Urheberechtsreform: Sorge vor Zensur

Special Antonio Funes
Urheberechtsreform: Sorge vor Zensur
Quelle: PC Games Hardware

Die Urheberrechtsreform ist von den Vertretern der EU-Staaten bereits abgesegnet, obgleich die Mehrheit hierfür nicht groß war. Das EU-Parlament muss die neuen Gesetze noch verabschieden - werden sie so durchgewinkt, wie sie derzeit sind, drohen Uploadfilter. Wir erklären, was Uploadfilter sind, und versuchen, das Wichtigste rund um das Thema verständlich zusammenzufassen.

Sorge vor Zensur

Das Wort "Zensur" ist freilich nicht zu 100 Prozent korrekt, da die Websitebetreiber und schon gar nicht die EU aktiv jemandem seine Meinung untersagen oder kreative Werke absichtlich der Öffentlichkeit vorenthalten möchten, nur weil sie den Verantwortlichen nicht in den Kram passen. Aber da die zuvor beschriebenen Filter unter Umständen auch viel mehr filtern als das, was wirklich vom Urheberrecht geschützt werden soll, wären die Uploadfilter für viele private Nutzer wie eine Art gefühlte Zensur. In jedem Falle wird die Meinungsfreiheit eingeschränkt - nicht dass Meinungen quasi verboten werden, aber die Steine, die einem dabei in den Weg gelegt werden, behindern zumindest die freie Meinungsäußerung, sodass die Freiheiten zwar nicht abgeschafft, aber eben eingeschränkt sind.

Je politischer ein Inhalt ist, zum Beispiel auch im Bereich der Satire, desto mehr wird es den Betroffenen allerdings wie eine echte Zensur vorkommen, zumal sie nicht ganz sicher sein können, ob beim Blocken oder Löschen eines Inhalte nur ein schlechter Filter schuld war oder mehr dahintersteckt. Lädt ein Familienvater ein Video vom Skifahren mit seinen Kindern hoch, welches ein Filter blockt, weil von der Après-Ski-Party im Hintergrund leise ein österreichischer Volksrocker zu hören ist, dann ist dies eher kurios bis ärgerlich. Wird aber ein Video, in dem ein YouTuber gewisse Missstände bei einer großen Firma anprangert, wegen eines kurz eingeblendeten bekannten Markenlogos geblockt, wird schnell der Verdacht einer bewussten Zensur aufkommen.

Natürlich wäre es keine Zensur, sondern einfach nur eine korrekte Beachtung des Urheberrechts, wenn beispielsweise ein vom Rechteinhaber nicht erlaubter Upload eines kompletten Spielfilms nicht freigeschaltet wird, oder wenn jemand einen kompletten Artikel aus einer Fachzeitschrift einfach öffentlich hochlädt. Wenn aber jemand für einen Satireclip auf Videomaterial zurückgreift, oder lediglich aus einem Artikel zitiert, um zu diskutieren, wäre dies eigentlich erlaubt - beides würde aber von Uploadfiltern vermutlich zunächst blockiert werden. Allerdings: Selbst ein menschlicher Mitarbeiter, der ein Video prüft, könnte fälschlicherweise die Freischaltung verweigern. Bei Algorithmen für Uploadfilter ist die Wahrscheinlichkeit abermals höher. Viele YouTuber machen sich daher große Sorgen darüber, dass viele ihrer Videos künftig nicht mehr hochgeladen werden können und sie mühsam eine Art Erlaubnis einfordern müssen, obwohl ihre Videos auch bei Beachtung der neuen Urheberrechte nicht zu beanstanden sind. Manch einer übertreibt sicherlich mit seinen Szenarien und schürt Panik, vielleicht auch um Aufmerksamkeit zu erhaschen, und auch manch einer, der am liebsten die Urheberrechte komplett abschaffen möchte, wird übertreiben, um gegen die Urheberrechtsreform mobil zu machen. Aber ganz so leicht wie bisher wird es nicht mehr sein, Inhalte hochzuladen, ohne dass sie beanstandet werden.

  1. Seite 1 Urheberechtsreform: Beschluss und Kritik
  2. Seite 2 Urheberechtsreform: Kritik an den Vorgaben
  3. Seite 3 Urheberechtsreform: Uploadfilter
  4. Seite 4 Urheberechtsreform: Sorge vor Zensur
  5. Seite 5 Urheberechtsreform: Nicht allles ist negativ und Alternativen
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