HD-2D - Square-Enix' Modernisierung des 16-Bit-Gefühls
Special
Mit dem ersten Octopath Traveler etablierte Square Enix den mittlerweile patentierten HD-2D-Stil - wir blicken auf die Technik und die bisherigen Spiele.
Im Juli 2022 folgte dann der große Überraschungskandidat, Live a Live (Unser Test). Der Titel ist hauptsächlich deswegen spannend, weil er ein Remake eines von Square-Enix' 16-Bit-Rollenspielen ist. Eines, das sich ziemlich schleppend verkauft hat noch dazu, was deswegen ein wenig danach aussieht, als hätten die Kollegen mit Live a Live getestet, wie die Resonanz unter den Spielern auf solche Neuveröffentlichungen älterer Titel ist. Live a Live - klasse Spiel! Und schließlich kam im Februar 2023 der aktuellste Vertreter seiner Zunft raus, Octopath Traveler 2: (Unser Test).
Nun fallen uns einige interessante Details auf. Zunächst mal: Square Enix produziert diese HD-2D-Spiele offenbar mit reichlich Schwung. Nach Octopath Traveler 1 war zwar erst mal vier Jahre Sendepause, in denen Square-Enix wohl den Test- und Verkaufserfolg seines HD-2D-Avantgardisten abgewartet hat. Aber als die Zahlen dann offenbar schön waren, ging so richtig die Wutz ab in Japan: Zunächst wurde HD-2D im Jahr 2019 patentiert, dann erschienen Triangle Strategy, Live a Live und Octopath Traveler 2 alle in einem Zeitraum von nur zwölf Monaten.
Und was für Spiele waren das? Ein Taktik-RPG (und damit eine leichte Genre-Abweichung von Octopath Traveler 1), ein Remake eines alten Square-Titels aus der SNES-Ära (noch dazu von einem Spiel, das sich eher schwach verkauft hat) und ein direkter Nachfolger des Gründervaters dieses neuen Grafikkonzepts.
Quelle: Square Enix
Das sieht schon sehr danach aus, als hätte Square-Enix Octopath Traveler 1 als erste Phase eines umfangreichen Testlaufs gestartet, um festzustellen, ob die Idee grundsätzlich gut ankommt, und ist jetzt gerade in der zweiten Phase, um herauszufinden, ob sich das Konzept weiter ausbauen lässt - und vor allem in welche Richtungen.
Erwartet uns in Zukunft die Vergangenheit?
Eine dieser drei Richtungen finde ich ganz besonders spannend: Remakes alter Square- und Enix-Rollenspiele gerade aus der 8- und vor allem 16-Bit-Ära, die HD-2D modern und erfolgreich neu interpretieren. Ich hätte da viele Ideen, keine davon überraschend, aber alle wert, dass man darüber schreibt und spricht.
Terranigma zum Beispiel. Da geht es schließlich um nicht weniger als die Neuerschaffung der Erde, was das SNES damals als Konzept visuell schon hart an die Grenzen seiner grafischen Leistungsfähigkeit gebracht hat. Man stelle sich vor, diese Idee trifft auf die modernen HD-2D-Möglichkeiten, die Square-Enix sich selbst gegönnt hat - ein Terranigma 2.0 könnte eine bemerkenswerte Erfahrung werden! Zeit wäre es, schließlich hat dieser Klassiker seit seinem originalen Release 1995 kein Remake mehr gesehen.
Zweifellos ganz weit vorn mit dabei ist aber Chrono Trigger. Eines der legendärsten, wenn nicht gar das legendärste SNES-Rollenspiel überhaupt.
Es wäre wie geschaffen für eine Neuauflage im frischen Look: Es bringt eine grandiose Geschichte mit, einprägsame Charaktere, zeitlos gute Musik, die ganz dringend eine orchestrale Neuinterpretation benötigt, und insbesondere sehr markante, immer einzigartige Spiel-, weil Zeitwelten.
Spannendes kleines Detail dabei: Am 27. Februar 2018 erschien Chrono Trigger als PC-Port für Windows-Rechner. Und zwar nur als PC-Port, satte neun Jahre nach der zuvor aktuellsten Version für den Nintendo DS. Warum gab es nicht auch eine Version für die Download-Portale der Spielkonsolen? Die sollten doch eigentlich die meisten potenziellen Käufer einer Chrono-Trigger-Version bieten?
Keine fünf Monate später erschien mit Octopath Traveler 1 dann der Urvater der HD-2D-Spiele. Zu diesem Zeitpunkt muss Square-Enix also bereits gewusst haben, dass sie eine neue Technik entwickeln, die sich super für Remakes aus der 16-Bit-Ära eignen würde. Und vielleicht wollte man sich kein mögliches Interesse der Konsolenspieler an einem HD-2D-Chrono-Trigger verbauen, indem man den PC-Port auch für Konsolen verfügbar macht. Mag eine gewagte Theorie sein, aber möglich und logisch wäre sie.
