Oblivion Remastered im Test: Pure Nostalgie in Edelgrafik - war das den ganzen Hype wert?

Test Felix Schütz
Oblivion Remastered im Test: Pure Nostalgie in Edelgrafik - war das den ganzen Hype wert?
Quelle: PC Games

Die Fans riefen und Bethesda hat geantwortet: Oblivion Remastered bringt den legendären Rollenspiel-Klassiker nach 19 Jahren zurück. Wir klären, was sich an Grafik und Gameplay wirklich getan hat - und wo immer noch einiges zu tun ist.

Fehler mit Charme

Ein schräges Detail bleibt auch im Remaster unverändert: Alle Charaktere haben euch gegenüber einen Sympathiewert, den ihr mit einem kleinen Minispiel beeinflussen dürft. Will ein NPC zum Beispiel nicht mit der Sprache rausrücken, beackert ihr ihn einfach so lange, bis er ein Loblied auf euch singt.

Das ist weder glaubhaft noch spannend, kein Wunder, dass Bethesda das System danach verworfen hat. Doch in Oblivion gehört es einfach zur Spielerfahrung dazu - umso wichtiger, dass die Entwickler nicht daran gerüttelt haben.

Das Gleiche gilt auch für das Schlösser knacken: Hier bekommt ihr das gleiche, leicht fummelige Minispiel wie vor 19 Jahren serviert. Das muss man zwar nicht mögen, aber ich hätte es auch nicht gegen das System aus Skyrim eintauschen wollen.

Überhaupt steckt Oblivion voller liebenswerter Marotten. Zum Beispiel die Möglichkeit, in manchen Geschäften problemlos die ausgestellten Waren einzusacken, nur um sie dann beim Händler daneben gleich wieder zu verkaufen. Sieht so vielleicht gutes Game Design aus? Sicher nicht. Aber es bringt mich noch genauso zum Schmunzeln wie im Original.

Ein Gespräch mit Überzeugen-Minispiel. Quelle: PC Games Das Gleiche gilt für den kultigen Vertonungspatzer, den Bethesda in all den Jahren nie entfernt hat. Oder für die Zufallsgespräche von NPCs, die oft unfreiwillig komisch wirken.

Und ja, ihr könnt genau wie früher eurer Schleichen-Talent schon im Tutorial auf Stufe 100 skillen, wenn ihr das wollt. Und wer mag, kann wieder ganze Haushalte mit vergifteten Äpfeln ausradieren. Veteranen wird's freuen: All diese Glitches, Tricks und Eigenheiten von damals sind immer noch an Bord!

Kampf mit einem Drachen in Oblivion Remastered Quelle: PC Games / Bethesda

Störende Bugs

Leider gilt das aber auch für viele der alten Bugs, die Bethesda in all den Jahren nicht gefixt hat. In meiner Spielzeit bin ich zum Beispiel einmal in eine Situation geraten, in der die Quest scheinbar zum Stillstand kam. (Hier erfahrt ihr, wie ihr das Problem löst.) Öfter hatte ich auch NPCs, die sich in der Umgebung verhakten oder die im Schneckentempo durch die Spielwelt schlurften. Einmal wurde sogar ein ganzer Dungeon mit Giftgas gefüllt, was genau so nervig war, wie es klingt.

Oft lassen sich solche Schnitzer schon durch das Laden eines früheren Spielstands umgehen. Doch das ist nur ein schwacher Trost: Liebe Entwickler, solche Bugs gehören schlicht und ergreifend beseitigt! Ganz besonders in einer Neuauflage zum Vollpreis, in die offensichtlich viel Zeit, Geld und Talent geflossen ist.

Bethesda-Kenner werden jetzt vielleicht sagen, dass es für sowas schließlich Fanpatches gibt, wie bei Skyrim, Fallout und so weiter. Aber erstens können sich die Konsolenspieler davon nix kaufen, die sind nämlich auf offizielle Updates angewiesen. Und zweitens sind Fan-Verbesserungen auch auf dem PC diesmal nicht ganz so einfach machbar, denn für Oblivion Remastered hat Bethesda offiziell bestätigt, dass kein Mod-Support geplant ist.

Was die Community natürlich nicht davon abhält, es trotzdem zu versuchen. So sind in der ersten Woche schon eine ganze Reihe kleinerer Mods auf den üblichen Portalen aufgetaucht, die fügen dann zum Beispiel kleine Cheats hinzu oder passen die Farbgebung näher an das bunte Originalspiel an. Aber das gilt eben nur für die PC-Fassung.

Hier findet ihr eine Übersicht auf Nexus Mods.

Fazit: Starkes Remaster mit Luft nach oben

Kritikpunkte gibt es also, doch vom Kauf scheint das die Fans nicht abzuhalten: Allein auf Steam hat das Remaster mehr als 200.000 gleichzeitige User angelockt, das hat selbst das nagelneue Clair Obscur: Expedition 33 nicht geschafft. Oblivion lässt also wieder mal ordentlich die Kassen klingen.

Und das zu Recht, denn unterm Strich ist Bethesda und Virtuos ein starkes Remaster gelungen. Grafisch würde es fast schon als Remake durchgehen, aber auch die spielerischen Verbesserungen fügen sich gut ein.

Gleichzeitig hat Bethesda darauf geachtet, auch nicht zu viel zu verändern, um das Oblivion-Feeling nicht zu gefährden - schließlich will man es sich mit den alten Fans nicht verscherzen. Für Kenner des Originals, die mal wieder so richtig in Nostalgie baden wollen, ist die Neuauflage darum ein Volltreffer.

Wertung zu Oblivion Remastered (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Oblivion Remastered (PS5)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Oblivion Remastered (XSX)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Das Kult-Rollenspiel kehrt mit schicker Grafik und sinnvollen Verbesserungen zurück - ein Fest für Fans! Die Technik könnte aber besser sein.

Aber auch Neulinge bekommen hier einen hübsch aufbereiteten Klassiker, der immer noch viel Spaß machen kann, wenn man sich darauf einlässt. Ein paar Ecken und Kanten fallen heute allerdings einfach mehr auf als damals und nicht jedes Feature ist wirklich gut gealtert. Ein blitzblank poliertes, modernes Open-World-RPG sollte man also nicht erwarten.

Wer aber endlich wissen will, warum dieses Oblivion vor 19 Jahren so dermaßen eingeschlagen hat, bekommt jetzt die perfekte Gelegenheit, um den Klassiker nachzuholen. So schön war das gute alte Cyrodiil nämlich noch nie.

The Elder Scrolls 4: Oblivion Remastered ist für PC, Xbox Series S/X und PS5 erhältlich. Der Preis liegt bei 55 Euro. Wer zehn Euro mehr hinlegt, bekommt dafür die Deluxe Edition, die neue Waffen und Rüstungen für Held und Pferd beinhaltet. Die braucht übrigens kein Mensch.

Dazu gibt's in der Deluxe-Ausgabe noch ein digitales Artbook und eine Soundtrack-App - was auch immer das sein soll. Ganz egal, welche Fassung ihr kauft: Oblivion Remastered bietet nur englische Sprachausgabe, aber zumindest deutsche Texte. Eine Umsetzung für Switch 2 ist (noch) nicht angekündigt. Transparenzhinweis: Die Testversionen wurden vom Publisher zur Verfügung gestellt.

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