KI verändert die Gaming-Welt - und ist nicht mehr aufzuhalten

Special Achim Fehrenbach Lukas Schmid
KI verändert die Gaming-Welt - und ist nicht mehr aufzuhalten
Quelle: Nvidia / Screenshot: Fehrenbach

Die Entwicklung von KI macht massive Fortschritte. Auch an der Games-Branche geht die Revolution nicht spurlos vorüber, im Gegenteil - und ist Gefahr, aber auch Chance.

Willkommen im Fantasy-Möbelhaus! In Retail Mage arbeitet ihr als Angestellte in einer Art Ikea - nur eben einem für Elfen, Krieger und Orks. Die illustre Kundschaft kommt in den Laden, um sich inspirieren zu lassen - schließlich zählt Shopping auch für Rollenspielfiguren zu den angenehmeren Zeitvertreiben.

Darf es ein Amulett für die Gattin sein? Ein Schwert für den Sohnemann? Oder ein fliegender Teppich für den Schwippschwager, der so gerne reist? Die Möglichkeiten im Fantasy-Möbelhaus sind groß.

Wobei es durchaus vorkommen kann, dass das Standardsortiment an seine Grenzen stößt: Etwa dann, wenn sich ein schwerreicher Paladin eine individuell angefertigte Rüstung wünscht. Man will ja schließlich nicht nur auf dem Schlachtfeld glänzen, sondern auch in der Dorfkaschemme eine gute Figur machen. Bling-Bling und so ...

Offen für Sonderwünsche

In klassischen Computerrollenspielen hat der lokale Händler meist ein paar Rüstungen am Start: Lederwamse, Kettenhemden, Schuppenpanzer, Ritterharnische, Elementarrüstungen - das übliche Programm. Wirklich individuell ist das alles meist nicht, sondern eher Konfektionsware, also Kampfbekleidung von der Stange. Anders in Retail Mage: Hier könnt ihr Kunden viele Sonderwünsche erfüllen, notfalls wird dabei auch improvisiert.

Retail Mage: ein Sandwich mit Käse zu belegen, ist noch eine der simpleren Übungen. Quelle: Jam & Tea Studios Retail Mage: ein Sandwich mit Käse zu belegen, ist noch eine der simpleren Übungen.

Der Paladin will beispielsweise eine goldene Rüstung, von innen gepolstert, mit einem fein ziselierten Muster vorn drauf? Kein Problem! Als Einzelhandelsmagier wissen wir sofort, was zu tun ist: Über der Feuerstelle in der Shop-Ecke schmelzen wir einen goldenen Becher aus der Küchenabteilung, gießen das Gold über eine günstige Blechrüstung und gravieren ein hübsches Ornament mit einer Nadel, die wir zuvor aus dem Fakirbrett in der Bettenabteilung geborgt haben.

Dann stopfen wir die Rüstung mit einem Ziegenfell aus, das ursprünglich auf das Sofa in der Ork-Sitzgruppe gespannt war und voilà - fertig ist die Sonderanfertigung!

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Wie das alles funktioniert? Nun, in Retail Mage könnt ihr nicht nur klassisch mit Gegenständen interagieren, sie also aufheben, hinlegen oder fallenlassen. Nein, ihr könnt die Gegenstände auch per Sprachbefehl manipulieren, sie also beispielsweise miteinander kombinieren oder in ihre Einzelteile zerlegen.

Retail Mage reagiert wahlweise auf eingetippte oder gesprochene Anweisungen, nach dem Motto: "Zerlege diesen Tisch in die Tischplatte und die vier Beine." Auch mit den Kunden des Fantasy-Ikea könnt ihr euch unterhalten und alles über ihre Shopping-Vorlieben erfahren.

Was ihr chattet, wird von der KI des Spiels weiterverarbeitet, genauer gesagt von einem Large Language Model (LLM), wie man es von ChatGPT, Claude und Perplexity kennt. Egal, was ihr eingebt - es kommt immer eine Antwort.

Das Spiel Retail Mage formuliert eure Chat-Eingaben um - ihr könnt dann eine auswählen. Quelle: Jam & Tea Studios Das Spiel Retail Mage formuliert eure Chat-Eingaben um - ihr könnt dann eine auswählen.

Mehr als ein Hype?

Retail Mage ist ein sogenanntes "AI-native game" - also ein Spiel, das sein Gameplay stark auf die Möglichkeiten von KI aufbaut. Allerdings ist es kein AAA-Titel, sondern ein Indie-Game mit vergleichsweise niedrigem Budget, so wie die meisten anderen "AI-native games" auch.

Die AAA-Fraktion der Games-Branche ist aber ebenfalls nicht untätig: Auch sie hat in letzter Zeit einiges an KI-Projekten hervorgebracht. Liegt also hier die Zukunft des Gaming? Oder ist das Ganze am Ende nur ein Hype? Wir stellen euch die Games vor, die KI bereits auf wegweisende Art nutzen.

Schauen wir uns zunächst Retail Mage noch einmal genauer an. Das "Wünsch-dir-was" per KI-Chat, das dieses Spiel bietet, klingt erst mal großartig. Ist Retail Mage also das Spiel der unbegrenzten Interaktionsmöglichkeiten? Nicht ganz - oder zumindest noch nicht! Neben der eher hölzernen Grafik hat das Spiel nämlich zwei klare Einschränkungen:

Erstens übernimmt es unsere Chat-Anweisungen nicht 1:1, sondern erzeugt daraus immer vier Sprachbefehle, aus denen man dann einen auswählt. So versucht Retail Mage zu verhindern, dass man völlig krudes Zeugs eingibt, das dem Setting und der Story komplett zuwiderläuft.

Diese "digitalen Leitplanken" kommen auch deshalb zum Einsatz, weil Retail Mage ein Multiplayer-Game mit menschlichen Spielern und NPCs ist: Die per KI umgewandelten Chat-Aussagen sollen verhindern, dass sich Spieler beleidigen oder belästigen. Diese KI-Moderation ergibt fraglos Sinn.

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Die zweite Einschränkung von Retail Mage versetzt der Glaubwürdigkeit der Spielwelt allerdings einen erheblichen Dämpfer. Es ist nämlich so, dass Veränderungen an Gegenständen bisher nur in wenigen Fällen grafisch dargestellt werden. Ja, ein Holztisch verbrennt zu Asche, wenn man ihn per Sprachbefehl anzündet.

Und ja, wer einen roten und einen blauen Zaubertrank zusammenschüttet, der bekommt auch tatsächlich ein lilafarbenes Resultat. Aber: Die eingangs beschriebene Spezialrüstung mit Goldlasur und Ornament sieht in Retail Mage immer noch aus wie eine 08/15-Rüstung.

Bildergalerie

Das Spiel kann sich zwar die neuen Eigenschaften merken und bei künftigen Interaktionen berücksichtigen - aber es kann diese Eigenschaften nicht grafisch darstellen. Besser gesagt: noch nicht. Denn es ist ja durchaus vorstellbar, ein KI-Werkzeug in das Spiel zu integrieren, das solche 3D-Gegenstände erzeugt (entsprechende Werkzeuge wie Luma AI oder Meshy AI sind bereits auf dem Markt).

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