Auch Hades 2 bügelt die größte Schwäche des Vorgängerspiels nicht ganz aus. Trotzdem bietet die Fortsetzung mehr Abwechslung und mehr Spielspaß pro Minute.
Wege durch die Unterwelt
Beim Levelaufbau kann Hades 2 dafür mächtig zulegen. Im Vorgängerspiel ist man immer durch die gleichen Gebiete in der gleichen Reihenfolge gelatscht. Das ist hier eigentlich auch so - nur dass man dieses Mal von Anfang an zwei grundverschiedene Wege zur Auswahl hat. Was für einen Unterschied das macht! Allein die Tatsache, dass ich auf beiden Wegen komplett andere Bosse bekämpfe, macht den Ablauf so viel angenehmer als im ersten Spiel.
Doch selbst damit kann Hades 2 ein Problem leider nicht ganz abschütteln: Nach vielen Stunden (auf die das Spiel nun mal ausgelegt ist) stellt sich ein Wiederholungseffekt ein, man hat alles schon zigfach gesehen.
Einzig die Zufallsereignisse und Mini-Bosse bringen dann noch etwas frischen Wind ins Geschehen: Wo ich zuletzt noch einen wütenden Monster-Eber weichkloppen muss, treffe ich im nächsten Run plötzlich an der gleichen Stelle auf Herkules persönlich, der mich zu einem Wettstreit einlädt - das macht was aus! Trotzdem finde ich es jammerschade, dass Supergiant Games hier nicht noch weitergegangen ist und mehr Abwechslung und Zufallselemente eingebaut hat: Das Spieldesign und auch die Story hätten es locker hergegeben.
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Verpasste Chancen
Denn in Hades 2 geht es letztendlich nur um ein einziges Ziel: Ich soll Chronos plattmachen, den übermächtigen Titanen der Zeit. Daraus hätte man doch alle möglichen verrückten Ideen stricken können! Spontane Zeitreisen, überraschende Trips in die Vergangenheit, spannende Modifikatoren - die Möglichkeiten wären endlos.
Dabei finden sich ein paar solcher Ansätze durchaus im Spiel - allerdings erst gegen Ende der Story oder besser gesagt: nach dem Durchspielen. Da entdecke ich dann plötzlich coole Details, zum Beispiel einen unscheinbaren Vertrag, der ohne Vorwarnung neben einem Händler auftaucht. Wenn ich ihm zustimme, lande ich plötzlich in einem heftigen Bosskampf gegen eine der coolsten Figuren aus dem ersten Hades! Ein tolles Detail, das viele Spieler aber wahrscheinlich nie zu sehen bekommen werden.
Quelle: PC Games
In Hades 2 gibt es keinen Leerlauf, man hetzt von einem Kampf zum nächsten, dazwischen werden massenhaft Upgrades und Schätze gesammelt.
Denn die Geschichte wird in Häppchen serviert, in jedem Run erfährt man ein paar neue Details. Das heißt: Wer wirklich alles sehen, hören und freischalten will, muss viel Zeit investieren und Dutzende Anläufe starten. Bei all seinen Waffen, Zaubern und Upgrades ist nämlich auch Hades 2 ein storylastiges Spiel, die Erzählung und ihre Charaktere nehmen viel Raum ein.
Schwächen in der Story
Was mich zum letzten Kritikpunkt bringt: Zwei Figuren in Hades 2 lassen aus meiner Sicht zu wünschen übrig. Und das sind ausgerechnet die Heldin und der Oberschurke Chronos. Nicht falsch verstehen: Hades 2 ist bis zum Rand gefüllt mit einprägsamen Charakteren! Wie mir das Spiel selbst nach 100 Stunden noch brandneue, geschliffene Dialoge vorsetzt, die noch dazu erstklassig vertont sind, ist beeindruckend. Und das gilt besonders für Melinoe, denn allein ihre Dialogzeilen dürften Bände füllen.
Allerdings hat die Hauptfigur - zumindest für mich - einen Nachteil: Sie hat kaum Ecken oder Kanten, außerdem entwickelt sie sich kaum weiter. Anderen Göttern begegnet sie stets übertrieben höflich, oft sogar unterwürfig.
Auch bei den meisten Nebenfiguren ist sie oft so freundlich und zuvorkommend, dass es schnell zur Routine wird. Selbst nach 100 Stunden ist Melinoe noch so brav und förmlich wie am Anfang - kein Vergleich zu ihrem Bruder Zagreus, der für mich facettenreicher, frecher und einfach witziger rüberkam. Und was ist mit Chronos? Das erfahrt ihr auf der nächsten Seite.
