Oblivion Remastered im Test: Pure Nostalgie in Edelgrafik - war das den ganzen Hype wert?

Test Felix Schütz
Oblivion Remastered im Test: Pure Nostalgie in Edelgrafik - war das den ganzen Hype wert?
Quelle: PC Games

Die Fans riefen und Bethesda hat geantwortet: Oblivion Remastered bringt den legendären Rollenspiel-Klassiker nach 19 Jahren zurück. Wir klären, was sich an Grafik und Gameplay wirklich getan hat - und wo immer noch einiges zu tun ist.

Eine weitere Änderung gibt's schon in der Charaktererstellung: Im alten Oblivion hattet ihr hier noch die Auswahl zwischen männlich und weiblich. Diese Entscheidung wirkte sich aber nicht nur auf das Aussehen, sondern auch auf die Charakterwerte wie Stärke oder Intelligenz aus.

Das war schon damals fragwürdig und wirkt heute völlig aus der Zeit gefallen.

Im Remaster läuft das darum anders ab, hier wählt ihr einfach zwischen zwei Körperformen, die dann eben männlich oder weiblich aussehen. Außerdem bestimmt ihr diesmal nicht nur euer Volk, sondern entscheidet euch auch zwischen zwei Herkünften - und die bestimmen dann eure Startwerte, so wie bei der Geschlechterwahl im alten Oblivion. Gut gelöst!

In der Charaktererstellung finden sich nun Herkünfte für alle Völker. Quelle: PC Games

Auch die Gegner leveln mit

Bei den mitlevelnden Gegnern bleibt man aber dem Originalspiel treu, das heißt: Wenn ihr eine Stufe aufsteigt, verfügen auch eure Widersacher plötzlich über bessere Ausrüstung und Zauber, außerdem laufen euch mit der Zeit stärkere Monster über den Weg. Wo ihr am Anfang zum Beispiel noch gegen harmlose Banditen in dünnen Stoffklamotten kämpft, tragen sie später vielleicht wertvolle Mithril-Rüstung und mächtige Glaswaffen. Das bedeutet aber auch, dass ihr deutlich bessere Beute abstauben und bei Händlern viel mehr Gold verdienen könnt.

Eine Kampfszene mit eingeblendeten Balken für Magie, Leben und Ausdauer. Quelle: PC Games Das Balancing beim Mitleveln hat im alten Oblivion nicht immer hingehauen. Doch im Remaster scheint es besser zu funktionieren: In meinen 60 Spielstunden bin ich auf keinerlei Schwierigkeiten gestoßen, ganz im Gegenteil - der normale Schwierigkeitsgrad fühlt sich jetzt eher zu leicht an. Die höhere Stufe "Experte" fällt dafür etwas zu hart aus - für mich wäre darum eine Stufe dazwischen ideal. Bei Bethesda kam die Kritik bereits an, also Daumen drücken, dass hier noch ein Patch folgen wird.

Der PC Games Podcast: Wir quatschen über das Oblivion Remaster

Altes Spiel, neuer Spaß?

Neue Grafik, neue Verbesserungen - da stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob Oblivion überhaupt noch Spaß macht? Glühende Fans wissen natürlich, was sie bekommen. Doch kann man es auch Leuten empfehlen, die bislang vielleicht nur Skyrim kennen - oder die mit Elder Scrolls noch nie zu tun hatten?

Die Antwort darauf ist gar nicht so leicht, denn obwohl Oblivion damals ein Meilenstein fürs Genre war, ist der Titel eben doch 19 Jährchen alt - und seitdem hat sich gerade bei Rollenspielen verdammt viel getan.

Ein Bogenschütze erlegt ein Reh. Quelle: PC Games Auch deshalb war ich erstaunt, wie viel Spaß Oblivion immer noch macht! Natürlich reißen die Kämpfe heutzutage keine Bäume mehr aus und viele Mechaniken haben andere Spiele schon längst besser gelöst. Doch vieles von dem, was mich damals begeistert hat, macht auch heute noch eine gute Figur

Da wäre zum Beispiel die offene Welt, die ihr völlig frei erkunden dürft: Cyrodiil ist immer noch vollgepackt mit Quests und kleinen Geschichten, mit verborgenen Schätzen und absurden Überraschungen. Das alles zu entdecken und dabei euren Helden ganz nach Lust und Laune zu entwickeln, übt auch im Remaster einen großen Reiz aus! Gleichzeitig fällt die Spielwelt nicht so gigantisch aus, dass man keine Ende mehr sieht, im Vergleich zu Skyrim wirkt Oblivion tatsächlich ein wenig kompakter - und das ist ausdrücklich ein Pluspunkt.

Die Übersichtskarte aus Oblivon. Quelle: PC Games

Ecken und Kanten

Bei den vielen Höhlen, Kanalisationen, Elfen-Ruinen und anderen Dungeons muss man allerdings ein paar Augen zudrücken, die waren schließlich schon im Originalspiel ziemlich leer und eintönig. Außerdem muss man hier oft wieder zum Eingang zurücklatschen, denn Abkürzungen gibt es kaum. Der Nachfolger Skyrim hat das viel besser gelöst.

Das gilt auch für die Oblivion-Tore, die sich im Spielverlauf nach und nach öffnen und die euch dann in eine höllische Daedra-Dimension transportieren. Dort müsst ihr euch durch allerlei dämonische Gegner kloppen und ein bisschen die Gegend erkunden, habt aber sonst praktisch nichts zu tun - und das nutzt sich leider sehr schnell ab.

Ein feuriges Daeda-Tor. Quelle: PC Games Bei der Geschichte kann Oblivion dafür zumindest ein bisschen punkten. Die ist natürlich nicht so spannend oder mitreißend geschrieben wie in einem Baldur's Gate 3 oder Dragon Age, aber für ein Elder Scrolls schlägt sie sich immer noch sehr ordentlich - gerade auch im direkten Vergleich zu Skyrim, das hier deutlich weniger zu bieten hatte.

Gilden und Quests

Ein Highlight sind immer noch die Gilden, denen ihr euch anschließen könnt, wenn ihr Lust dazu habt. Das lohnt sich! Egal ob als Krieger, Magier oder aufstrebender Dieb, hier seid ihr viele Stunden gut beschäftigt. Tipp: Verpasst nicht die Dunkle Bruderschaft! Die Meuchelmörder-Gilde ist nicht ohne Grund so beliebt bei vielen Fans.

Auch bei den Nebenquests warten erfreulich viele Aufgaben, die immer noch ziemlich gut abschneiden. Zum Beispiel gibt's kleine Kriminalfälle zu lösen, ihr dürft euer eigenes Schloss verwalten, windige Händler beschatten, Traumwelten erkunden, magische Gemälde betreten oder zum blutsaugenden Vampir aufsteigen.

Ein NPC mit Dialogmenü. Quelle: PC Games Was aber heute mehr denn je auffällt, sind die wenigen Entscheidungen, die ihr bei all diesen Aufgaben treffen dürft. Spätestens seit The Witcher, Fallout 3 und Mass Effect sind wir da einfach so viel mehr gewohnt! Doch in Oblivion verlaufen die meisten Aufgaben noch ziemlich linear und langfristige Folgen erlebt man auch nur sehr selten. Es waren andere Zeiten.

Auch bei den Charakteren lässt sich das Alter des Spiels kaum verbergen: Viele Figuren sind zwar sauber geschrieben und gut vertont, allerdings bleiben fast alle Bekanntschaften flüchtig, dadurch lernt man die meisten von ihnen nie so richtig kennen. Erwartet also keine treuen Begleiter, Romanzen oder tiefergehenden Beziehungen mit Figuren, die euch langsam ans Herz wachsen - das Spiel legt darauf einfach keinen Wert.

Dafür stimmt der Umfang nach wie vor: Auch wenn man die Hauptquest schon in 20 Stunden durchboxen kann, wird euch das Gesamtpaket locker 100 Stunden und mehr beschäftigen - eben typisch Bethesda. Und natürlich sind auch alle Erweiterungen an Bord, allen voran das erstklassige Shivering Isles, das nochmal eine Riesenladung neue Inhalte, Quests und Charaktere ins Spiel bringt.

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