Neben der Killerspiel-Debatte ist die Suchtgefahr das beliebteste Argument gegen Spiele. Pure Propaganda oder können Games wirklich abhängig machen?
Auch Belohnungssysteme wie Waffen- oder Fähigkeiten-Upgrades fördern das Weiterspielen. Hat man bei einer komplexen Online-Spielwelt das Gefühl, dass diese sich auch weiterdreht, wenn man pausiert, kann es durchaus zu dem Gefühl kommen, dass man etwas verpasst, wenn man nicht online ist. Sätze wie "Ich kann am Wochenende nicht mit auf die Party gehen, ich bin da Priester bei einer Hochzeit im Online-Rollenspiel“ bekommen Freunde von leidenschaftlichen MMORPG-Zockern bisweilen wirklich zu hören. Die Spieleschmieden würden vorsätzlich Suchtmittel erstellen, meinen die Kritiker deshalb. Die Spielergemeinde dagegen wünscht sich bewusst Games, die sie möglichst lang bei der Stange halten – schließlich zahlt man dafür einiges.
Was ist noch normal?
Wo liegt nun aber die Grenze zwischen exzessivem Spaß an einem Hobby und gefährlichem
Suchtverhalten? Wann ist jemand, der gerne Fußball spielt, ein Fußballjunkie? Kann man jemanden, der jeden Tag Cola trinkt als Cola-abhängig bezeichnen? Die Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin Mainz, die neben Glücksspielabhängigen auch Computerspieler betreut, nennt Anzeichen für problematisches Spielverhalten: "Kontrollverlust bezüglich Beginn, Ausmaß und Intensität des Spielverhaltens;. Scheitern von Versuchen, das Spielverhalten einzuschränken; Entzugserscheinungen; Vernachlässigung von Verpflichtungen“. Analog zur Selbsthilfegruppe der anonymen Alkoholiker gibt es die internationale Organisation der Online Gamers Anonymous. Und in China bezahlen besorgte Eltern sogar ein kleines Vermögen, damit ihre Kinder in Anti-Gaming-Bootcamps per Elektroschocks von ihrer "Sucht“ geheilt werden.
