen- und Waffenwahl ab. Nach dem bereits erwähnten Prolog haben wir die Qual der Wahl zwischen vier Klassen, mit unterschiedlichen Ausprägungen bei Kampfdistanz, Fertigkeiten und Heilungs-System.

Wahl der Qual bei der Spielweise?

Grundlegend spielen sich alle Klassen insofern ähnlich, dass man durch ausgeteilten Schaden heilt. Unterschiede gibt es in der Form des notwendigen Schadens. Als Verwüster heilen wir uns beispielsweise durch sterbende Gegner in unserer direkten Nähe. Zwangsläufig ändert sich daher auch die Distanz zu den Gegnern. Der Verwüster ist als Tank-Klasse eingestuft und auf kurze Reichweite beschränkt. Der Assassine ist zwar ebenso auf kurze Reichweite getrimmt, erhält aber weniger HP und dafür einen Schild. Leichter hat es da der Technomant, der generell einen Teil des Schadens in Leben umwandelt, unabhängig der Distanz, weshalb diese Klasse auch eher zum Scharfschützengewehr neigt. Der Pyromant heilt sich durch Tötungen mit seinen Flammen-Fähigkeiten und bleibt auf mittlerer Reichweite.
Der Technomant baut auf Gadgets, Ablenkung und Unterstützung. Gerade für Solo-Anfänger empfehlenswert. Quelle: PC Games Der Technomant baut auf Gadgets, Ablenkung und Unterstützung. Gerade für Solo-Anfänger empfehlenswert. Egal welchen Weg man einschlägt, die Gadget-Fähigkeiten des Technomanten, die Zeit-Raum-Verzerrung des Assassinen, die Inferno-Wunder des Pyromanten oder die schutzgebenden Erdfertigkeiten des Verwüsters, belohnt wird anfangs vor allem aggressives Spielverhalten. Zwar lassen sich dann nochmal drei Fähigkeits-Richtungen in den Skill-Trees verbessern, die Klasse selbst lässt sich einmal ausgewählt aber nicht mehr ändern. Wer eine andere Klasse ausprobieren möchte, muss einen neuen Charakter erstellen. Immerhin: Der Prolog lässt sich nach dem ersten Spielen überspringen, man bekommt direkt die Klassenwahl. Etwas mehr Tiefe bekommen die Klassen und ihre Tech-Trees noch durch die acht Klassenfertigkeiten, aus denen wir je drei aktiv haben können, um unseren Build perfekt abzurunden. Zu den Fertigkeiten zählen unter anderem platzierbare Geschütztürme, Schutzschilde, Zeit-Raum-Blasen, Feuertornados und weitere spaßig aussehende Superkräfte.
Jede Klasse hat ihren eigenen Skill-Tree. Welche Verknüpfungen wir auswählen, ist problemfrei von uns bestimmbar. Das Zurücksetzen kostet nichts.  Quelle: PC Games Jede Klasse hat ihren eigenen Skill-Tree. Welche Verknüpfungen wir auswählen, ist problemfrei von uns bestimmbar. Das Zurücksetzen kostet nichts.  Auch wenn die Klassen-Skill-Trees alle recht ähnlich anmuten, lässt sich problemfrei experimentieren und ausprobieren. Die Punkte sind jederzeit ohne notwendige Ressourcen zurückzuerlangen und neuverteilbar. Löblich!

Zwei Seelen schlagen in des Gameplays Brust

Aggressivität bringt nicht nur einen höheren Damage-Output mit sich, sondern heilt auch. Auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden sorgt das dafür, dass man sich wie ein Superheld durch die Massen an Gegnern schnetzelt, sich keine Sorgen machen muss und abschaltet. Das kann natürlich seine ganz eigene Komik und auch Spielspaß mitbringen. Der interessante Clou bei Outriders sind in dem Kontext die 15 Weltstufen. Jede Stufe bringt mehr Boni, besseres Loot und schwierigere Gegner. Freigeschaltete Weltstufen sind frei wählbar. Höhere Stufen werden durch die Benutzung der höchstmöglichen Weltstufe Stück für Stück erfarmt. Quelle: PC Games Freigeschaltete Weltstufen sind frei wählbar. Höhere Stufen werden durch die Benutzung der höchstmöglichen Weltstufe Stück für Stück erfarmt.

Da wird aus dem ursprünglichen Superheld-Gameplay schnell ein Deckungsspiel mit Bullet-Sponges. Wer zu schlechte Ausrüstung oder kein wunderbar funktionierendes Klassen-Build hat, stirbt da auch flott. Das schöne daran ist die Optionalität. Niemand ist gezwungen, ständig auf der aktuell freigespielten Weltstufe zu spielen, man kann jederzeit auf eine niedrigere Stufe wechseln. An der Stelle muss erwähnt werden, dass das Deckungs-System nicht gerade flüssig verläuft. Gerade im Gefecht sucht sich unser Protagonist gerne an falscher Stelle Schutz, was rasch zum Tod führen kann.

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