HD-2D - Square-Enix' Modernisierung des 16-Bit-Gefühls
Special
Mit dem ersten Octopath Traveler etablierte Square Enix den mittlerweile patentierten HD-2D-Stil - wir blicken auf die Technik, die bisher erschienenen Spiele und stellen uns die Frage: Ist dies der Anfang eines Trends?
Gerade eben erst ist mit Octopath Traveler 2 das neueste Spiel in Square-Enix' markantem HD-2D-Grafikstil erschienen - das gute Stück haben wir für euch natürlich auf Bits und Bytes getestet. Den Grundstein für diesen einzigartigen Look legte am 13. Juli 2018 aber das Original - an diesem Tag erschien vor nicht ganz fünf Jahren Octopath Traveler 1 weltweit für die Switch (und später auch noch für den PC). Und es war ein voller Erfolg - Stand jetzt hat sich das Rollenspiel über 2,5 Millionen Mal verkauft.
Das liegt sicher in erster Linie daran, dass Octopath Traveler 1 und 2 klasse Games sind - aber diese Tatsache ist nicht das, was einem bei den beiden virtuellen Abenteuern zuerst ins Auge springt. Diese Lorbeeren gebühren eben jenem HD-2D-Konzept - einem Grafikstil, bei dem 2D-Figuren und 3D-Hintergründe miteinander kombiniert werden. So erschaffen die Designer eine Atmosphäre, die stark an die goldene 16-Bit-Ära der Konsolen-Rollenspiele erinnert, dabei aber gleichzeitig spektakuläre Licht-, Wasser- und Partikeleffekte auffährt und vor allen Dingen unfassbar detailverliebte 3D-Spielwelten konstruiert.
Das Ganze hat etwas von virtuellen Dioramen, in die man regelrecht hineingesogen wird - insbesondere in Octopath Traveler 2 (jetzt kaufen 36,99 € ) hat man dank seiner clever eingesetzten Perspektivwechsel und Unschärfe-Filter das Gefühl, mitten in diese faszinierende Welt abzutauchen. Man steht nicht vor dem Diorama. Man bewegt sich vielmehr durch es hindurch.
Gewartet und für gut befunden
Wir wissen nicht genau, ob Square-Enix mit dem Erfolg dieses einzigartigen Grafikstils von Anfang an gerechnet hat. Was wir aber wissen, ist, dass der Spielentwickler sich im Januar 2019 knapp ein halbes Jahr nach Release von Octopath Traveler 1 die Begriffe "HD-2D" und "HD2D" hat markenrechtlich schützen lassen. Und das ja aus gutem Grund - seitdem sind mit
Triangle Strategy, Live A Live und unlängst Octopath Traveler 2 drei weitere Vertreter in diesem verdammt guten Look erschienen, mit denen Square-Enix in allen Teaser- und Trailer-Videos auch immer gerne Werbung macht.
Quelle: Square Enix
Offenbar ist man in Japan mit dieser optischen Renaissance der eigenen RPG-Tradition sehr glücklich. Mit den Verkäufen dann wohl auch. Da könnten wir uns doch glatt einige weitere Spiele aus dem reichhaltigen Fundus der legendären Rollenspiel-Schmiede vorstellen, insbesondere nachdem Live A Live die Remake-Pforten als Präzedenzfall geöffnet hat.
Doch immer schön der Reihe nach. Zunächst wollen wir uns mit den geschichtlichen und technischen Basics von HD-2D beschäftigen, um das Konzept besser zu verstehen.
Damals, vor langer, langer Weile
Rollenspiele - oder vielleicht eher Adventures - gehören mit zu den ältesten Videospielen überhaupt. Und das hat einen einfachen Grund, den jeder kennt, der schon einmal ein Soloabenteuer im Heftformat wie in Das Schwarze Auge erlebt hat: Diese Spiele funktionieren rein über Text. Die Bilder zum Erlebten werden der Vorstellungskraft des Nutzers überlassen, finden also allein vor dessen geistigem Auge statt.
Für Computerspielentwickler der 1970er- und frühen 1980er-Jahre hatten Adventures deswegen einen riesigen Vorteil - sie benötigten überhaupt keine Spielgrafik. Stattdessen erlebte man ein interaktives Abenteuer an der Tastatur, in dem der Computer einen vorgefertigten Text auf den Bildschirm schrieb, auf den der Mensch am Keyboard reagieren und Kommandos eingeben konnte. Dazu dann noch ne Meeeenge Fantasie, und zack - fertig ist die fast 50 Jahre alte Adventure-Software.
Bildergalerie
Die Ära zwischen 1975 und 1982 war eine superspannende Gründerzeit für Videospiele, über die ich hier allein ein eigenes Special schreiben könnte. Das würde aber wahrscheinlich die Umfangsgrenzen des Internets sprengen. Googelt bei sehr berechtigtem Interesse mal nach "Parser" und "VersaWriter" und habt viel Spaß beim Erkunden dieses faszinierenden Kaninchenbaus in seiner ganzen Tiefe.
