Gothic: Die Switch-Version ist eine Enttäuschung

Test Carlo Siebenhüner 33,99 €
Gothic: Die Switch-Version ist eine Enttäuschung
Quelle: THQ Nordic

Nach mehr als 22 Jahren schafft Gothic mit dem Port für Nintendo Switch den Sprung auf die Konsolen. Wie gut das geworden ist, klären wir im Test.

Bei den NPC-Routinen im Nintendo-Switch-Port von Gothic wurde von den Entwicklern sogar angesetzt. Die Bewohner der Kolonie haben jetzt leicht erweiterte Routinen und nehmen etwa Reißaus, wenn ihre Lebensenergie niedrig ist oder wir sie bereits umgehauen haben. Das Anpassen der NPC-KI bringt aber auch neue Probleme mit sich, da offenbar nicht darauf geachtet wurde, eventuell wichtige Ausnahmen zu berücksichtigen. So haben wir etwa von einem Buddler den Schlüssel für die Truhe einer Wache bekommen. Nachdem wir die Wache weggelockt haben, wollten wir uns den Inhalt der Truhe unter den Nagel reißen. Auf dem PC ist das kein Problem. Auf der Switch erkannte die KI des Buddlers, der uns gerade noch den Schlüssel verkauft hat, uns dann als Dieb und griff uns an. Solch übereifrige KI-Situationen gibt es leider immer wieder mal.

Der Port von Gothic auf die Nintendo Switch beinhaltet aber natürlich noch sehr viel mehr Neues, als nur ein paar Texturen und eine angepasste KI. Als reines PC-Spiel gab es bisher nur eine größtenteils auf die Tastatur ausgelegte Steuerung. Schon die Maussteuerung war damals eher rudimentär. Für die Version auf Nintendo Switch musste also eine runderneuerte Steuerung her - angepasst auf die Joy-Cons. Jetzt manövrieren wir den namenlosen Helden gemütlich mit den Sticks durch die Welt. Grundsätzlich geht das auch gut von der Hand, doch leider leistet sich der Port auch hier ein paar Schnitzer.

Kampf-Gefrickel

Grundsätzlich kann man in Gothic zwei Waffen tragen. Auf dem PC waren das noch eine Nahkampfwaffe und eine Fernkampfwaffe. Der Switch-Port macht es jetzt möglich, auch zwei Nahkampfwaffen zu tragen, wenn man will. Zwischen seinen Waffen wechselt man mit den Triggern. Die Angriffstaste ist die A-Taste. Das führte bei uns aber leider immer wieder dazu, dass wir mit gezogener Waffe auf den Gegner zuliefen und dann aus Reflex einen der Trigger zogen und unser Held die Waffe wieder weggesteckt hat. Das ist zwar nervig, aber am Ende Gewöhnungssache.

Beschreibung der Bewegungssteuerung im Spielmenü Quelle: pcgames Problematisch wird es im Kampf, denn hier streicht der Switch-Port eine essenzielle Bedienoption. Gothic setzt auf eine Fokus-Funktion. Erst wenn ein Gegenstand, NPC oder Gegner im Fokus steht, können wir mit ihm interagieren. Zusätzlich gibt es eine Lock-On-Funktion. Auf dem PC hält man dafür die Strg-Taste. Solange man die Taste gedrückt hält, ist ein Gegner im Fokus, selbst wenn er einen flankiert. Der eigene Charakter dreht sich automatisch in die entsprechende Richtung mit.

In der Switch-Version wurde diese Funktion durch einen automatischen Lock-On ersetzt. Bei NPCs und Gegenständen funktioniert der Fokus wie im Original, im Kampf macht er aber sofort Probleme, wenn sich Gegner bewegen. Denn dann kommt der Auto-Lock-On nicht mehr hinterher. Das Problem dabei ist, dass man Gegner, die nicht im Fokus sind, auch nicht treffen kann. Man muss also ständig die Hand vom Angriffsbutton nehmen, mit dem rechten Stick nachjustieren und dann hoffen, dass der Gegner einen nicht schon wieder umkreist. In der Zwischenzeit hat man nämlich meist schon mehrere Treffer kassiert.

Das macht den eh schon knackigen Anfang des Spiels noch schwieriger. Jedoch nicht auf die herausfordernde, sondern auf die frustrierende Art, da man ständig umgehauen wird, weil man nicht mit dem Gegner kämpft, sondern mit der Steuerung. Im späteren Verlauf gleicht sich das dann wieder aus, weil man schlicht mehr Schaden einstecken kann. Im Controller-Layout ist zwar eine Fokus-Option eingezeichnet, für die man den rechten Stick drücken soll. Die war bei uns jedoch komplett wirkungslos.

Ein Ork flankiert den namenlosen Helden Quelle: pcgames Für die Nintendo Switch hat man Gothic sogar den Kampf per Bewegungssteuerung beigebracht. Wer will, kann sein Schwert mittles Joy-Cons also wirklich schwingen. Das hilft sogar etwas beim Lock-On-Problem, da man den Daumen auf dem Stick lassen kann, um zu navigieren. Wie das mit solchen Steuerungsoptionen jedoch üblich ist, hakt das manchmal an nicht oder falsch erkannten Eingaben.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk