Outriders in der Vorschau: Tolles Shooter-Gameplay in fragwürdiger Verpackung

Special David Benke
Outriders in der Vorschau: Tolles Shooter-Gameplay in fragwürdiger Verpackung
Quelle: PC Games

Eigentlich sollten wir schon längst die Vollversion von Outriders spielen. Der Release des Loot-Shooters war nämlich bereits für den 2. Februar geplant. Corona-bedingt musste Entwickler People Can Fly den Termin allerdings auf den 1. April verschieben, lieferte gleichzeitig aber immerhin ein kleines Trostpflaster: Um uns die Wartezeit zu vertreiben, gibt's eine Demo, mit der wir uns bereits vorab ein Bild machen konnten, was uns die Bulletstorm-Macher hier als nächstes kredenzen.

Die Erde wie wir sie kennen gibt es nicht mehr. Jahrzehnte der Misswirtschaft, des Raubbaus, der Dekadenz haben unseren blauen Planeten in einen unbewohnbaren Flecken Ödland verwandelt. Hier hat die Menschheit keine Perspektive mehr. In einem letzten Akt der Verzweiflung sucht eine Gruppe Auserwählter daher ihr Glück in den Sternen: Eine 80-jährige Space-Odyssey zur neuen Wahlheimat Enoch soll die Rettung sein. Hier will man von Neuem beginnen, es dieses Mal alles richtigmachen. Nur leider hat der Planet da andere Pläne....

Das hätte die Geschichte von Outriders (jetzt kaufen 17,82 € ) sein können: ein halsbrecherisches Pionierabenteuer auf einem lebensfeindlichen Planeten, dessen mysteriöse Anomalien die eine Hälfte aller Siedler in der Luft zerfetzt, die andere in mutierte Freaks verwandelt. Ist sie aber nicht. Stattdessen schmeißen euch die Entwickler nach gerade einmal 30 Minuten Prolog, in denen ihr grob die Steuerung und ein paar Schlüsselcharaktere kennenlernen durftet, in einen plötzlichen Cryo-Schlaf. Zack, 30 Jahre Zeitsprung! Und als ihr wieder aufwacht, ist von den aufregenden Dschungeln und fantastischen Alien-Kreaturen keine Spur mehr übrig. Enoch präsentiert sich als ein grau, braunes Drecksloch. Ein potthässlicher Einheitsbrei aus verrosteten Stahlstrukturen, schlammigen Schützengräben und improvisierten Wellblechhütten. Einzigartiges Setting? Frischer Look? Fehlanzeige!

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Sinnlos im Weltraum

Der Charaktereditor von Outriders ist recht überschaubar. Es gibt ein paar Frisuren und Bärte, Narben und Schmuckstücke, die ihr frei kombinieren dürft. Quelle: PC Games Der Charaktereditor von Outriders ist recht überschaubar. Es gibt ein paar Frisuren und Bärte, Narben und Schmuckstücke, die ihr frei kombinieren dürft. Das ist eines der größten Versäumnisse, die man Outriders ankreiden kann. Die Geschichte und die Welt des Loot-Shooters wirken absolut generisch. Eine klare Identität, ein außergewöhnliches Konzept sucht man vergebens. Und auch in Sachen Erzählung bleiben einige Wünsche offen. Noch vor wenigen Monaten kündigten die Macher an, man plane eine "erwachsene" Spielerfahrung abzuliefern. "Mit Bulletstorm haben wir bereits ein Spiel gemacht, das einen etwas lustigeren Ton anschlägt", erklärte Szymon Barchan, Lead Narrative Designer bei People Can Fly, im Interview mit VG247. Jetzt wolle man zeigen, dass man auch ernste Themen behandeln könne. Von diesem Bestreben ist in der Demo jedoch nicht mehr viel zu sehen. Outriders erinnert vielmehr an Gears of War und Konsorten: Überzeichnete coole Typen in Lederjacke und Sonnenbrille erleben wilde Weltraumabenteuer. Typen, die erst schießen und dann Fragen stellen, die prügeln, saufen und Penis-Witze erzählen.

Exemplarisch dafür ist eine Szene im Verlauf der Quest "Ein schlechter Tag". Mit versteinerter Miene verfolgt unser Protagonist hier, wie ein Händler keine zwei Meter neben ihm kaltblütig ermordet wird. Nur um sich dann darüber zu beschweren, dass dieser ihm gerade die guten Waren zeigen wollte. Das hat beinahe B-Movie-Charakter. Dazu passt auch die teils schwer zu ertragende deutsche Vertonung, die 80er-Jahre-Porno-Synchro Konkurrenz machen könnte. Charaktere wirken absolut fehlbesetzt oder tragen ihren Text vollkommen lustlos vor. Dass euch die im weiteren Missionsverlauf gerettete Jungfrau in Nöten nach den Worten "Na hallo. Hatte gehofft, dich hier nochmal wieder zu sehen" nicht in ihr Hinterzimmer einlädt und eine furchtbare Sexszene im Stil von Ride to Hell: Retribution triggert, überrascht da schon fast.

Insgesamt ist die Präsentation von Outriders eher mäßig. Besonders, wenn man bedenkt, dass der Titel auch für PlayStation 5 und Xbox Series X erscheint. Gesichter wirken statisch, manche Animationen beinahe mechanisch. Gerade auf Old-Gen-Konsolen müsst ihr euch auf matschige Texturen, Pop-ins und Framedrops einstellen. Ein besonderes Schmankerl sind auch die Cutscenes, die bei uns eigentlich nie fehlerfrei laufen wollten: Mal gab es Ton-Probleme, mal endete die Sequenz zu früh, sodass Teile des Dialogs einfach abgeschnitten wurden. Manchmal gab es ein paar Sekunden Schwarzbild, bevor überhaupt etwas passierte. Und dann erst diese verdammte Shaky Cam! Warum das Bild in Outriders so herumwackelt, als leide der Kameramann an einem bösen Fall von Parkinson, bleibt ein echtes Rätsel.
Outriders bietet euch in einigen Gesprächen zwar die Wahl aus unterschiedlichen Dialogoptionen. Einen Unterschied macht eure Entscheidung aber nicht. Quelle: PC Games Outriders bietet euch in einigen Gesprächen zwar die Wahl aus unterschiedlichen Dialogoptionen. Einen Unterschied macht eure Entscheidung aber nicht.

Hirn aus, es wird geballert

Daher unser Tipp: Ignoriert am besten die Geschichte, die Dialoge und die Lore - die könnt ihr später immer noch im Ingame-Kompendium nachlesen. Schaltet stattdessen lieber das Hirn aus und haltet einfach drauf. Unter der dreckigen Fassade von Outriders versteckt sich nämlich immer noch ein durchaus unterhaltsamer Action-Shooter. Die Entwickler von People Can Fly tischen euch auch hier wieder das Gameplay auf, das Bulletstorm bereits so toll gemacht hat. Die Waffen klingen markig, sie steuern sich gut und sie sorgen für den gewünschten Knalleffekt: Dank Zerstückelungsfeature fliegen hier Blut und Gedärme durch die Gegend, als wären es Kamelle an Karneval. Köpfe platzen, Gegner fallen vom Blitz getroffen zu einem traurigen Häufchen Knochen zusammen oder brutzeln unter Hitze eines Flammenwerfers. Das macht auf eine perfide Art und Weise schon Laune. Zumal dieser Realismus-Verzicht auch in anderen Bereich durchgezogen wird: Bei Scharfschützengewehren müsst ihr beispielsweise keinen Bullet Drop miteinberechnen oder euren Atem anhalten, wenn ihr auf die Distanz das Fadenkreuz ruhig halten wollt.

Outriders hält sich in Sachen Gewaltdarstellung wirklich nicht zurück. Ein bisschen Blut gehört da beinahe noch zu den harmloseren Dingen. Quelle: PC Games Outriders hält sich in Sachen Gewaltdarstellung wirklich nicht zurück. Ein bisschen Blut gehört da beinahe noch zu den harmloseren Dingen. Bei so viel Ballerspaß könnte man zeitweise fast vergessen, dass es in Outriders ja auch eine Deckungsfunktion gibt. Die umfasst die meisten Genre-Standard-Funktionen: Ihr könnt mit einer Rolle ausweichen, auf Knopfdruck hinter Objekten Schutz suchen oder zwischen mehreren Deckungen hin und her wechseln. Auch das blinde Feuern ist mit dabei. Einziger Wertmutstropfen: Die Bedienung des Cover-Systems ist teils etwas zickig, zudem fühlen sich die Figuren nicht ganz so mobil an wie beispielsweise in einem The Division 2. Ansonsten ist die Steuerung aber vollkommen in Ordnung, sowohl mit dem Gamepad als auch mit Maus und Tastatur. Wer will kann noch Zielhilfen zuschalten oder das Bedienschema individualisieren.

Dies ist mein Stolz, und da ist mein Gewehr!

Im Kampf selbst habt ihr die Wahl aus einer Primär-, einer Sekundär- und einer Handfeuerwaffe. Die fallen in unterschiedliche Gattungen vom Sturmgewehr über Maschinenpistolen bis hin zur Schrotflinte - entsprechend variieren die Werte in Sachen Zielgenauigkeit, Schaden, Magazingröße, Reichweite oder Nachladezeit. Manche Schießprügel sind sogar mit Modifikationen ausgestattet. Dann fügen eure Schüsse etwa Frostschaden zu oder ihr erhaltet beim Nachladen 50 Lebenspunkte für jeden Gegner, den ihr mit dem geleerten Magazin erledigt habt. Das bietet zusätzliche Optionen im Kampf.

Die Ausrüstung eures Charakters könnt ihr mit Hilfe von Crafting noch verbessern. Das Feature stand in der Demo aber leider noch nicht zur Verfügung. Quelle: PC Games Die Ausrüstung eures Charakters könnt ihr mit Hilfe von Crafting noch verbessern. Das Feature stand in der Demo aber leider noch nicht zur Verfügung. Darüber hinaus verfügt Outriders noch über ein Crafting-System, mit dem ihr Waffen verbessern und verändern könnt. Mit Rohstoffen wie Eisen oder Titan, die ihr in der Spielwelt findet, lassen sich die Seltenheitsstufe eines Gegenstandes anheben oder seine Attribute verbessern. Diese Anpassungsoptionen gelten natürlich nicht nur für Waffen, sondern auch für andere Gegenstände: Kopfbedeckungen, Handschuhe und Schuhe sowie Panzerung für Ober- und Unterkörper erhöhen so euren Rüstungswert und damit den Schadenswiderstand. Ein gewisser Rollenspiel -Anteil ist also auch mit dabei - besonders mit Blick auf die Lebensbalken und Schadenszahlen eurer Gegner.

Ich habe die Kraft!

Dazu passen dann auch die sogenannten Anomalie-Kräfte, die ihr eurem Spielercharakter verpassen dürft. Nachdem ihr den in einem rudimentären Editor zusammengebastelt habt, müsst ihr euch zu Spielbeginn für einen von vier Pfaden entscheiden, quasi die Klassen von Outriders. Hier stehen euch der Pyromant, der Assassine, der Verwüster und der Technomant zur Auswahl. Alle haben dabei verschiedene Vor- und Nachteile und eignen sich für unterschiedliche Spielstile. Wir haben uns in der Demo für den Technomant entschieden, der bislang noch nicht spielbar war und quasi die Support-Klasse darstellt: Er unterstützt Mitspieler mit Distanzangriffen und Gadgets, beispielsweise einem Geschütz oder eine Art FLAK-Kanone. Ausrüsten könnt ihr immer nur drei dieser Fähigkeiten, insgesamt stehen aber pro Klasse acht Stück zur Auswahl, die ihr mit fortschreitendem Rang freischaltet.

Mit Level-Ups steigert ihr nebenher auch noch eure maximale Gesundheit und schaltet Klassenpunkte frei, die ihr in einen weit verzweigten Skilltree investieren dürft. So könnt ihr euren Charakter in verschiedene Richtungen spezialisieren. Als Technomant habt ihr etwa die Spezialisierungen Pesthauch, Tech-Schamane oder Zerstörer zur Auswahl, die sich jeweils auf die Erhöhung von Waffenschaden, Anomalie-Kraft oder Lebenspunkten konzentrieren. Seid ihr mit eurer Ausrichtung nicht zufrieden, habt ihr jederzeit die Möglichkeit, eure ausgegebenen Skillpunkte zurückzusetzen. Außerdem erlaubt euch das Spiel, bis zu sechs verschiedene Charaktere zu erstellen, um frei mit verschiedensten Kombinationen zu experimentieren.
Im Fähigkeitenbaum von Outriders stehen euch pro Klasse über 50 individuelle Skills zur Auswahl. Seid ihr mit eurem Build nicht glücklich, könnt ihr eure ausgegebenen Punkte auch zurücksetzen. Quelle: PC Games Im Fähigkeitenbaum von Outriders stehen euch pro Klasse über 50 individuelle Skills zur Auswahl. Seid ihr mit eurem Build nicht glücklich, könnt ihr eure ausgegebenen Punkte auch zurücksetzen.

Game as no Service

Auch in Sachen Spielerfahrung bietet Outriders jede Menge Entscheidungsfreiheit: Per simplem Drop-in-Drop-Out-Prinzip könnt ihr euch mit bis zu zwei anderen Spielern im Koop zusammentun, wobei das Spiel Anzahl und Stärke der Gegner immer mit skaliert. Der Host darf zudem den Schwierigkeitsgrad für die Session frei festlegen, indem es sich für eine von 15 Weltstufen entscheidet. Je höher die Stufe, desto härter der feindliche Widerstand, desto wertvoller aber auch der Loot. So sollt ihr auch nach Ende der Story motiviert werden, bereits bekannte Missionen für bessere Belohnungen nochmal zu spielen. Neue Post-Launch-Inhalte wird es in Outriders nämlich nicht geben, in Ermangelung eines Game-as-a-Service-Modells. "Unser Plan war ein Spiel, das einen Anfang und ein Ende hat", erklärten die Entwickler. "Ein Live-Modell hätte bedeutet, den Content in mehrere Teile aufzuspalten. Das wollten wir nicht." Heißt: keine Events, oder Season-Pässe, im Umkehrschluss aber eben auch nur eine endliche Anzahl an Missionen und Schauplätzen.

Gauss, der abschließende Boss der Demo, ist ein Veränderter, der sich auf elektrische Kräfte spezialisiert hat. Passt auf, nicht von einem seiner Blitze getroffen zu werden! Quelle: PC Games Gauss, der abschließende Boss der Demo, ist ein Veränderter, der sich auf elektrische Kräfte spezialisiert hat. Passt auf, nicht von einem seiner Blitze getroffen zu werden! Outriders hat keine Open World, sondern besteht aus mehreren größeren Arealen, die per Schnellreise miteinander verbunden sind - Ladezeiten inklusive. Wenn ihr im Rahmen einer Nebenmission zum fünften Mal durch dasselbe Trümmerfeld lauft, könnte das also ziemlich schnell eintönig werden. Bereits in der Demo merkten wir kleine Abnutzungserscheinungen: Die Welt wirkte teils leblos und langweilig. Abgesehen von einem Bossfight gab es zudem nur menschliche Gegner. Hier hätten wir uns etwas mehr Varianz gewünscht. Vielleicht kommt diese ja im späteren Spielverlauf. Die kurze Sequenz am Ende des Test-Abschnitts teasert ja bereits außerirdische Monster und Biome an. Was uns in Outriders tatsächlich noch alles erwartet, werden wir aber wohl erst zum Release am 1. April erfahren. Dann erscheint der Titel zeitgleich für PC, PS4 und PS5 sowie Xbox One und Series X. Vom Start weg wird Crossplay zwischen den verschiedenen Plattformen unterstützt, der Spielfortschritt aus der Demo wird zudem ins fertige Spiel übernommen.

Meinung

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk