HD-2D - Square-Enix' Modernisierung des 16-Bit-Gefühls

Special Benjamin Kegel Sascha Lohmüller
HD-2D - Square-Enix' Modernisierung des 16-Bit-Gefühls
Quelle: Square Enix

Mit dem ersten Octopath Traveler etablierte Square Enix den mittlerweile patentierten HD-2D-Stil - wir blicken auf die Technik und die bisherigen Spiele.

Masashi Takahashi dazu: "Wir verwenden keine automatischen Systeme, zum Beispiel zum Angleichen des Schwierigkeitsgrades je nachdem, wie leicht oder schwer sich der Spieler tut. Natürlich können wir uns auf das Wissen und die Erfahrungen aus dem ersten Spiel verlassen, um diesen Sweetspot genau zu treffen, aber letztlich ist die Balance ein Ergebnis rigoroser interner Beta-Tests. Unser Qualitätstest-Team hat sich Octopath Traveler 2 deutlich länger gewidmet, als das für ein Standardprojekt der Fall gewesen wäre. Sie haben jede Iteration des Spiels bis in Detail ausprobiert und Feedback gegeben. Das machen wir so seit zehn Jahren, seit wir Bravely Default entwickelt haben."

Yasunori Nishiki sieht als Komponist eine ganz besondere Spielserie wie Octopath Traveler natürlich aus dem Blickwinkel eines Vollblut-Musikers: "Meiner Meinung nach können Pixelgrafiken nicht so detaillierte Gesichtsausdrücke (wie moderne 3D-Figuren) zeigen. Das überlässt die Gestik und Mimik der Charaktere zu einem Großteil der Fantasie der Spieler. Das bedeutet für mich auch, dass die Musik mehr Gestaltungsfreiheit hat. Man muss sich weniger Sorgen machen, dass die Soundkulisse von der Grafik ablenkt."

Nishiki weiter: "In 3D-Spielen funktioniert das oft nicht, da haben Tracks eher die Aufgabe, einzelne (Cut-)Szenen akustisch zu untermalen, statt das Flair des Spiels im Allgemeinen zu tragen. Dadurch erinnern sich aber Spieler auch besser an die Musik, als wenn sie die Tracks nur ein einziges Mal hören."

Octopath Traveler 2: Die Spielerfiguren laufen über einen Pier bei Nacht. Quelle: Square Enix Den letzten Satz sagt Nishiki mit einem charmanten Lachen. Und recht hat er damit - ich fange selbst heute noch bisweilen an, einfach mal Olberics Thema aus Octopath Traveler 1 spontan vor mich hin zu summen. "Insofern hat die Musik in Pixelgrafik-Spielen eigentlich mehr Freiheit - und den Spielern bleibt sie besser im Gedächtnis. Also denke ich, dass es viel Spaß macht, an solchen Projekten zu arbeiten."

Chris war erster

Ein kurioses kleines Detail insbesondere für Grafik-Nerds aus der Playstation-1-Ära: Das Grundkonzept der Mischung von 2D- und 3D-Inhalten gab es schon vor über 20 Jahren, damals aber umgekehrt. In den klassischen drei Resident-Evil-Teilen auf Sonys Konsolen zum Beispiel bewegten sich 3D-Polygoncharaktere - Helden, Monster, mehr oder wenige mobile Pflanzen - durch vorgerenderte Hintergründe.

Denn damals waren Konsolen noch bei Weitem nicht leistungsstark genug, um detaillierte Umgebungen in der Pracht darstellen zu können, die Capcom sich seinerzeit für diese legendären Horrortitel gewünscht hat.

Also wurden die einzelnen Locations von Raccoon City zunächst tatsächlich dreidimensional aufgebaut, dann jedoch gerendert - und damit zu detaillierten, aber zweidimensionalen Bildern umgewandelt.

In Resident Evil 1 bis 3 bewegen sich also dreidimensionale Charaktere vor einer zweidimensionalen Bühne, die mit transparenten Objekten Kollisionsabfragen simuliert - und schon wird aus dem eigentlich zweidimensionalen Schreibtisch als Teil der Hintergrundgrafik ein Gegenstand, durch den Leon nicht durchlaufen kann.

Das Konzept war so gut, dass Capcom es später sogar noch mal für das GameCube-Remake des ersten Teils und Resident Evil 0 ausgepackt hat.

Wilde Theorien zum Spaß haben

So, jetzt, wo wir die Idee und Technik hinter Square-Enix' unerwartetem Geniestreich und der damit einhergehenden Wiederbelebung des 16-Bit-RPG-Gefühls genauer betrachtet haben, schauen wir doch mal, was die Kollegen mit ihrem Rollenspiel-Diorama-Setzkasten bisher so anzufangen wussten: Im Juli 2018 erschien natürlich der Urvater der HD-2D-RPGs, Octopath Traveler 1 (Unser Test). Im März 2022 gab es mit Triangle Strategy Runde 2 des modernen 16-Bit-Lookalikes, diesmal leicht abseits des reinen Rollenspiel-Genres und mehr im Taktik-RPG verortet (Unser Test).

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