KI verändert die Gaming-Welt - und ist nicht mehr aufzuhalten

Special Achim Fehrenbach Lukas Schmid
KI verändert die Gaming-Welt - und ist nicht mehr aufzuhalten
Quelle: Nvidia / Screenshot: Fehrenbach

Die Entwicklung von KI macht massive Fortschritte. Auch an der Games-Branche geht die Revolution nicht spurlos vorüber, im Gegenteil - und ist Gefahr, aber auch Chance.

Je mehr Generative AI das Spiel nutzt, desto höher sind allerdings die Server-Kosten - was das Spiel letztendlich teurer macht. Halten wir also fest: In seiner jetzigen Form ist Retail Mage nicht viel mehr als ein Experiment - aber immerhin eines, das ahnen lässt, wohin die Reise bei KI-Games gehen könnte.

Lange Tradition

Der Einsatz von KI in Computerspielen ist ja nichts grundsätzlich Neues: Die Games-Branche nutzt die Technologie schon seit vielen Jahrzehnten. Ein frühes Beispiel ist das Strategiespiel Nim von 1951: Hier konnten Menschen gegen eine KI antreten, die ihre Züge über ein Panel mit Leuchtdioden kommunizierte.

Frühe Formen von künstlicher Intelligenz kamen auch in verschiedenen Schach- und Dame-Programmen zum Einsatz, die in den folgenden Jahrzehnten entwickelt wurden.

Als Meilenstein dieser Entwicklung gilt das Duell des IBM-Computers Deep Blue mit Schachweltmeister Garry Kasparow (1997), das der Computer gewann. Spiele wie Space Invaders (1978) und Pac-Man (1980) nutzten KI vor allem, um Angriffs- und Ausweichmuster zu variieren. In den Neunzigerjahren entstanden dann neue Game-Genres, die spezielle Formen von Computerspiel-KI nutzten.

In Echtzeitstrategiespielen wie Warcraft oder StarCraft etwa kam und kommt Pathfinding zum Einsatz: Eine KI entscheidet darüber, wie sich Figuren und Einheiten über das Spielfeld bewegen. Hauptaufgabe der KI ist, einen möglichst effizienten Weg vom Start- zum Zielpunkt zu finden - und dabei auch Einschränkungen wie Hindernisse und Feind zu berücksichtigen.

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Mit dem Aufstieg der 3D-Shooter ab den neunziger Jahren fand KI ein reges Betätigungsfeld: Sie half, das Kampfverhalten der NPC-Gegner zu simulieren.

Der Horror-Shooter F.E.A.R. von 2005 wurde auch deshalb so populär, weil seine KI die Gegner vergleichsweise schlau agieren ließ: Sie ließen sich nicht einfach abschießen, sondern verschanzten sich und umzingelten den Spieler. In Stealth Games wie Metal Gear Solid wiederum hilft KI den NPCs bei der Suche nach versteckten und schleichenden Spielern.

Ein Meilenstein war das Horror-Survival-Game Alien: Isolation von 2014: Die KI simuliert hier gekonnt ein Alien, das vom Verhalten des Spielers lernt - und seine Jagdstrategie im Raumschiff entsprechend anpasst. Auch große, frei erkundbare Spielwelten wurden - und werden - immer stärker von KI gesteuert.

Red Dead Redemption 2 etwa nutzt KI, um das Verhalten hunderter Figuren zu steuern - ob das nun Cowboys, Banditen oder wilde Tiere sind. Jede dieser Figuren besitzt komplexe Verhaltensmuster, die eine Vielzahl von Einflussfaktoren berücksichtigen - zum Beispiel Wetter, Tag- und Nacht-Rhythmus, das Verhalten anderer NPCs und das Verhalten des Spielers selbst.

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Allerdings zeigen genau solche Spiele auch die Grenzen der bisherigen KI-Nutzung auf. Wer den NPCs in Cyberpunk 2077 durch die Spielwelt folgt und sie beobachtet, der merkt bald, dass ihr Verhalten von Routinen bestimmt wird - trotz aller eingebauten Variationen. Wer sich mit ihnen unterhält, wird bald an thematische Grenzen stoßen.

Viele NPCs besitzen auch nur ein rudimentäres Gedächtnis, weil das Verhalten des Spielers nicht durchgängig aufgezeichnet wird. Will heißen: Ein NPC, der einen Diebstahl oder eine Beleidigung nach kürzester Zeit wieder vergisst, handelt - zumindest nach menschlichem Maßstab - wenig glaubwürdig.

Nützliche Tools

Mit dem Siegeszug von Generative AI ändert sich das nun Schritt für Schritt. Game-Designer können NPCs mit umfangreichem Weltwissen ausstatten - und ihnen im Spiel ganz neue Rollen zuweisen. Wie das aussehen kann, hat Nvidia gleich mehrfach demonstriert. Auf der Computex 2023 stellte der (zuletzt arg gebeutelte) Grafikkarten-Produzent sein Projekt Nvidia ACE vor ("Nvidia Avatar Cloud Engine").

Es soll Spielefirmen die Nutzung künstlicher Intelligenz erleichtern, indem es ihnen die passenden Tools zur Verfügung stellt. Kurz zusammengefasst ist ACE eine Plattform für verschiedene Online-Microservices, die Firmen in ihre Games integrieren können.

Einer dieser Microservices ist ein LLM, das Dialoge zwischen Spielern und NPCs ermöglicht. Anders als bei klassischen Dialogbäumen sind die Gespräche hier sehr flexibel: Man kann die NPCs beispielsweise ausführlich zur Geschichte der Spielwelt befragen, mit ihnen über ihre Abenteuer plaudern oder sich von ihnen Infos über eine Nebenmission geben lassen.

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