Vom Filzhut bis zum Peitschenknall: So stilecht war Indiana Jones seit Der letzte Kreuzzug nicht mehr. Update: Jetzt auch mit PS5-Wertung!
Gelungene Charaktere
Dass der Plot über weite Strecken funktioniert, ist auch den gut geschriebenen Nebenfiguren zu verdanken. Ein mysteriöser Riese etwa, groß wie ein Kleiderschrank, der vom kürzlich verstorbenen Tony Todd gespielt wird: Er lehrt Indy gleich zu Beginn das Fürchten, doch hinter ihm steckt viel mehr als nur ein wortkarger Schläger. Im Spielverlauf wird seine Rolle nicht nur interessanter, sondern auch viel größer, als ich anfangs dachte!
Toll finde ich auch, dass sich die Geschichte immer wieder Zeit für interessante Nebenfiguren nimmt, Indys guten Freund Antonio zum Beispiel, der mir sofort ans Herz gewachsen ist. Er hätte auch wunderbar in einen Film gepasst!
Ein dickes Lob geht auch an den wundervoll überzeichneten Nazi-Schurken Voss und den hitzköpfigen Viktor Gantz - praktisch jede Szene mit ihnen ist ein Genuss, auch dank der beiden hervorragenden Sprecher. Das entschädigt auch ein wenig dafür, dass in der deutschen Fassung leider nicht alle Stimmen überzeugen: Marcus Brody klingt zum Beispiel kein bisschen wie in den Filmen und entfernt sich auch stark von der englischen Tonspur, die im Vergleich viel besser abschneidet.
Quelle: PC Games
Indiana Jones und der Große Kreis im Test: Der beste Indy seit vielen Jahren - jetzt auch für PS5 (18)
Am heikelsten war aber natürlich die deutsche Vertonung von Indy selbst - und hier kann ich Entwarnung geben. Wolfgang Pampel, mittlerweile 79 Jahre alt, kehrt nicht mehr als Fords Synchronstimme zurück, den Job hat diesmal der Schauspieler Florian Clyde übernommen - und das Ergebnis überzeugt! Wer aber trotzdem lieber im Original spielt, bekommt Troy Baker als Indy zu hören. Der klingt zwar nicht genau wie Harrison Ford, kommt aber schon erschreckend nahe dran. Große Klasse!
Anders sieht es bei der Reporterin Gina aus, die Indy durch sein gesamtes Abenteuer begleitet. Sie ist leider weniger gelungen, ihre Mimik wirkt manchmal hölzern, ihren Dialogen fehlt es an Witz und Schärfe - da wünscht man sich glatt die gute alte Marion zurück. Zumindest agiert Gina aber zuverlässig, greift mir bei vielen Rätseln und sogar in Kämpfen unter die Arme, ohne den Spielfluss zu bremsen. Als Sidekick geht sie darum völlig in Ordnung - auch wenn ihre Figur sicher mehr hergegeben hätte.
Schwächen in der Story
Obwohl die Geschichte richtig stark beginnt und mich bis zur Hälfte mit vielen spannenden Enthüllungen, Gags und Rätseln motiviert, gerät sie nach dem Gizeh-Kapitel ins Straucheln. Zu viel Übernatürliches, zu viel Radau, zu viele geskriptete Actionsequenzen, die selbst für Indiana-Jones-Verhältnisse arg übertrieben sind - da wäre weniger deutlich mehr gewesen.
Quelle: PC Games
Indiana Jones und der Große Kreis im Test: Der beste Indy seit vielen Jahren - jetzt auch für PS5 (10)
Das gilt auch fürs Finale: Die Auflösung geht zwar in Ordnung, doch die letzten Minuten wirken nicht nur ziemlich konstruiert, sie sind auch längst nicht so spektakulär geraten, wie sie es vielleicht gern wären. (Dabei wäre mir ein "ruhiger" Abschluss sowieso lieber gewesen!)
Doch wenn ihr euch nach den letzten beiden Kino-Abenteuern schon aufs Schlimmste eingestellt habt, kann ich euch hoffentlich beruhigen: Auf Nonsens wie Kristall-Aliens haben die Autoren verzichtet und nervige Sidekicks wie Helena und Teddy muss man auch nie ertragen. Danke, Machine Games!
Quelle: PC Games
Indiana Jones und der Große Kreis im Test: Der beste Indy seit vielen Jahren - jetzt auch für PS5 (47)
Nur echt mit Peitsche, Hut und Lederjacke
Auch wenn die Geschichte im Mittelpunkt steht, kommt das Gameplay nicht zu kurz. Machine Games bezeichnet es als Adventure-Action-Spiel, Kämpfe stehen diesmal nicht an erster Stelle. Erwartet also kein neues Wolfenstein!
Gespielt wird aus der Ego-Perspektive, eine Third-Person-Ansicht wie in Tomb Raider oder Uncharted gibt es nicht. Nur in bestimmten Momenten wechselt das Spiel automatisch in eine Verfolgerperspektive, etwa wenn Indy an seiner Peitsche über Abgründe schwingt oder sich durch eine Felsspalte zwängt. Der Grund für den First-Person-Zwang ist simpel: Machine Games will, dass ihr euch fühlt, als würdet ihr selbst Indys abgeranzter Lederjacke stecken - und das ist auch absolut gelungen.
