Gothic: Ein unwürdiger Port auf der Nintendo Switch
Test 33,99 €
Nach mehr als 22 Jahren schafft das altehrwürdige Gothic mit dem Port für Nintendo Switch den Sprung auf die Konsolen. Wie gut das geworden ist, klären wir im Test.
Mit Gothic startete 2001 eine der erfolgreichsten deutschen Rollenspielserien. Über all die Jahre kamen Spieler immer wieder gern zurück in die Minenkolonie von Khorinis - jedoch nur auf dem PC. Im Vorfeld des entstehenden Remakes zum Spiel will THQ Nordic nun den Versuch einer Konsolenversion wagen. Nach mehr als 22 Jahren schafft Gothic also den Sprung auf die Nintendo Switch. Wir haben die Portierung eine ganze Weile unter die Lupe genommen. Doch je länger wir das Minental auf dem großen Bildschirm im Wohnzimmer und unterwegs unsicher machten, desto mehr viel uns auf: Irgendwas stimmt hier nicht. Irgendwas ist faul in der Switch-Kolonie.
Wilkommen im Knast
Bevor wir aber zum Port an sich kommen, müssen wir kurz ausholen, worum es in Gothic (jetzt kaufen 59,99 € / 33,99 € ) eigentlich geht. Schließlich will das Spiel ja auch neue Leute ansprechen, die nicht schon vom PC alles in- und auswendig kennen. Gothic öffnet eine sehr bodenständige und düstere Welt. Das Königreich Myrtana befindet sich im erbitterten Krieg mit den Orks. Um das Kriegsglück auf seine Seite zu ziehen, benötigt der König Waffen aus magischem Erz. Um so viel Erz wie möglich zu fördern, errichtet er eine Sträflingskolonie in den Minen von Khorinis, wo jeder Verbrecher hineingeworfen wird, um das wertvolle Material abzubauen.
Damit niemand abhaut, lässt man die mächtigsten Zauberer des Reiches eine magische Barriere um das Minental errichten. Die lässt Leute zwar rein, aber nicht wieder raus. Wie das mit Verbrechern aber nun mal so ist, brauchen die nicht lang, um sich gegen die Wachen aufzulehnen. Nach einer Revolte ist das Minental in den Händen der Gefangenen. Die handeln mit dem König einen Deal aus: Er gibt ihnen alles, was sie wollen. Dafür holen sie das Erz aus den Minen. Als namenloser Held werden wir jetzt ebenfalls in die Kolonie geschmissen und wollen da natürlich wieder raus. Zuerst müssen wir uns aber in dieser fremden, neuen Welt zurechtfinden.
Quelle: pcgames
Die Kolonie besteht fast ausschließlich aus Sträflingen. Jeder ist sich selbst der Nächste und versucht das Beste aus seiner Situation zu machen. Wir starten als Niemand und arbeiten uns langsam nach oben. Dafür schließen wir uns einem der drei Lager an. Das alte Lager ist das Größte und dort hält man den Deal mit dem König aufrecht. Im neuen Lager arbeitet man an einem Ausbruchsplan und im Lager der Bruderschaft wird Sumpfkraut geraucht und man betet einen Götzen an, dass man ihnen die Freiheit schenkt.
Hat man sich einem Lager angeschlossen, verschließt man damit automatisch die anderen Wege. Das erhöht den Wiederspielwert enorm, jedoch führen alle Lager am Ende auf das gleiche Ziel. Unterwegs hat man die Wahl zwischen verschiedenen Spielweisen. Von Nahkampf über Bogen- oder Armbrustkenntnisse hin zu mächtiger Magie investiert man seine Lernpunkte bei verschiedenen Lehrern.
Der Zahn der Zeit
22 Jahre später sieht man Gothic sein Alter natürlich an. Die Polygonmodelle sind grob und kantig und die Texturen unscharf. Das trifft leider auch auf die Switch-Version zu. Zwar zeigte man im ersten Trailer zum Port noch ein stark verbessertes Beleuchtungssystem. Das wurde jedoch aus Performancegründen verworfen. Bis auf ein paar wenige schärfere Texturen entspricht Gothic auf der Switch also grafisch dem Original.
Quelle: pcgames
Das ist eine vertane Chance, aber nicht unbedingt schlimm. Wer über den kantigen Look hinwegsehen kann, bekommt nämlich trotzdem ein stilsicher präsentiertes Setting, dessen Welt auch heute noch genau den Charme versprüht, wie 2001. Die Welt wird nahtlos gestreamt und nur selten bekommt man einen Ladebildschirm zu Gesicht. Monster & Menschen gehen ihren geregelten Tagesabläufen nach und reagieren auf den Spieler. Laufen wir in eine Hütte werden wir ruppig wieder herausbefördert und greifen wir wahllos Leute an, müssen wir mit den Konsequenzen leben. Das erweckt auch heute noch den Eindruck einer lebendigen Welt, die grundsätzlich auch ohne den namenlosen Helden funktioniert. An ein paar wenigen Stellen wurde sogar Content hinzugefügt, der aus der Releaseversion geschnitten wurde. So hat der Endgegner neue Animationen und der Weg bei der alten Mine wird nicht einfach abgeschnitten.
