Kritiker feiern Hades 2 als perfektes Spiel. Nach 120 Stunden sehe ich das ein wenig anders.
Test
Die Kritiker sind begeistert, die Wertungen überschlagen sich: Hades 2 ist im Early Access zur erstklassigen Fortsetzung gereift. Rundum perfekt ist es allerdings nicht - im Langzeit-Test der Version 1.0 ziehen wir Bilanz.
Nur selten, ganz selten, gibt es sie: Indie-Spiele, die so durch die Decke gehen, dass sie neue Standards für ein ganzes Genre setzen. Hades war so ein Fall, fünf Jahre ist das her. Und nun will Hades 2 antreten, um zu zeigen, dass es noch besser geht: Die erste Fortsetzung in der Geschichte von Supergiant Games tritt in gewaltige Fußstapfen, kein anderes Indie-Spiel - außer natürlich Silksong - muss in diesem Jahr größere Erwartungen erfüllen.
Doch Hades 2 hat offenbar etwas richtig gemacht: Auf Metacritic rast das Actionspiel mit einem sagenhaften Wertungsschnitt von 95 Punkten (PC) an sämtlichen Mitbewerbern vorbei, sogar das gefeierte Clair Obscur: Expedition 33 muss sich da geschlagen geben. Auf Steam sieht es nicht schlechter aus.
Nachdem ich fast 120 Stunden in Hades 2 (jetzt kaufen 39,90 € ) versenkt habe, den Großteil davon in der finalen Version 1.0, komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis: Hades 2 ist zweifellos eines der besten Spiele des Jahres. Doch ist es wirklich perfekt, so wie ich es in letzter Zeit häufig gelesen habe?
Ich sage: Nein, nicht ganz. Meine Kritik zu einem Spiel, an dem es nicht mehr viel zu kritisieren gibt.
In diesem Artikel
Göttliche Fortsetzung
Hades 2 ist - so banal es auch klingen mag - genau das, was der Titel verspricht: mehr Hades. Es erfindet die Formel nicht neu, fügt ihr nichts Grundlegendes hinzu. Es ist vor allem wesentlich größer und vielfältiger - und genau das macht es auch besser als den Vorgänger, den ich schon im Early Access vor sieben Jahren wie verrückt gespielt habe.
Screenshots aus der fertigen Version
Der gute, alte Zagreus hat dieses Mal allerdings Pause. In Hades 2 spiele ich stattdessen seine Schwester Melinoe, mächtige Hexe und Gottestochter, mit der ich mich top gelaunt durch die griechische Unterwelt kloppe.
Und das läuft exakt so ab wie im ersten Teil, nämlich schnörkellos und ohne nervige Pausen. Auch Hades 2 nimmt meine Zeit ernst, hier wird gespielt und nicht getrödelt: Ich betrete einen Raum, putze ein paar Gegner von der Bildfläche und erhalte dann eine Belohnung, bevor es schnurstracks in den nächsten Raum geht. Dazwischen ein paar kurze Dialoge, vielleicht mal ein Besuch beim Händler oder ein Boss. Doch der Gameplay-Loop bleibt gleich - immer und immer wieder.
Olympische Segen
Die zufälligen Belohnungen, die ich in jedem Raum erhalte, sind wieder der Schlüssel zum Sieg. Manchmal gibt's nur etwas Geld oder mehr Lebenspunkte, selten vielleicht ein Upgrade für meine Waffe. Am wichtigsten sind aber die Gaben der griechischen Götter, die mir das Spiel zufällig hinwirft und die meine Heldin nach und nach zur wahren Kampfmaschine machen.
Quelle: PC Games
Hades 2 bietet deutlich mehr Göttergaben und Synergien als der erste Teil.
Onkel Zeus liefert beispielsweise mächtige Blitzkräfte, seine Frau Hera spendet dafür raffinierte Buffs. Poseidon lässt magische Wellen entstehen, Demeter hat Eiszauber im Gepäck und der Schmiedegott Hephaistos verpasst meinen Angriffen knüppelharte Explosionseffekte, die ganze Gegnergruppen wegdreschen. Die reinste Freude!
Die Götterkräfte sind diesmal nicht nur vielfältiger, sie greifen auch besser ineinander. Wer hier geschickt kombiniert (und eine Extraportion Glück hat!), schaltet Synergie-Effekte frei, die sich gegenseitig dermaßen verstärken, dass selbst Bossgegner nach ein paar Treffern die Segel streichen.
Das heißt aber auch, dass man furchtbar Pech haben kann: Wenn ich nur Gaben erwische, die meinen Mana-Pool oder mein Tempo steigern, aber kaum Kampfkraft liefern oder einfach nicht zu meinem Build passen, wird es spätestens beim Endboss zappenduster. Aber das liegt eben in der Natur eines Roguelikes. Sterben, Respawn, neuer Versuch! Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, warum das noch mehr Spaß macht als im ersten Hades.
